Neuausgabe von «Karriere eines konstruierten Gegensatzes» erschienen

Im Dezember 2014: Eben habe ich im Eisenherz-Buchladen, Motzstraße 23 in Berlin-Schöneberg (externer Link), die ersten Exemplare der Neuausgabe von Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001 bei der Edition Assemblage gesehen. Der ‹Klassiker› ist um ein aktuelles Nachwort des Herausgebers Koray Yılmaz-Günay erweitert, in den Angaben zu den Autor_innen auf den neuesten Stand gebracht und auf besserem Papier gedruckt worden. Das Buch macht nun im Regal deutlich ‹mehr her› und wird so hoffentlich noch zusätzliche Leser_innen ansprechen. Doch schon im ersten Anlauf – «im September 2011 in einer gewagt hohen Auflage im Selbstverlag erschienen» (Yılmaz-Günay) und ohne ISBN verbreitet – fand es den Weg in die Bibliotheken von zahlreichen Aktivist_innen und wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland und wird bis heute vielfach zitiert. Ich bin nach wie vor stolz darauf, durch Texte und redaktionelle Mitarbeit zu diesem Band beigetragen zu haben. Schön, dass er nun auch über den Buchhandel zu beziehen ist! Passend zur Neuausgabe veröffentlichte das Blog Die Freiheitsliebe ein Interview mit mir: »Progressive Queerpolitik muss antirassistisch sein« (externer Link). Salih Alexander Wolter

Dieser Reader «führt das für die Debatte unentbehrliche Wissen prononciert zusammen». Mädchenblog (externer Link)

«Kritisiert wird die Tendenz von Teilen der Schwulenbewegung, einerseits unverhohlen rassistisch zu sein, gleichzeitig aber durch die ‹Zurschaustellung› von ‹dunkelhäutig-exotischen› Liebhabern Weltoffenheit zu demonstrieren. Andere Texte setzen sich mit der Islamfeindlichkeit als ‹Elitendiskurs› auseinander – also mit dem Phänomen, dass [durch] das Abheben auf die angebliche Homophobie der ‹Anderen› Rassismus auch in aufgeklärt intellektuellen Szenen quasi salonfähig wird.» Antje Schrupp (externer Link)

Der Band bietet «eine verlässliche, wissenschaftlich fundierte und politisch orientierte Analyse, in der facettenreich und vielstimmig die Entwicklungen der letzten zehn Jahre ausgewertet, regional zugespitzt und international eingebunden werden». Heinz-Jürgen Voß auf kritisch-lesen.de (externer Link)

Karriere eines konstruierten Gegensatzes Cover neu● Koray Yılmaz-Günay (Hg.): Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001. Neuausgabe: Münster, Dezember 2014: Edition Assemblage, 216 Seiten, broschiert, 18,00 €, ISBN 978-3-942885-53-9 (Erstausgabe: Berlin, September 2011: Selbstverlag). Zur Verlagsseite für diesen Titel geht es hier. Ein Klick auf das Buchcover oben öffnet das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung des Herausgebers (externe Links).

Der Sammelband enthält Beiträge von Markus Bernhardt, Zülfukar Çetin, Esra Erdem, Jin Haritaworn, Andreas Hieronymus, Alexander King, Georg Klauda, Jennifer Petzen, Dirk Ruder, Saideh Saadat-Lendle, Hilal Sezgin, Yasemin Shooman, Tamsila Tauqir, Salih Alexander Wolter und Koray Yılmaz-Günay; dazu: ein Interview, das Deniz Utlu mit Jasbir K. Puar führte, Stellungnahmen von SUSPECT, Decolonize Queer, Lesbiennes of Color und eine Fotoserie von Aykan Safoğlu.

«An wenigen Wochenenden und sehr geballt ist hier Zusammenarbeit im besten Sinn praktiziert worden: freundschaftlich. Dr. Jin Haritaworn, Dr. Alexander King, Dr. Jennifer Petzen und vor allem Salih Alexander Wolter haben mit ihrem politischen Rat und ihrer tatkräftigen Unterstützung Großes geleistet. Sie sind wesentlich mehr als nur Autor_innen dieses Buchs.» (Koray Yılmaz-Günay)

Salih Alexander Wolter ist mit folgenden Texten vertreten:

Ist Krieg oder was? Queer Nation Building in Berlin-Schöneberg

«Sein ganzer Traum von Männlichkeit». Cem Yıldız sagt, wo es langgeht

mit Koray Yılmaz-Günay: Muslimische Erklärungen gegen Homophobie – Entstehung, Inhalt und Nutzbarkeit

«Eine gelungene Mischung aus kompakt erzählter Geschichte der Queer Bewegung und Einführung in die Intersektionalität». Aus Rezensionen zu «Queer und (Anti-) Kapitalismus»

Zuletzt aktualisiert am 19. Juli 2017 (weiterer Nachtrag zur wissenschaftlichen Rezeption)

Am 28. August 2013 veröffentlichte der Schmetterling Verlag Queer und (Anti-) Kapitalismus von Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter, die 2., durchgesehene Auflage erschien im Juli 2015. Inzwischen wird das Buch auch schon in einer Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen zitiert – Hinweise dazu gibt es am Ende dieses Beitrags. Hier zunächst eine Auswahl aus den Rezensionen (neueste zuerst):

Queer und (Anti-) Kapitalismus Buch des Monats«[E]in auch für Einsteiger_innen gut lesbarer Überblick», schreibt Hans Reuter in Critica – das linke Magazin für Studierende über das «Buch des Monats» Oktober 2014. Der Beitrag –  der am Jahresende auch auf dem vielgelesenen Blog Die Freiheitsliebe veröffentlicht wurde (externe Links zur Rezension) – weist besonders auf «ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Überblickstexten» hin: «die konsequente Einbeziehung eines diefreiheitsliebepostkolonialen, antirassistischen Standpunktes. Dabei wird insbesondere auf die Theorieproduktion Betroffener Bezug genommen und offengelegt, dass auch in emanzipatorischen Kämpfen immer wieder Ausschlüsse marginalisierter Gruppen (wie People of Colour und transgender) stattgefunden haben. Gerade die schwule Szene in Deutschland täte gut daran, selbstkritisch die von Voß und Wolter angesprochenen Entsolidarisierungen und Ausschlüsse zu reflektieren.»

Frigga Haug rezensiert Voß/Wolter: Queer und (Anti-) Kapitalismus (Das Argument, Heft 307)Eine ausführliche Besprechung verfasste Frigga Haug für die von ihr mit herausgegebene Zeitschrift Das Argument, Heft 307 (externer Link zum Inhaltsverzeichnis). Sie unterstreicht, dass Voß und Wolter «auch die BRD ‹als postkoloniales Gebilde› in der ‹neokolonialen Ordnung kritisch ins Visier› [nehmen], an der alle (auch alternative weiße prekarisierte queers) teilhaben ‹als Komplizen›». Weiter heißt es in dem Artikel u. a.: «Die Analyse von Nord und Süd als globale Perspektive gewinnt zugleich eine klarere Sicht auf die Lage der Frauen in der Welt, die (wieder mit Spivak) noch ‹keine Sprache haben›, und auf Migration und Ausbeutung.»

Lambda_Heft 2_2014«Dass queer-feministische Positionen und politische Praxis sowie antikapitalistisches und antirassistisches Engagement sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern untrennbar miteinander verbunden sind, führen Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter detailreich, theoretisch fundiert und politisch streitbar aus», schreibt Gudrun Hauer in den Wiener Lambda-Nachrichten, Ausgabe Mai/Juni 2014 (Link zum externen PDF-Volltext, s. S. 48). Die «spannende Studie» liefere «zahlreiche Einsichten in blinde theoretische und politisch-praktische Flecken von uns weißen politischen AktivistInnen in ökonomisch privilegierten Staaten».

pw_portal logo«Diesem ‹Homonationalismus› und dessen Protagonisten aus dem ‹weißen schwulen Establishment›  begegnen die Autoren mit einer gelungenen Mischung aus kompakt erzählter Geschichte der Queer Bewegung und Einführung in die Intersektionalität, der Theorie mehrdimensionaler Diskriminierung. […] Wolter und Voß demonstrieren, warum Diskriminierung als Normalzustand eben nicht nur rassistisch, klassistisch, sexistisch oder homophob ist, sondern manchmal auch alles in einem. Sie begründen so, warum es dem Queerfeminismus nach wie vor ‹ums Ganze› gehen müsse.» Florian Geisler auf dem Portal für Politikwissenschaft der  Hamburger Stiftung Wissenschaft und Demokratie (externer Link zur Rezension)

Queerulant_in Logo«Die Autor*innen argumentieren streng historisch und verweisen […] auf queere Geschichte selbst», hebt die Queerulant_in, Heft 6 (Januar 2014), hervor. Genau dies sei «eine große Stärke des Buchs […]: queere Geschichte mit marxistischer Theorie zu vereinen und darzustellen».

MALMOE Logo

«Queer und (Anti-) Kapitalismus ist ein Buch, das Perspektiven eröffnet. Die Autoren* […] geben den Anstoß, intersektionale und antikapitalistische Analysen konsequent zusammenzudenken», heißt es in der österreichischen Zeitschrift Malmoe«Der Kampf um die Befreiung von Unterdrückung muss […] multidimensional gedacht und gemacht werden, wenn er wirkungsvoll sein soll.» (Externer Link zur Rezension.)

SINa Logo Voß und Wolter belegen «nachdrücklich […], wie die weiße Frauen- und Queerbewegung People of Color (PoC), deren Bedeutung in der Bewegungsgeschichte und deren Belange (systematisch) […] ausblenden», stellt Katja Krolzik-Matthei im sexualwissenschaftlichen SINA-Newsletter fest und urteilt: «Das Buch bewegt sich auf einem theoretisch höchst anspruchsvollen Niveau und weist eine sehr hohe Dichte an faktenbasierter Information auf. Dennoch: Die Lektüre von Queer und (Anti-) Kapitalismus kann dazu verhelfen, Maßstäbe und Ziele von queer-feministischem Aktivismus zu hinterfragen und gegebenenfalls neu auszurichten und zu formulieren.» (PDF-Volltext, s. S. 8/9 – © 2013 Gesellschaft für Sexualwissenschaft e. V.)

Siegessaeule LogoDas Buch bietet einen «Überblick, vom Marxismus hin zum Poststrukturalismus, zu queeren und postkolonialen Theorien. Ein großes Unterfangen, das die beiden mittels kleiner, leicht lesbarer Formate gut meistern». Siegessäule, Ausgabe Dezember 2013.

frn_logo_text_klein«Ja, wann kommt denn jetzt die Kapitalismuskritik? Hier kommt sie:» Auf Coloradio führt Antje Meichsner engagiert in «dieses wunderbare Buch»  ein und stellt dabei besonders «das konsequente Featuren der Literatur von Personen of Color» heraus. Sie empfiehlt: «Diese spannende Argumentation solltet ihr in voller Länge lesend genießen.» (Externer Link zu Podcast und Textfassung auf dem Audioportal Freier Radios.)

header-uniqueDie Autoren verstehen sich darauf, «Debatten zuzuspitzen und zugleich zu versachlichen», schreibt Kübra Atasoy im Wiener Hochschulmagazin UNIQUE. «Statt sich auf starre Erklärungsmuster zu versteifen, stellen Wolter und Voß Fragen: Sie zeigen auf, was ‹Ökonomiekritik› mit Kapitalismus nicht mehr zu tun hat und wie Kämpfe, die ihren Kern nicht benennen können, zahnlos werden.» (Externer Link zur Rezension.)

akduell_logo«Ist der Kampf für die Rechte und Interessen von Lesben, Schwulen und anderen Queers eine im Grunde unpolitische Lobby-Arbeit oder steht er im Zusammenhang mit anderen ungerechten Verhältnissen, wie Rassismus und Kapitalismus? Die Autoren des neu erschienenen Bandes Queer und (Anti-)Kapitalismus vertreten entschieden letzteren Anspruch und versuchen die vermeintlichen Ein-Punkt-Bewegungen entgegen dem schwul-lesbischen Mainstream zu verbinden. Dabei argumentiert das Buch vor allem bewegungsgeschichtlich und keinesfalls theoretisch abgehoben», heißt es in ak[due]ll Studentische Zeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet  (externer Link zum Artikel).

logo_farbe_queer.de_01«Seit Werner Hinzpeters Schöne schwule Welt (1997) und Eike Stedefeldts Schwule Macht (1998) hat niemand mehr so konkret die Akteure der schwul-lesbischen Szene – wie etwa LSVD und Queer Nations – analysiert und kritisiert. Man darf gespannt sein, ob als Reaktion wieder nur beleidigte Abwehr kommt oder – man soll die Hoffnung nie aufgeben – ein Umdenken erfolgt.» Ulrike Kümel auf queer.de (externer Link zur Rezension).

Analyse-Kritik-Logo«Die LeserInnen tauchen direkt ein in die vielschichtigen Zusammenhänge der Entstehung eines globalen Kapitalismus, historischer Kolonialisierung und aktueller Migrationspolitik sowie sich wandelnder Geschlechter- und sexueller Verhältnisse.» Lisa Krall in Analyse und Kritik (externer Link zur Rezension).

Logo MM_end«[…] eine tiefgehende Untersuchung und erkenntnisreiche Abhandlung, die aufgrund ihrer Komplexität und Fülle an Aspekten und Perspektiven ein breites Publikum anspricht und auch ein zweites und drittes Lesen nicht weniger interessant macht.» Mädchenmannschaft (externer Link zur Rezension).

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Nachtrag zur wissenschaftlichen Rezeption, zuletzt ergänzt am 19. Juli 2017: Queer und (Anti-) Kapitalismus wird u. a. in den folgenden wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen zitiert (Reihenfolge des Erscheinens): Volker Woltersdorff: Homosexualitätsforschung und Queerstudien, in: Florian Mildenberger, Jennifer Evans, Rüdiger Lautmann & Jakob Pastötter (Hg.): Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklung und Perspektiven, Hamburg 2014: Männerschwarm Verlag, S. 205-239; Gudrun Perko & Dorothea Kitschke: Kompetenzmessung in der Hochschullehre? Eine Studie über die Vermittlung und Einschätzung von Gender/Queer- und Diversity-Kompetenzen für soziale Berufe im Hochschulkontext, Weinheim & Basel 2014: Beltz Juventa; Manfred Prisching: Wissens- und Deutungsprobleme beim öffentlichen Vortrag, in: Ronald Hitzler (Hg.): Hermeneutik als Lebenspraxis. Ein Vorschlag von Hans-Georg Soeffner, Weinheim & Basel 2015: Beltz Juventa, S. 214-230; Thomas K. Gugler: New Media, Neosexual Activism and Diversifying Sex Worlds in Post-Liberalization India, in: Nadja-Christina Schneider & Fritzi-Marie Titzmann (Hg.): Studying Youth, Media and Gender in Post-Liberalisation India. Focus on and about the «Delhi Gang Rape», Berlin 2015: Frank & Timme / Reihe Kommunikationswissenschaft, Bd. 6, S. 143-166; Ole Norhausen: Soziale Arbeit als Ort der Postwachstumsgesellschaft. Care, Commons und sozial-nachhaltige Ökonomie, Berlin 2015: Wissenschaftlicher Verlag; Rüdiger Lautmann: Sexuelle Vielfalt oder Ein Ende der Klassifikationen?, in: Sven Lewandowski & Cornelia Koppetsch (Hg.): Sexuelle Vielfalt und die UnOrdnung der Geschlechter. Beiträge zur Soziologie der Sexualität, Bielefeld 2015: Transcript, S. 29-66; Johannes Kohaupt: Rockmusik. Eine hermeneutische Untersuchung. Volume II: Gegenkulturen von Gothic-Rock bis Emocore, Hamburg 2015: Tredition; Patrick Helber: Dancehall und Homophobie: Postkoloniale Perspektiven auf die Geschichte und Kultur Jamaikas, Bielefeld 2015: Transcript; Gudrun Perko: Das «Social Justice und Diversity Concept» zugunsten einer politisierten pädagogischen Praxis, in: Sarah Huch & Martin Lücke (Hg.): Sexuelle Vielfalt im Handlungsfeld Schule: Konzepte aus Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik, Bielefeld 2015: Transcript, S. 69-92; Christine Riegel: Bildung, Intersektionalität, Othering. Pädagogisches Handeln in widersprüchlichen Verhältnissen, Bielefeld 2016: Transcript; Marion Thuswald: Diversity Studies. Theorie und Forschung zu Differenzen und Diversität, in: Elke Gaugele & Jens Kastner (Hg.): Critical Studies. Kultur- und Sozialtheorie im Kunstfeld, Wiesbaden 2016: VS Springer, S. 263-290; Antje Neumann: Geschlechterverhältnisse verändern. Formen queer-feministischer Interventionsstrategien, Hamburg 2016: Marta Press; Sophie Vögele & Karin Hostettler: Gender and Sexuality. Place/s of Imperialism? Thinking Europe as Post_colonial, in: Murat Ates, James Garrison, Georg Stenger & Franz Martin Wimmer (Hg.): Orte des Denkens – Places of Thinking, Freiburg & München 2016: Verlag Karl Alber in der Verlag Herder GmbH, S. 321-335; Peter-Paul Bänziger & Zülfukar Çetin: Die Normalisierung eines Ausnahmezustands? Geschichten der Aids- und der Drogenthematik in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1980er Jahren, in: Hannah Ahlheim (Hg.): Gewalt, Zurichtung, Befreiung? Individuelle «Ausnahmezustände» im 20. Jahrhundert, Göttingen 2017: Wallstein Verlag, S. 117-140; Ilse Lenz: Genderflexer? Zum gegenwärtigen Wandel der Geschlechterordnung, in: Dies., Sabine Evertz & Saida Ressel (Hg.): Geschlecht im flexibilisierten Kapitalismus? Neue UnGleichheiten, Wiesbaden 2017: VS Springer, S. 181-221.– Außerdem empfiehlt Diana Demiel Queer und (Anti-) Kapitalismus in dem von Anne Allex hg. Band Stop Trans*-Pathologisierung: Berliner Positionen zur internationalen Kampagne, 3., wesentl. erw. Auflage, Neu-Ulm 2014: AG SPAK Bücher, S. 177f (das Buch erschien im Januar 2015).

Heinz-Jürgen Voß & Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-) Kapitalismus

Aktualisiert am 10. Juni 2015

Heinz-Jürgen Voß & Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-) Kapitalismus  • Heinz-Jürgen Voß & Salih Alexander Wolter: Queer und (Anti-) Kapitalismus, Stuttgart 2013 (2., durchgesehene Auflage 2015): Schmetterling Verlag, 160 Seiten, broschiert, 12,80 €, ISBN 3-89657-081-1. Zur Verlagsseite für diesen Titel geht es hier (dort sind auch das Inhaltsverzeichnis, die ersten Seiten des Buches und der Anfang des Abschnitts «Stonewall revisited» zu finden). Rezensionen und Hinweise zur wissenschaftlichen Rezeption finden sich hier. Und so lautet der Klappentext:

Die ‹Erfolgsgeschichte› der bürgerlichen Homo-Emanzipation in den westlichen Industriestaaten während der letzten Jahrzehnte fällt mit der neoliberalen Transformation der Weltwirtschaft zusammen. Während vor allem weiße schwule Männer Freiheitsgewinne verbuchen, kommt es zu einem entsolidarisierenden Umbau der Gesellschaft, verbunden mit zunehmend rassistischen Politiken im Innern; zugleich dient der ‹Einsatz für Frauen- und Homorechte› als Begründung für militärische Interventionen im globalen Süden. Dabei waren es schon 1969 in der New Yorker Christopher Street «[S]chwarze und Drag Queens/Transgender of colour aus der Arbeiterklasse», die den Widerstand gegen heteronormative Ausgrenzung und Gewalt trugen und «sich in Abgrenzung zu weißen Mittelklasse-Schwulen und [-]Lesben ‹queer› nannten, lange bevor deren akademische Nachfahren sich diese Identität aneigneten» (Jin Haritaworn). Doch auch hierzulande sind es die queer People of Color, die aktivistisch wie theoretisch gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des gängigen Homonationalismus entwickeln. 
Im Band betrachten wir die aktuell viel diskutierten Ansätze einer ‹queer-feministischen Ökonomiekritik› vor dem Hintergrund queerer Bewegungsgeschichte. Wir zeigen mögliche Verbindungen zum ‹westlichen Marxismus› Antonio Gramscis, zum postkolonialen Feminismus Gayatri Chakravorty Spivaks, zu den ‹Eine-Welt›-Konzepten von Immanuel Wallerstein und Samir Amin auf. Wegweisend ist für uns ein intersektionales Verständnis, wie es Schwarze Frauen und queere Migrant_innen in der Bundesrepublik bereits seit den 1980er Jahren erarbeitet haben. Uns interessiert in diesem Band, wie Geschlecht und Sexualität – stets verwoben mit Rassismus – im Kapitalismus bedeutsam sind, sogar dort erst aufkommen oder funktional werden. Theoretisch, historisch und immer mit Blick auf Praxis untersuchen wir die Veränderungen der Geschlechter- und sexuellen Verhältnisse der Menschen unter zeitlich konkreten kapitalistischen Bedingungen. Wem nützen die geschlechtlichen und sexuellen Zurichtungen der Menschen im Kapitalismus, und was lässt sich aus den historischen und aktuellen Kämpfen für queere Kapitalismuskritik lernen?

Einen einführenden Vortrag zum Thema «Queer und Kapitalismuskritik», den Heinz-Jürgen Voß im Juni 2013 beim e*camp – gegen Kapitalismus und sein Geschlechterverhältnis hielt, gibt es hier zu hören (extern: Infotext mit Links zu den mp3-Dateien).

Koray Yılmaz-Günay & Salih Alexander Wolter: Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte»

Zuletzt aktualisiert am 4. November 2016 (Nachtrag zur wissenschaftlichen Rezeption erweitert)

Ein Band, in dem «die Beschreibung gesellschaftlicher Verhältnisse stets um die Handlungsebene zur emanzipatorischen Entwicklung von Politik ergänzt» wird. Heinz-Jürgen Voß auf kritisch-lesen.de (externer Link)

«Bei der Auslagerung von Homophobie wie von Antisemitismus zu Menschen, die als migrantisch und/oder muslimisch identifiziert werden, spielen schwule Meinungsbildner seit den 1990er Jahren eine wichtige Rolle. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird nicht müde, auf die Gefahren des antimuslimischen Rassismus und auf gemeinsame Interessen hinzuweisen, wie etwa in den Debatten um das Kopftuch oder die Beschneidung von Jungen. Demgegenüber bedient sich die ‹Community› einer Rhetorik gemeinsamen Leids mit ‹den› Jüd_innen, um eine strukturell rassistische und antisemitische Dominanzgesellschaft in ihren Grundfesten zu bestätigen. Indem sich der deutsche Homonationalismus positiv auf das ‹geläuterte Deutschland› bezieht, bewirkt er – gewollt oder ungewollt – vor allem eine Deutschwaschung der schwulen Szenen.» Koray Yılmaz-Günay/Salih Alexander Wolter (Wer MACHT Demo_kratie?, S. 73)

Im Juni 2013 veröffentlichte die Edition Assemblage in Münster den Sammelband Wer MACHT Demo__kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen, hg. von Duygu Gürsel,  Zülfukar Çetin & Allmende e. V. (256 Seiten, broschiert,  16.80 €, ISBN 978-3-942885-34-8).  Er enthält Beiträge von Martina Benz, Houria Bouteldja, Zülfukar Çetin, Safter Çınar, Juan Pablo Díaz & Pablo Hermann & OKK (Organ Kritischer Kunst), Gaston Ebua, Urmila Goel, Ramon Grosfoguel, Duygu Gürsel, Cağrı Kahveci, Christiane Mende, Stephen Sulimma, Vassilis Tsianos, Ulu Turgay, Women in Exile sowie Koray Yılmaz-Günay & Salih Alexander Wolter.

Der Essay Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte» von Yılmaz-Günay/Wolter ist auch online zu lesen (PDF mit dem vollständigen Text). Eine gekürzte Fassung erschien vorab in ZAG Antirassistische Zeitschrift, Heft 63 (externer Link zum Beitrag). Am 17. August 2013 fand beim Berliner Festival gegen Rassismus ein gut besuchter Workshop zum Buch mit Herausgeber Zülfukar Çetin und den Autoren Safter Çınar, Turgay Ulu und Salih Alexander Wolter statt. Die erste Würdigung des Sammelbands, dem es in besonderer Weise gelingt,  «Aktivismus und theoretische Reflexion miteinander zu verbinden», gab es auf dem Mädchenblog (externer Link zur Rezension). Für kritisch-lesen.de besprach Heinz-Jürgen Voß das Buch und ging dabei ausführlich auf die Beiträge von Vassilis Tsianos und Yılmaz-Günay/Wolter ein, die jeweils die Beteiligung von weißen «Mittelschichts-Schwulen an rassistisch und klassistisch ausgrenzender Politik» analysieren (s. Link am Anfang dieses Artikels).

Nachtrag zur Rezeption von Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte»: Der Text wird u. a. in folgenden wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen zitiert: Zülfukar Çetin & Savaş Taş: Kontinuitäten einer Kooperation: Antimuslimischer Rassismus in Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Staat, in: Farid Hafez (Hg.): Jahrbuch für Islamophobieforschung 2014, Wien 2014: New Academic Press, S. 19-41; Heinz-Jürgen Voß: Homosexualität in den Naturwissenschaften, in: Florian Mildenberger u. a. (Hg.): Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklung und Perspektiven, Hamburg 2014: Männerschwarm Verlag, S. 345-373; Heinz-Jürgen Voß: Zwischen Wissenschaft und Bewegung. Hirschfeld zu geschlechtlichen Zwischenstufen – und das Abbrechen mit der Nazi-Zeit, in: Rüdiger Lautmann (Hg.): Capricen. Momente schwuler Geschichte, Hamburg 2014: Männerschwarm Verlag, S. 87-108; Friederike Schmidt & Anne-Christin Schondelmayer: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – (k)ein pädagogisches Thema?, in: dies. & Ute B. Schröder (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 223-240); Zülfukar Çetin: Der Schwulenkiez. Homonationalismus und Dominanzgesellschaft, in: Iman Attia u. a. (Hg.): Dominanzkultur reloaded. Neue Texte zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und ihren Wechselwirkungen, Bielefeld 2015: Transcript Verlag, S. 35-46); Jin Haritaworn: Queer Lovers and Hateful Others: Regenerating Violent Times and Places, London 2015: Pluto Press (Vertrieb in den USA durch die University of Chicago Press); Zülfukar Çetin & Heinz-Jürgen Voß: Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität. Kritische Perspektiven, Gießen 2016: Psychosozial-Verlag.

Motzstraßenfest 2012: Das schwule Establishment feiert – und die Antidiskriminierungsarbeit wird zu Grabe getragen

Aktualisiert am 23. Juli 2012 (Nachtrag)

Im Homokiez von Berlin-Schöneberg, wo seit Jahren gegen Migrant_innen gehetzt wird, reicht es offensichtlich nicht, Lügen Lügen zu nennen. Deshalb habe ich mich beim Motzstraßenfest 2012 als Sargträger «im Dienst der Wahrheit» betätigt. Dem Zug mit der schönen Leiche «Antidiskriminierungsarbeit» gingen Mitarbeiter_innen der «zweiten Generation» von GLADT e. V. voran. Der Verein hatte sich in der Vergangenheit stets entschieden gegen die Menschenfeindlichkeit in diesem Viertel gewandt.
Salih Alexander Wolter

Protest gegen rassistische, transphobe und sexistische Diskriminierungen auf dem Motzstraßenfest (©2012 Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen für alle c/o GLADT e. V.)
Protest gegen rassistische, transphobe und sexistische Diskriminierungen auf dem Motzstraßenfest (©2012 Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen für alle c/o GLADT e. V.)
Motzstraßenfest: Vor dem sogenannten «schwulen Antigewaltprojekt ‹Maneo›» wird die Antidiskriminierungsarbeit aufgebahrt (©2012 Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen für alle c/o GLADT e. V.)
Motzstraßenfest: Vor dem sogenannten «schwulen Antigewaltprojekt ‹Maneo›» wird die Antidiskriminierungsarbeit aufgebahrt (©2012 Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen für alle c/o GLADT e. V.)

Nachtrag: Bei der Abschlusskundgebung des transgenialen CSD 2012 ging GLADT noch einmal auf die zurückliegenden Auseinandersetzungen um das Motzstraßenfest ein. Der Text ist – wie die anderen Reden, die am 23. Juni 2012 auf dem Kreuzberger Heinrichplatz gehalten wurden – hier dokumentiert (externer Link).

Ist Krieg oder was? Queer Nation Building in Berlin-Schöneberg

Zuletzt am 4. November 2016 aktualisiert (Notiz zur Rezeption des Textes erweitert)

Der folgende Essay wurde eigens für Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule» – Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001, hg. von Koray Yılmaz-Günay, verfasst. Bei der Edition Assemblage erschien im Dezember 20114 eine Neuausgabe des Bandes (216 Seiten, broschiert, 18,00 €, ISBN 978-3-942885-53-9).

Salih Alexander Wolter:
Ist Krieg oder was? Queer Nation Building in Berlin-Schöneberg

«Auch der Begriff der Nation […] bleibt mir fremd. Vielleicht, weil ich in einer Stadt aufgewachsen bin, die zu keinem Land gehört hat.»
Michael Wildenhain
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«Ein Mummenschanz der Perversionen»

In unserem Namen ist die im Januar 2006 erschienene Broschüre der Berliner «Initiative Queer Nations» überschrieben. Diese wolle, heißt es im Grußwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, «an die Tradition Magnus Hirschfelds anknüpfen» und in der Stadt eine Einrichtung zur wissenschaftlichen Erforschung von «Geschichte und Gesellschaftlichkeit der Homosexualitäten und der Diskriminierung Homosexueller» schaffen. Dass hier die eine oder andere «schmerzliche Erinnerungslücke» zu schließen wäre, wie von Klaus Wowereit beklagt,2 erweist sich auf den ersten Blick.

«Berlin als die Hauptstadt unseres Landes», schwärmt der Werbetext, für den der taz-Journalist Jan Feddersen, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Vereins, als Redakteur verantwortlich zeichnet, «ist näher denn je an den Lebensgefühlen, die Briten wie Christopher Isherwood Ende der Zwanzigerjahre in ihre Heimat berichteten: liberal, tolerant, im preußischen Sinne bestens geeignet, jeden und jede nachseiner und ihrer Fasson glücklich werden zu lassen.»3 Tatsächlich schreibt Isherwood in seinen Memoiren, er habe gewollt, dass die Leser_innen seiner Bücher «in Berlins grauen Straßen und heruntergekommenen Massen, in Armut, Stumpfsinn und Langeweile des überdimensionalen preußischen Provinznests, das zu Deutschlands scheinbarer Hauptstadt geworden war, Spannendes entdeckten». Dass Nachgeborene ihn um seine Zeit dort beneideten, erschien ihm deshalb «schmeichelhaft, aber auch ironisch».4

Er selbst drängte damals seine Zimmerwirtin in der Schöneberger Nollendorfstraße dazu, kommunistisch zu wählen,5 und empfand «eine herrliche Freiheit» nur in der Gesellschaft burschikoser junger Arbeiter– «und fast alle waren sie arbeitslos» – in einfachen Kreuzberger Kneipen6 . An den Westen der Stadt erinnert er sich dagegen so: «Kreischende Jungs in Frauenkleidern und Mädchen mit Monokel, Smoking und Kurzhaarfrisuren wie in Eton spielten dem schaudernden Betrachter hier Jubel, Trubel, Heiterkeit eines Sodom und Gomorrha vor, womit sie ihnen [sic] die Bestätigung gaben, dass Berlin immer noch die dekadenteste Stadt in Europa sei.» Für Isherwood ist das nur ein «Reklamespruch» im Wettbewerb der Metropolen gewesen, denn was «konnte man da den Berlinbesuchern noch bieten außer einem Mummenschanz der Perversionen?»7

Die Broschüre der «Queer Nations» fährt übrigens unmittelbar fort: «Die alljährliche Parade am Christopher-Street-Day zählt zu den mächtigsten touristischen Magneten Berlins: Kein schlechter Ton vermiest diesen sommerlichen Umzug jener, die noch vor gar nicht so langer Zeit verfolgt und bestraft und im bürgerlichen Sinne kaum mehr gesellschaftsfähig sein konnten.»8

Europäische oder anatolische Seite?

Die B 1, die hier erst Haupt-, dann Potsdamer Straße heißt, sei «der Bosporus von Schöneberg», war kürzlich im Berliner tip zu lesen, der der voranschreitenden Aufwertung des Stadtteils eine Titelgeschichte widmete.9 Das Magazin empfahl Interessierten den Verlauf der Bundesstraße zur groben Orientierung im «neuen Schöneberg», das im Berlin-Vergleich der letzten Jahre überdurchschnittliche Preissteigerungen bei Neuvermietungen von Standardwohnungen aufweist.10 Etwa zweieinhalb Kilometer lang zieht sie sich vom Innsbrucker Platz, wo S-Bahn-Ring und Autobahnauffahrt die südliche Grenze der Innenstadt markieren, bis hinauf zur Kurfürstenstraße, deren Nordseite schon zum Verwaltungsbezirk Mitte gehört, durch das dichtbesiedelte Terrain zwischen Wilmersdorf und Kreuzberg: «Westlich davon liegen die beliebten Wohnlagen, östlich die Problemgebiete.»

Im Schöneberger Norden ist diese soziale Topographie zuweilen noch mehr Anspruch als Wirklichkeit – nicht nur, weil Menschen aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, wenn in der Kirche am Dennewitzplatz Lebensmittelpakete der Berliner Tafel ausgegeben werden. In den Nachkriegsblocks der Bülow- und Frobenstraße, einem Quartier westlich der Potsdamer, wo sich institutionelle Anleger am Erbe der aufgegebenen städtischen Baupolitik gesundstoßen, beschweren sich auch Alteingesessene über die Prostitution, die sich hier im Gefolge der EU-Erweiterung ausgebreitet habe. Dabei war die Gegend in der zentralen Randlage der Hauptstadt bereits zu Kaisers Zeiten einschlägig bekannt und bot später literarischen Gestaltungen der westberliner Tristesse das passende Lokalkolorit, vom Weltbestseller der Christiane F. bis zu Pieke Biermanns Huren-Krimi Potsdamer Ableben. Die Journalisten Benny Härlin und Michael Sontheimer beschrieben 1983 für die Kulturzeitschrift Transatlantik den Drogenstrich und die zahlreichen Billigpuffs und zitierten einen Kenner, der meinte, «wenn Sie mal vierhundert Meter links und rechts von der Bülowstraße einfach alle Leute einsammeln würden, da hätten sie gut und gern 10 000 Jahre Knast zusammen».11 Doch der Versuch, sich das eigene Milieu respektabel zu reden, ist nicht neu – die halbe Stadt hat sich so durch die Mauerjahre gemogelt.

Jüngeren Datums ist hingegen in Schöneberg die Frage: «Europäische oder anatolische Seite?» Sie impliziert die Lösung eines Problems, das nach 1989/90 gerade in dieser Hälfte Berlins dringend wurde, wo die sich abzeichnende Realität des «wirtschaftsgeographischen Begriffs ‹Deutschland›» (Georg Fülberth)12 den Verlust des in der jahrzehntelangen Systemauseinandersetzung inszenierten «Wir» umso spürbarer machte: Wie lässt sich die weitere Zugehörigkeit zu einer «Wertegemeinschaft» begründen, «die trotz des Endes des West-Ost-Konflikts mit ‹der Westen› umschrieben wird»? Die Antwort – «Es mussten neue Blöcke her, die in überzeugender Weise gegeneinander stehen»13 – verbindet sich, wie Koray Yılmaz-Günay gezeigt hat, mit dem gesellschaftlichen Aufstieg eines bestimmten Teils der bundesdeutschen Schwulenszene. Für diesen ist «Schöneberg» ebenso sehr Chiffre wie begehrter Lebensort – wobei alles, was damit heute assoziiert wird, im «Westen» liegt.

Hier zog vor dem Rathaus, in dem während des Kalten Kriegs der Durchhaltewillen verwaltet wurde, eine grüne Bezirksbürgermeisterin 1996 erstmals im Vorfeld des Christopher Street Days die Regenbogenfahne auf, und seit dem 1. August 2001 können drinnen Eingetragene Lebenspartnerschaften stilvoll im Goldenen Saal geschlossen werden. Weiter nördlich bietet, außer «schwulen» Blumenläden, der Kiez um Nollendorfplatz und Motzstraße ein gut sortiertes Nachtleben, samt Bars, in denen Jungs aus Rumänien anschaffen, und Clubs, die sich auf die unterschiedlichsten Fetische spezialisiert haben. Natürlich will man da wohnen, am liebsten in saniertem Jugendstil im Bayerischen Viertel, aber «dabei» ist man auch schon mit einer der Zwei-Zimmer-Hutschachteln, die im Wiederaufbauprogramm der 1950er/1960er Jahre auf den freigebombten Flächen übereinandergestapelt wurden und heute oft für teuer Geld als «Altersabsicherung» weggehen. Auch der «Lesben- und Schwulenverband in Deutschland» (LSVD) residiert hier seit einigen Jahren – in einer repräsentativen Altbau-Zimmerflucht, für die der Bezirk die Miete zahlt. Von da wäre es ein bequemer Spaziergang, gen Osten die Bülowstraße entlang, zum «Bosporus». Doch einflussreiche schwule Publizisten wurden nach dem 11. September 2001 nicht müde, die Gefahren dieser Nähe zu beschwören.

Aufbruch im «Problemgebiet»

Dabei kam die zweite deutsche Schwulenbewegung von der «anderen» Seite. Im Osten Schönebergs, in der Kulmer Straße, eröffnete 1977 die sozialistische Homosexuelle Aktion Westberlin – gegründet vor vierzig Jahren, im August 1971 – das Schwulenzentrum, bald einfach als SchwuZ bekannt. Es befand sich in einer Fabriketage – man nannte so was noch nicht «Loft» – im Hinterhaus einer Mietskaserne im «Sanierungsgebiet», das zum Abriss für die «autogerechte Stadt» vorgesehen war. Deshalb wurden hier bevorzugt «Gastarbeiterfamilien» angesiedelt, denen Menschen folgten, die dem Bürgerkrieg im Libanon oder der Militärdiktatur in der Türkei entkommen waren.

Damals ein Heranwachsender, erinnere ich mich, dass sich die Männer, die das SchwuZ in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren aufsuchten, erkennbar nicht bemühten, bürgerlichen Normen zu entsprechen. Meist Studenten, die es um nichts in den Muff der westdeutschen Provinz zurückzog, vom drohenden Zwangsdienst zu schweigen, führten sie im «Tante-Magnesia-Raum» – eine Hommage an Magnus Hirschfeld, den Mentor der ersten Schwulenbewegung im Berlin Kaiser Wilhelms und der Weimarer Republik – leidenschaftliche Diskussionen über die Beiträge für ein radikales Blatt namens Schwuchtel und feierten an den Wochenenden ausgelassene Partys. Aber Konflikte mit der Nachbarschaft gab es allenfalls wegen der Lautstärke, wenn am frühen Sonntagmorgen «Brühwarm» über den Hof schallte: «Wann, wann, wann fangen wir endlich an, warm zu leben?»

Ist in Schöneberg einfach eine Entwicklung nachgeholt worden, die in den USA bereits Mitte der 1970er Jahre einsetzte? Dort verlor – so Annamarie Jagose in ihrer Einführung in die Queer Theory – das «Befreiungsmodell sowohl für die Schwulen- als auch für die Lesbenbewegung an Bedeutung».14 Sie machten sich nun daran, eine «Community» nach dem ethnischen Modell der amerikanischen Schwarzen aufzubauen, die auf «Gay Pride» basierte15 und anfangs «den kulturellen Unterschied hervorhob»16 . Beabsichtigt war, «die Homo-Identität einer legitimen Minderheit zu etablieren, deren offizielle Anerkennung Lesben und Schwulen die Bürgerrechte einbringen würde».17

Indes warnte etwa der schwule französische Philosoph Michel Foucault, der «im Kampf für die Rechte der Schwulen kein Endziel, sondern nur eine Zwischenetappe» sehen wollte,18 früh vor dem Eincruisen in den gesellschaftlichen Mainstream. Schon im Oktober 1981 schien es ihm «nur ein kleiner Fortschritt», sollten «die Menschen die Ehe kopieren müssen, damit ihre persönliche Beziehung anerkannt wird».19 Vielmehr gehe es darum, das heterosexuelle Modell der monogamen Zweierbeziehung durch «Freundschaft als Lebensweise» abzulösen. Am östlichen Bülowbogen hatten Schwule im gleichen Jahr erst einmal ein leerstehendes Gebäude besetzt, um im «Tuntenhaus» neue Formen des Zusammenlebens auszuprobieren.

«Der Türke war zu schön»

Im alten Schöneberg blieben die Beziehungen zwischen mehrheitsdeutschen Schwulen und «türkischen» oder «arabischen» Männern nicht notwendigerweise beschränkt auf «friedliche Koexistenz» und gelegentliche kurze, wenn auch intensive Begegnungen auf der «Klappe», wie im Homo-Jargon die gebührenfreien öffentlichen Bedürfnisanstalten hießen, die es damals anstelle der vollhygienischen und mit funktionaler Musik bespülten Individual-Bezahlklos der Firma Wall gab. In Lothar Lamberts Film Nachtvorstellungen von 1977 flieht ein junger Kerl vor seiner nervenden Freundin ins Kino, wo zufällig der schwule Streifen Der Türke war zu schön läuft, und beginnt sich in den Protagonisten hineinzuversetzen. «Filmebene, Tagtraum und Wirklichkeit gehen ineinander über», fasst das Nachschlagewerk Out im Kino zusammen, wie er sich nun seinerseits einem Mann zuwendet – der Lambert-Entdeckung Mustafa Iskarani.20 Und der schwule Schriftsteller Hubert Fichte konnte, als er im Frühjahr 1985 die ersten Reaktionen der westberliner Szene auf Aids festhielt, das gerade die Schlagzeilen der Weltpresse zu beherrschen anfing, noch ganz selbstverständlich notieren:

«Die Schwulen mit positiver Lymphreaktion geben ein Fest.
Der Kurde Ahmed.
– Warum sind alle in Deutschland so mürrisch, so traurig?
– Ist Krieg oder was?
Hussein der blonde Libanese.
Familienvater.
Mit jenem unaussprechlichen Mehr an Rundung am Arsch.
Wie er stöhnt und sich ficken lässt, oder fickt.
Was für ein Jammer.»21

Was nicht heißt, dass alles «multikulti» gewesen sei. Zwei andere Westberlin-Filme Lamberts belegen das Gegenteil: In 1 Berlin-Harlem aus dem Jahr 1974 findet ein Ex-GI als Schwarzer hier keine eigene Wohnung, doch dafür Schwule, die ihn gern «als exotisches Sexobjekt […] bei sich aufnehmen». Als er fälschlich der Vergewaltigung angeklagt wird, erwartet auch der Anwalt, der ihn vor Gericht freibekommt, eine sexuelle Gegenleistung.22 Und in Fucking City von 1981 gibt es nicht nur das Ehepaar, das über Kontaktanzeigen «junge Ausländer für Sexspiele» sucht, sondern ebenso den schwulen Fleischer, der nach Feierabend als Ledermann durch den Park streift. Als es ihm schließlich ein «Asylant» richtig angetan hat, soll seine Schwester diesen heiraten, damit er «auch künftig mit ihm seinen Spaß haben kann».23 Lambert zeigte Schwule, die – was den allgegenwärtigen Rassismus anbelangt, aber auch durch die Reproduktion von gesellschaftlichen Ausschlüssen untereinander, zumal in den «Herrenbars» mit Klingelknopf – unter den herrschenden Bedingungen Mittäter sind. Entsprechend wurde von sich allmählich etablierenden Homos früh zum Boykott gegen ihn aufgerufen.24 Aber wie es ein weiterer authentischer Zeitzeuge unter den Homo-Cineasten, Frank Ripploh (Taxi zum Klo, 1980), ausdrückte: «Im Schwulsein liegt Freisein, Schönsein, Ästhetik, sagen sie. In Wirklichkeit und in dem Film ist auch viel Dreck und Bürgerlichkeit dabei.»25

Geordnete Verhältnisse

Die Bürgerlichkeit heute verdeckt den Dreck besser – für den Deal «Aufenthaltserlaubnis gegen Sex» müsste der Fleischer nicht mehr die Schwester einspannen, er könnte ihn im Goldenen Saal selbst klarmachen. «Gemessen an den eigenen Ansprüchen war das ethnische Modell erfolgreich», stellt Annamarie Jagose fest.26 Das gilt auch hierzulande. Die Verhältnisse scheinen geordnet – wer sich als Hälfte eines Homo-Paars registrieren lässt, gehört (zu) «uns». Mehrdeutigkeiten wie «Schwuler» und «Familienvater», erst recht «Schwuler» und «Kurde» oder «Libanese» sind nicht mehr vorgesehen. Als sich die Berliner «Gays & Lesbians aus der Türkei», kurz GLADT, im November 2003 im Rathaus Schöneberg mit einem zweitägigen Kongress zur Situation türkeistämmiger Lesben, Schwuler und Transgender in der Bundesrepublik der Öffentlichkeit vorstellten, machte das hauptstädtische Homo-Magazin Siegessäule mit der Schlagzeile «Türken raus!» auf.27 Ein Spiel mit dem Coming-out-Slogan und zugleich rassistische Parole, war beides genau so gemeint: Nachdem «Türk_innen» ihr Coming-out hatten, sollten sie gefälligst als solche unsichtbar werden. Auf den Punkt brachte es 2008 der Titel von Nurkan Erpulats Stück «Bist du schwul, oder bist du Türke?».

Dreißig Jahre nach Foucaults Einspruch hat sich die Differenz, auf die die Aktivist_innen von einst so stolz waren, auf ein überschaubares und in allen westlichen Ländern mehr oder weniger gleichförmiges Repertoire von sexuell «Eindeutigem» reduziert. Statt zu einer «‹Anreizung› peripherer Lüste», wie sie sich der Vordenker der «Subversion» vom schwulen Aufbruch erhofft hatte, kam es zu der von Georg Klauda in Die Vertreibung aus dem Serail konstatierten «beispiellosen Verknappung von Verhaltensweisen, die als Ausdruck einer devianten sexuellen Identität konstruiert und wahrgenommen» werden.28 Von der breiten Öffentlichkeit als «gewagt» empfunden und vielerorts nach wie vor verpönt, gehören sie in einigen Vierteln deutscher Großstädte – und namentlich im Motzstraßenkiez von Berlin-Schöneberg – zum Straßenbild, ohne dass den weißen Homos dort «die Heteronormierung der eigenen Gesellschaft» (Klauda)29 überhaupt noch auffallen würde. Stattdessen erscheint es ihnen plausibel, das Problem der nach wie vor virulenten Homophobie an «die Muslime» zu delegieren. Warum? Sobald man «lesbische und schwule Subjekte als eine Gruppe zu fassen begann, die auch als Minderheit zum Mainstream gehörte, wiederholten sich» – wie Jagose ausführt – «Zentralisierungs- und Marginalisierungsprozesse». Und dabei verhielt es sich «nicht einfach so, dass die lesbische und schwule Community, die das ethnische Modell beschrieb, zufällig überwiegend weiß war. Vielmehr konnte die Kategorie race […] als nur unwesentliche oder bestenfalls zusätzliche Identitätskategorie verstanden werden, da die Organisation der Community eben auf einem einzigen Identifikationsmerkmal beruhte: der sexuellen Orientierung.»30

Die Eindimensionalität der neuen schwulen Lobby, die sich in Westberlin wie in der Bundesrepublik unter dem Eindruck der Aids-Krise zu formieren begann, erschien angesichts von deren Dramatik zunächst geradezu zwingend – stand doch die reale Gefahr der völligen Entrechtung von Angehörigen der sogenannten «Hauptrisikogruppe» im Raum. Aber wie es hierzulande längerfristig gelingen konnte, die eigene Position in der Gesellschaft über die Abwertung vermeintlich «Anderer» zu stärken, wird letztlich erst vor dem Hintergrund des Kurses verständlich, den Deutschland nach dem Anschluss der DDR nahm. So sehr es bis heute an einer ernsthaften öffentlichen Auseinandersetzung mit den Pogromen des entfesselten «fremdenfeindlichen» Mobs Anfang der 1990er Jahre fehlt, als überall im Land bestialische Morde verübt wurden – so eingespielt ist inzwischen der «zivilisierte» Rassismus, mit dem ihn die Herrschenden zu besänftigen und in ihre «neue Weltordnung» mitzunehmen gedachten.

Im Windschatten dieser Entwicklung vermochten eine Minderheit von Schwulen und noch weniger Lesben sich einen halbwegs anerkannten Platz zu sichern und in sorgfältig abgesteckten Revieren – die daher umso heftiger verteidigt werden – «nach seiner und ihrer Fasson glücklich» zu werden, sofern sie die nötigen finanziellen Voraussetzungen mitbringen. HIV und Aids bedeuten ein erhöhtes Armutsrisiko seit derselben «rot-grünen» Bundesregierung, die «uns» den Herzenswunsch nach amtlicher Anerkennung «sozialer Treue» erfüllte, zu der Volker Beck die Eingetragene Lebenspartnerschaft zum zehnten Jahrestag ihrer Einführung herabstufte31. Und wie erstrebenswert kann sie für Menschen sein, die auf Hartz IV angewiesen sind, in Zeiten, da viele Paare beim Jobcenter vorgeben, sich getrennt zu haben, um nicht noch weniger Unterstützung zu erhalten? Doch die Beglückten gaben im Gegenzug ihr Jawort zu den neuen imperialistischen Feldzügen und tragen im Inland bereitwillig zur Stimmungsmache gegen ohnehin besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen bei.

«Im weitesten Sinne dem muslimischen Kulturkreis zuzurechnen»

Es bedurfte als Anstoß nicht des Attentats auf den Filmemacher Theo van Gogh im November 2004 in Amsterdam, begangen von einem «jungen Islamisten aus der marokkanischen Einwanderer-Gemeinde» – wie die Zuschreibung in den Medien meist lautete32 –, um den «Krieg gegen den Terror» auch in Schöneberg zu eröffnen und hier im Ergebnis die Demarkationslinie «zwischen den Kulturen» auf den Stadtplan zu übertragen.

Das besorgte der aus Westdeutschland zugezogene Jan Feddersen, der bis dahin als Schlagerfreund und Propagandist der «Homo-Ehe» hervorgetreten war, schon ein Jahr früher und gewiss nicht zufällig am Wochenende, als sich GLADT, herausgewachsen aus einem Zusammenschluss schwuler Migranten aus dem Norden des Stadtteils, im Rathaus präsentierte. Den Kindern der «Gastarbeiterfamilien» und Flüchtlinge von einst sollte beigebracht werden, dass ihre Heimatstadt nicht dasselbe sein kann wie «die Hauptstadt unseres Landes». Der Artikel in der taz vom 8. November 2003 erinnerte zunächst an einen Ausspruch des holländischen Rechtspopulisten Pim Fortyn – der 2002 von einem Tierschützer aus der weißen Bevölkerung ermordet worden war, was kaum kritische Betrachtungen zur kulturellen Identität des Täters inspirierte hatte –: «Ich habe nichts gegen Araber, ich schlafe sogar mit ihnen.»33 Nachdem so vorab klargestellt schien, dass schwuler Rassismus schlimmstenfalls eine Sottise sein konnte, gab Feddersen die Kampfansage von Alexander Zinn weiter, der damals für den LSVD sprach und «auf politische Korrektheiten keine Rücksicht nehmen» wollte: «Wir gehören zur Bürgerrechtsbewegung der Homosexuellen – und wenn Einwanderer uns angreifen, dann darf das nicht tabuisiert werden.»

Der Autor nannte Beispiele, aus denen er einen «Trend» ablesen wollte, der «in der hauptstädtischen Schwulenszene (und nicht nur dort) ängstliches Gemurmel ausgelöst» habe. So sei die Geschäftsstelle des LSVD – seinerzeit noch in einem schlichten Ladenlokal östlich der Hauptstraße untergebracht – ein «beliebtes Objekt des aggressiven Spotts» von Jugendlichen aus der Nachbarschaft, und ein paar Blocks weiter nördlich gebe es am Schaufenster des Café PositHiv Farbschmierereien von Kids, «deren Aussehen, so heißt es überaus vorsichtig, auf einen türkischen oder arabischen Hintergrund hindeutet». Das Aids-Selbsthilfeprojekt werde deswegen gar «schließen müssen», behauptete Feddersen – tatsächlich verhalf der Alarm dem Café zum Umzug auf die Westseite des Schöneberger Nordens, noch bevor auch der LSVD dort komfortables Obdach fand. Schon vor Ort in Stellung war Bastian Finke von Maneo, «dem Schwulen Überfalltelefon im Berliner Homobürgerrechtszentrum Mann-o-Meter», der wisse, dass «39 Prozent der Gewaltakte» auf das Konto von jungen Männern gingen, «die im weitesten Sinne dem muslimischen Kulturkreis zuzurechnen sind, egal ob sie einen deutschen Pass haben oder einen der Türkei». Feddersens Fazit: Schöneberg drohe «jenseits der Nollendorfplatzszene […] für Schwule zur No-go-Area zu werden».

Nicht in meinem Namen

Sechseinhalb Jahre später hielt, wiederum im Rathaus Schöneberg, ein Berliner LSVD-Vorstandsmitglied dem Bundesverbandstag seiner Organisation «erregt die drohende ‹Überfremdung› deutscher Städte und damit einhergehende ‹veränderte Mehrheiten›» vor Augen.34 Maneo wird heute vom «rot-roten» Berliner Senat wie von den Grünen weiterhin gehätschelt und von den inzwischen in der Stadt aktiven neurechten Kleinparteien gern zur Beglaubigung ihrer «Islamkritik» zitiert35, auch wenn so ziemlich jede Zahl, die Bastian Finke jemals veröffentlicht hat, mehrfach widerlegt worden ist – selbst Homo-Medien wissen längst, dass die Statistiken des «Anti-Gewalt-Projekts» aller Wissenschaftlichkeit spotten.36

Was bleibt – abgesehen davon, dass Finke sein Auskommen hat –, ist das Gerücht von den «Muslimen», das Leute wie er, Alexander Zinn und Jan Feddersen in Umlauf gebracht haben. «Man weiß eigentlich auch, dass es in Berlin häufig junge Männer mit Migrationshintergrund sind, das soll man aber nicht sagen», schrieb zum Beispiel Martin Reichert am Vortag des Berliner Christopher Street Day 2010 zum Thema «Gewalt gegen Schwule» in der taz, wo dies unablässig gesagt wurde, und vermerkte im «Schwulenviertel Berlin-Schöneberg eine nicht mehr wegzudiskutierende Türkenfeindlichkeit».37 Die schien ihn, der hier stellenweise nahezu wortgleich wiederholte, was im Vorjahr in einem anonymen Hetzartikel auf Politically Incorrect zu lesen war, aber nicht weiter zu stören. Lieber setzte er, abermals analog dem rassistischen Weblog, vereinzelte Übergriffe auf mehrheitsdeutsche Schwule mit der Verfolgung der europäischen Juden in Beziehung und stellte einen abenteuerlichen Vergleich zwischen der Situation der Community und der des im Nahen Osten isolierten Staates Israel an.38

So wird das gezielt verbreitete Ressentiment denen als unterdrückte Wahrheit aufbereitet zurückgegeben, die befreit ihren unerschrockenen Vorkämpfern beipflichten sollen: «Das muss man doch einmal sagen dürfen.» Und das tun sie nun also und sprechen endlich «alles» aus – hier im Kiez wie anderswo in jenem «Deutschland», das sich so wenig «abgeschafft» hat, wie die Mehrheit seiner Bewohner_innen bisher in der Lage zu sein scheint, sich gesellschaftlich zu verorten statt in einer «Nation», die doch auch als «queere» imaginär bleibt. Mögen deshalb andere in ihrem Namen reden – nicht in meinem.

  1. Aus einem Vorabdruck aus Michael Wildenhains Roman Träumer des Absoluten, in: Neues Deutschland vom 23./24. August 2008. [zurück]
  2. In unserem Namen, Broschüre des Berliner Vereins «Initiative Queer Nations», Berlin 2006, Seite 5. [zurück]
  3. Ebd., Seite 12. [zurück]
  4. Christopher Isherwood, Christopher und die Seinen, Verlag Bruno Gmünder, Berlin 1992, Seite 169. [zurück]
  5. Ebd., Seite 120. [zurück]
  6. Ebd., Seite 34. [zurück]
  7. Ebd., Seite 33. [zurück]
  8. In unserem Namen, Seite 12. [zurück]
  9. Artikel In zentraler Randlage, in: tip 15/11, erschienen im Juli 2011. [zurück]
  10. Vgl. Artikel Der zähe Kampf der letzten Mieter, in: taz Berlin vom 2. August 2011. [zurück]
  11. Benny Härlin & Michael Sontheimer, Die freudlose Gasse, in: Transatlantik, Ausgabe vom Januar 1983. [zurück]
  12. Vgl. Georg Fülberth, Finis Germaniae. Deutsche Geschichte seit 1945, PapyRossa Verlag, Köln 2007, Seiten 277–281. [zurück]
  13. Koray Yılmaz-Günay, Frauen und Homosexuelle im «Clash of Civilizations», in: Rechtspopulismus in Berlin – Rassismus als Bindeglied zwischen der «Mitte» der Gesellschaft und Neonazismus?, Broschüre des Berliner Bündnisses «Rechtspopulismus stoppen», Berlin 2011, Seite 42. [zurück]
  14. Annamarie Jagose, Queer Theory. Eine Einführung, Querverlag, Berlin 2005, Seite 79. [zurück]
  15. Ebd., Seite 48. [zurück]
  16. Ebd., Seite 79. [zurück]
  17. Ebd., Seite 81. [zurück]
  18. Michel Foucault, Ästhetik der Existenz. Schriften zur Lebenskunst, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt a. M. 2007, Seite 116. [zurück]
  19. Ebd., Seite 117. [zurück]
  20. Axel Schock & Manuela Kay, Out im Kino. Das lesbisch-schwule Filmlexikon, Querverlag, Berlin 2003, Seite 257. [zurück]
  21. Zitiert nach: Peter Braun, Eine Reise durch das Werk von Hubert Fichte, Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, Seite 279 f. [zurück]
  22. Schock & Kay, Seite 17. [zurück]
  23. Ebd., Seite 133. [zurück]
  24. Vgl. ebd., Seite 113. [zurück]
  25. Ebd., Seite 331. [zurück]
  26. Jagose, Seite 82. [zurück]
  27. Siegessäule, Ausgabe vom November 2003. [zurück]
  28. Georg Klauda, Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, Männerschwarm Verlag, Hamburg 2008, Seite 13 (vgl. meine ausführliche Rezension, in: Rosige Zeiten, Ausgabe Dezember 2008/Januar 2009 [Direktlink zum Text]). [zurück]
  29. Ebd., Seite 123. [zurück]
  30. Jagose, Seite 83. [zurück]
  31. Vgl. Interview mit Volker Beck, in: Siegessäule, Ausgabe vom August 2011. [zurück]
  32. In Deutschland mag öfter die Rede vom «Zuwanderer» gewesen sein – eine Wortschöpfung, die aus dem CDU-Jargon in die Amtssprache und damit leider auch in die der Mainstream-Medien übernommen wurde. [zurück]
  33. Jan Feddersen, Was guckst du? Bist du schwul?, in: taz vom 8. November 2003. [zurück]
  34. Dirk Ruder, «Deutschland» soll helfen, in: junge Welt vom 17./18. April 2010. [zurück]
  35. Vgl. die Presseerklärung Den «Bewegungsschwestern» ans Herz gelegt des Berliner Bündnisses «Rechtspopulismus stoppen», veröffentlicht am 18. April 2011 (PDF). [zurück]
  36. Vgl. Ralf Buchterkirchen unter www.schwule-seite.de (Direktlink). [zurück]
  37. Martin Reichert, Jetzt reicht’s langsam!, in: taz vom 18. Juni 2010. [zurück]
  38. Vgl. Andreas Hieronymus, Schwule und Muslim_innen zwischen Homophobie und Islamophobie, in: Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule» – Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001, hg. von Koray Yılmaz-Günay, Berlin 2011, S. 137. In einem der Beispiele für die Propaganda von PI-News heißt es dort: «In Berlin häufen sich die Angriffe auf Homosexuelle. Jeder weiß, dass die Täter fast ausnahmslos junge Moslems sind. Aber das darf man ja nicht denken, geschweige denn aussprechen.» [zurück]

Notiz zur Rezeption des Textes:

Anna Böcker verweist in ihrem Beitrag Rassismus schreiben und schweigen in dem wissenschaftlichen Sammelband Gewalt und Handlungsmacht. Queer_Feministische Perspektiven, hg. vom Gender Initiativkolleg, Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2012, S. 66 wie folgt auf den Schluss von Ist Krieg oder was? Queer Nation Building in Berlin-Schöneberg: «Es gibt unzählige aktuelle Beispiele für die Mobilisierung emanzipatorischer Rhetorik für ihr entgegenstehende Projekte von Abschottung, militärischer Aggression und Ausgrenzung, wie etwa die Funktionalisierung der Kritik von Sexismus, Homophobie und Antisemitismus, um Muslim_innen auszugrenzen und Mehrheitsdeutsche als fortschrittlich zu konstruieren – während aber die grundlegende heterosexistische Gesellschaftsstruktur intakt bleibt (oder sich gegebenenfalls leicht verbessert). Konkret wird beispielsweise homophobe Gewalt nicht dadurch verringert, dass sie aus der ‹Mitte der Gesellschaft› wegprojiziert wird, sondern zusätzlich rassistische Gewalt befördert. Ähnlich kann gefragt werden, ob muslimische Frauen marginalisierende Kampagnen sonderlich feministisch sind. Im Rahmen der Theoretisierung von Homonationalismus (als Kurzform von ‹homonormative nationalism›) werden solche Zusammenhänge sexualisierter Rassialisierungen umfassend analysiert, prominent von Jasbir Puar (2007) mit Terrorist Assemblages: Homonationalism in Queer Times. In den Worten von Encarnación Gutiérrez Rodríguez (2011: 95) untersucht Puar in  ‹ihrer Analyse der biopolitischen Logik homonationaler Diskurse […] die Schnittflächen der Diskurse um sexuelle Rechte und dem offiziellen staatlichen Anti-Terror- und Kriegsdiskurs, in dem der Islam als prä-moderner homophober Gegenpol zum sexuell aufgeklärten modernen Westen konstruiert wird›. Seitens kritischer Wissensproduktion gilt es, Alternativen zu entwerfen, diesen Politiken und der Vereinnahmung zu widersprechen (zum Beispiel Wolter 2011: 24) und auch die eigene Arbeit auf eben die Fallstricke zu überprüfen, die eine solche Vereinnahmung ermöglicht.» Gina Gleissner bezieht sich in ihrer an der Wiener Universität 2014 vorgelegten Diplomarbeit Imperial Rainbow. Rassifizierende «Othering»-Prozesse im LGBTIQ Kontext – Theoretische Konzepte und exemplarische Anwendungen u. a. auf Ist Krieg oder was? …  Ihre sehr lesenswerte Arbeit ist online hier zu finden (PDF – externer Link). Benno Gammerl & Rainer Herrn verweisen auf den vorliegenden Text in ihrem Aufsatz Gefühlsräume – Raumgefühle. Perspektiven auf die Verschränkung von emotionalen Praktiken und Topografien der Moderne, erschienen in sub\urban – zeitschrift für kritische stadtforschung, Band 3, Heft 2 (2015), S. 7-22, und online hier zugänglich (externer Link).  Ausführlich zitiert Zülfukar Çetin Ist Krieg oder was? … in seinem wichtigen Beitrag Der Schwulenkiez. Homonationalismus und Dominanzgesellschaft für den von Iman Attia, Swantje Köbsell & Nivedita Prasad hg. wissenschaftlichen Sammelband Dominanzkultur reloaded. Neue Texte zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und ihren Wechselwirkungen, Transcript Verlag, Bielefeld 2015, S. 35-46, der dem Andenken der im April 2015 überraschend verstorben Birgit Rommelpacher gewidmet ist (externer Link zur Verlagsseite hier). Auch Jin Haritaworn von der York University in Toronto verweist in seinem sehr empfehlenswerten Werk Queer Lovers and Hateful Others: Regenerating Violent Times and Places, Pluto Press, London 2015 (Vertrieb in den USA durch die University of Chicago Press), auf den vorliegenden Text. Wiederum ausführlich zitiert wird Ist Krieg  oder was? … im neuen Buch von Zülfukar Çetin & Heinz-Jürgen Voß, Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität. Kritische Perspektiven, Psychosozial-Verlag, Gießen 2016.

Dossier «Homo-Antagonismus und antimuslimischer Rassismus» (2008-2010)

Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2016

Salih Alexander Wolter: «Ein Faktum, das dem Menschsein als solchem entspringt». Georg Klaudas notwendige Kritik des schwulen Islam-Diskurses (interner Link), gedruckt in Rosige Zeiten, Ausgabe Dezember 2008/Januar 2009, im Oktober 2008 vorab veröffentlicht auf www.schwule-seite.de (externe Links).

Noch im November 2008 sah Dirk Ruder in Gigi – Zeitschrift für sexuelle Emanzipation «die Debatte über das wichtigste Szene-Sachbuch seit langem [nämlich Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt von Georg Klauda] in ziemlich weiter Ferne. Eine längere Rezension verfasste indes Salih Alexander Wolter für das kleine Oldenburger Magazin Rosige Zeiten, vorab online gestellt unter www.schwule-seite.de.» (Zu Ruders Artikel geht es hier – externer Link.)

GLADT_Fachtag2008 Einen Durchbruch im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus im Namen von «Homorechten» brachte dann der von GLADT e. V. am 25. November 2008 im Auftrag des Senats von Berlin organisierte Fachtag «Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft». Die Dokumentation der Veranstaltung ist als gedruckte Broschüre vergriffen, als PDF-Datei kann sie aber durch einen Klick auf das Cover rechts heruntergeladen werden. Enthalten ist u. a. der grundlegende Beitrag von Prof. Dr. María do Mar Castro Varela: «Migration, Begehren und Gewalt. Anmerkungen zu Rassismus und Homophobie». Diesen Text gibt es unter dem Titel «Göç, Arzu ve Şiddet» auch in einer türkischen Übersetzung von Dr. Zülfukar Çetin (externe Links).

Von Salih Alexander Wolter stammt die Vorlage zum GLADT-Dossier «Religion und Homosexualität im Kontext von Rassismus», das im September 2009 veröffentlicht wurde (PDF – interner Link). Auf diesem Text wiederum basiert der folgende:

Salih Wolter & Koray Yılmaz-Günay: "Muslimische" Jugendliche und Homophobie - braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik? (im IDA-Reader "Facebook, Fun und Ramadan. Lebenswelten muslimischer Jugendlicher")Salih [Alexander] Wolter & Koray Yılmaz-Günay: «Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?, erschienen im Reader «Facebook, Fun und Ramadan – Lebenswelten muslimischer Jugendlicher» des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e. V. (IDA), hg. von Stephan Bundschuh, Birgit Jagusch & Hanna Mai, Düsseldorf 2009 (interner Link). Dieser Aufsatz wird auch in wissenschaftlicher Literatur zitiert.1 Eine weitere Fortschreibung ist: Salih Alexander Wolter & Koray Yılmaz-Günay: Muslimische Erklärungen gegen Homophobie – Entstehung, Inhalt und Nutzbarkeit, erschienen 2011 in dem von Yılmaz-Günay herausgegebenen Reader Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001. Dieser Text ist online nicht verfügbar, aber bei der Edition Assemblage gibt es seit Dezember 2014 eine Neuausgabe des Bandes (mehr hier  – interner Link).

• GLADT u. a. im Juli 2010:

Berlin, Montag, 19. Juli 2010, vor dem Rathaus Schöneberg. GLADT damals zu diesem Foto: «Liebe Freund_innen, trotz einiger durch Polizeigewalt leicht und mittelschwer verletzter Mitglieder blicken wir mit Stolz auf den vergangenen Samstag zurück, wo wir mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen eine beachtliche Protestkundgebung gegen die rechtspopulistische so genannte ‹Bürgerbewegung› pro Deutschland organisiert haben. Heute Morgen haben wir schließlich gemeinsam mit unseren Freund_innen von Harmonie und Huzur das Rathaus Schöneberg gesäubert, damit es wieder wird, was es sein soll: Ein öffentlicher Ort, an dem Rassismus keinen Platz hat!»
Berlin, Montag, 19. Juli 2010, vor dem Rathaus Schöneberg. GLADT damals zu diesem Foto:
«Liebe Freund_innen,
trotz einiger durch Polizeigewalt leicht und mittelschwer verletzter Mitglieder blicken wir mit Stolz auf den vergangenen Samstag zurück, wo wir mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen eine beachtliche Protestkundgebung gegen die rechtspopulistische so genannte ‹Bürgerbewegung› pro Deutschland organisiert haben.
Heute Morgen haben wir schließlich gemeinsam mit unseren Freund_innen von Harmonie und Huzur das Rathaus Schöneberg gesäubert, damit es wieder wird, was es sein soll: Ein öffentlicher Ort, an dem Rassismus keinen Platz hat!»

Salih Alexander Wolter: Die Komplizenschaft verweigern (Nachlese zur Diskussion um Judith Butlers Ablehnung des «Zivilcourage-Preises» beim Berliner CSD  interner Link), gedruckt in Red & Queer 17, erschienen im September 2010, und im Internet nach wie vor auch zugänglich auf www.schwule-seite.de (externer Link).

Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter: Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi (interner Link), gedruckt in KAOS GL (Ankara), Ausgabe November/Dezember 2010 (externer Link). Eine überarbeitete Fassung des Textes ist: Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter: Almanya’daki Müslüman Örgütlerin Homofobi Karşıtı Açıklamaları, erschienen 2011 in dem von Ali Erol (KAOS GL, Ankara) herausgegebenen Sammelband Antihomofobi Kitabı 3: Heteroseksizme Karşı Gökkuşağı. Dieser Beitrag ist auch hier zu lesen (externer Link/Volltext-PDF, s. S. 101-107).

  1. U. a. von: Fatima El-Tayeb (University of California, San Diego): «Gays who cannot properly be gay»: Queer Muslims in the Neoliberal European City, in: European Journal of Women´s Studies 2012 (Abstract s. hier – externer Link; die Buchfassung dieses Aufsatzes erschien in: Matt Cook and Jennifer V. Evans [eds.]: Queer Cities, Queer Cultures: Europe since 1945, London/New York 2014: Bloomsbury Academic, p. 263-281); von Zülfukar Çetin (s. Alice Salomon Hochschule Berlin – externer Link): Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin, Bielefeld 2012: [transcript] Verlag für Kultur, Kommunikation und soziale Praxis; ders.: Rassistische Heteronormativität – Heteronormativer Rassismus, in: Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013) / Ausgabe 1 [unter dem Titel Zusammen- und Wechselwirkungen von Heteronormativität und (antimuslimischem) Rassismus in veränderter Form erneut veröffentlicht in: Friederike Schmidt und Anne-Christin Schondelmayer (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 45-61]; von Yasmin Kassar und Patricia Piberger (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus / KIgA e. V.): Selbstbewusstsein stärken, Reflexionsfähigkeit fördern – Eine schulische Seminarreihe zur Islamismusprävention für die Sekundarstufe I, in: Aycan Demirel und Mirko Niehoff (Hg. im Auftrag von KIgA e. V.): ZusammenDenken. Reflexionen, Thesen und Konzepte zu politischer Bildung im Kontext von Demokratie, Rassismus und Islamismus – ein Projekthandbuch, Berlin 2013, S. 42-75; von Saideh Saadat-Lendle (Lesbenberatung Berlin LesMigraS) und Zülfukar Çetin: Forschung und soziale Arbeit zu Queer mit Rassismuserfahrungen, in: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer und Geschlechterforschung, Bielefeld 2014: [transcript] Verlag / Reihe Queer Studies, Band 6, S. 233-250. [zurück]

Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi

Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter:
Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi

Almanya’da «İslam»’dan ya da «Müslümanlar»’dan bahsedildiğinde gündeme gelen konular, öncelikle şiddet/terörist saldırılar ve hemen sonra cinsiyet(çilik) ve (eş)cinsellik konularıdır.1 Bir kadının başörtüsü kullanmasının ne anlama geldiği, «namus» cinayetlerinin, eşcinsel düşmanı ya da aile içi şiddetin nasıl önlenebileceği, zorunlu evlilikler ve benzeri konular, Almanya’da hiçbir konunun ele alınmadığı kadar sıkça ve geniş bir platformda ele alınıyor. Medya, siyaset, devlet, bilim ve sivil toplum gibi önemi küçümsenemeyecek tartışma ortamlarının hepsinde hemen göze çarpan özellik ise, bu konuların kendini «Müslüman» olarak tanımlayan insanlarla değil, bu insanlar üzerine konuşarak işlenmesi.

Kabaca özetleyecek olursak: Bir insanın cinsiyet kimliği ve cinsel yönelimi üzerine özerkçe karar verebilme hakkı Almanya’nın temel taşlarından biri. Bunun ne zaman nerede kararlaştırıldığını bilmek, görmek – yani bunun ne kadar doğru olduğunu sorgulamak – gerekmiyor. Kırk kere söylersen öyle olur misali, eşitlik söylemi sürekli ve her yerde tekrarlanırken, fiilen gayet mevcut olan kadın-erkek eşitsizliği, heteroseksüel-eşcinsel eşitsizliği, trans kimlikli insanları görmeme «geleneği» kayboluveriyor. Yeter ki, sorana vereceğin cevabı bil. Özgürlük ve özerklik söylemine evet diyenin, 21. yüzyılın Almanya’sında aynı iş için kadınların hâlâ erkeklere oranla %30 daha az kazandığını sürekli hatırlaması gerekmiyor. Özgürlük ve özerklik söylemine evet diyenin, her yıl, etnik kökenine ya da dinine bakmaksızın toplumun her kesiminden erkek şiddetine maruz kalan on binlerce kadının sığınma evlerine kaçmaktan başka perspektifi kalmadığını bilmesi gerekmiyor. Ailesine açılan eşcinsel gencin ya da net bir «kadın»/«erkek» kimliğine uymayan herkesin okulunda, işyerinde, mahallesinde yaşadığı ayrımcılığın ve şiddetin ne derece azalmadığını her gün, her yerde anımsamak zor geliyor birçok insana. Yazılı basında, online forumlarda ve panel tartışmalarında görülen o ki, toplumun «biz» ve «onlar»’a ayrılmışlığı din ve mezhep sınırları tanımıyor. Kime sorsanız sorun, «bizim» değerlerimiz farklı «onların» değerleri farklı. Biz Almanız, onlar «göçmen».

Geçtiğimiz üç yılda homofobiyle ilgili haber sayısı özellikle eşcinsel olmayan medyada artarken aynı zamanda şu da ortaya çıkıyordu: Homofobiyi gittikçe sokaktaki saldırıyla eşdeğerleştiren bir algı, eşcinsel düşmanlığının haber niteliği failin kimliğine göre artıyordu. «Sıradan» denecek beyaz Almanlardan kaynaklanan şiddet vakaları gazetelere neredeyse hiç yansımazken ve aşırı sağcı saldırılarda yaralanan eşcinseller sadece arada bir haber olurken failin kimliği «Müslüman» ya da «göçmen» olarak «teşhis» edildiğinde kusursuz demokrat ve hür toplumumuzun tümüne saldırılmış olunuyordu… Fiilen (beyaz Almanlar tarafından işlenen) aşırı sağcı saldırılar çoğunluktayken ve gözle görülmeyen, yani fiziksel şiddete dönüşmeyen – sözüm ona «meşru» – eşcinsel düşmanlığı had safhadayken toplumsal homofobi anlayışının niteliğinin bu kadar banalleşmesi kısmen de «acı gerçekler» üzerinden prim yapmaya çalışan eşcinsel örgütlerinden bizzat kaynaklanıyor.

«Göçmenlerden» bahsederken, aslında kimden bahsedildiğini söylemekte fayda var. «Göçmen» kelimesi, siyasette, bilimde, anaakım medyada ve sivil toplumda son on yıldır Almanya’ya göç eden insanların sadece bazılarını tanımlamak için kullanılıyor. Hangi ülkeden gelindiğinin önemi görmezden gelinirken, ait olunan «kültür» ya da «din», her şeyi açıklayan bir anahtar olarak yüceltiliyor… Almanya bağlamında bu demek oluyor ki, «göçmen» eşittir Türkiyeli ya da Arap/Bosnalı. Fakat bu terminoloji, gelinen ülkeyi anlatmak için değil çoğunluk toplumu açısından «biz» ve «onlar» arasındaki netliği vurgulamak için kullanılıyor. «Göçmenlik» kılıfı (yani, kılık, kıyafet, ten veya saç rengi vs. itibariyle yakıştırılan «Müslümanlık»), aynı zamanda yüzyıllardır bu topraklarda yaşayan Romanlara ve Siyah Almanlara da uygun görülebiliyor.

Bu bağlamda, «çoğunluk toplumu» ise göçmenlik geçmişi olmayan, Hıristiyan geleneğinden gelen, toplumun normlarını belirleyen ve güç ilişkilerinde belirleyici taraf olan beyaz Almanlar oluyor. Romanlar, Yahudiler, siyah Almanlar, göçmenler ya da göçmen ailelerinin çocukları, fevkalade Alman vatandaşı olabilirler; fakat bu, beyaz Almanların imtiyazlarına sahip oldukları anlamına gelmiyor. Türkiye’de de olduğu gibi, vatandaşlık eşit hak anlamına gelmiyor Almanya’da. Hiç gelmedi, gelmemeye devam ediyor.

Çoğunluğu Müslüman olan ülkelerden ya da bölgelerden gelen göçmenler ve onların çocukları Müslümanlaştırılırken, Almanya’daki çoğunluk toplum da Hıristiyanlaştırılıyor aynı hamlede. Global çerçevede olup bitenleri «medeniyetler çatışması» olarak görmek isteyen zihniyet bu çatışmanın uzantılarını tabii ki kendi ülkesinde de arayacaktır. Kutuplaşmış medeniyet bloklarının içinde Müslüman olmayan Kürtün, Hıristiyan olan Arabın ya da Müslümanlığa dönmüş beyaz Almanın ya da – nereli olursa olsun – ateistin yeri olabilir mi? Eskiden «kültürler arası» yapılan diyaloglara «dinler arası» diyaloglar eklendi, bu diyaloglara katılanlara kimse, «Burada laik Türk’ün ya da sosyalist kökenden gelen Doğu Almanın ne işi var?» diye sormuyor. Almanya’da artık (varsayılan) din, (varsayılan) etnik kökenin yerini almak üzere. Etnik kökende olduğu gibi, bu «dini» kimlikler gerçekliklerle ilgili değil. Eskiden, Türkiye’den gelen herkes «Türk» oluyordu, şimdi Türkiye’den gelen herkes «Müslüman».

Özellikle eşcinsel erkeklere yönelik şiddeti takiben çıkan gazete haberlerine bakılırsa kutuplar bugüne kadar hiç olmadığı kadar uzak birbirine. Bunun sebebi, kamusal alanda genellikle genç erkekler tarafından uygulanan şiddetin yanı sıra özellikle yayınlanan iki makalede aranabilir: Almanya’da görece önemsiz Ahmediye Müslüman Cemaati’ne ait ve özellikle gençlere yönelik bir İnternet sayfasında eşcinsellik, bir hastalık olarak, domuz eti yemekle açıklanırken, 2008 yılının yaz aylarında Berlin’de yayınlanan ve bedava dağıtılan reklam dergisi «al-Salam»’da çıkan eşcinsel (erkek) düşmanı bir makale dalgaları yükseltmişti; «İslam ve homofobi» bir konu olarak, «Müslüman» gençler ise birer potansiyel fail olarak eşcinsel medyada ve günlük gazetelerde yerini bulmuştu. Bu bağlamda vatandaşlık, oturma izni, etnik köken, din ve/veya dinine bağlılık derecesi, yaş, dil bilme ya da bilmeme, eğitim seviyesi, sınıfsal konum vs. gibi etkenler tamamen gözardı edilirken, bu «şiddet kaynağı» genç erkeklerin ırkçı ayrımcılık ve bizzat yaşadığı şiddet deneyimleri de kayboluveriyordu… İster Hamburg olsun, ister Berlin, isterse Münih ya da Köln, Almanya’nın her büyük kentinde (erkek) eşcinsel camiayı en çok meşgul eden konulardan birisi: «Göçmenlerde» homofobinin dini ve/veya kültürel kaynakları. «İslam’ın eşcinsellikle ilgili daha çoook yol alması gerekiyor…»

Almanya’da Eşcinsellik ve Homofobi

Bütün kazanımlara rağmen halen Almanya’da eşcinsellik ve eşcinseller «normal» denen durumun bir parçası değil. Okullarda biyoloji dersinin dışında konu ele alınırsa, devlet memuru olmayan eğitmenler tarafından verilen ve zorunlu olmayan vicdan dersinde ancak yer bulabiliyor. Eşcinsellik, toplumsal bir olgu olarak değil, tıbbı, psikolojik ya da en temelinde biyolojik bir olgu olarak var olmaya devam ediyor, devletin okulundan mezun olan çocukların kafalarında. Teneffüslerde her geçen yıl artan homofobik küfürlerle mücadele edilip edilmemesinin getirilerini ve götürülerini düşünmek zorunda hisseden öğretmenler, işe alınmama ya da işten atılma riskiyle karşı karşıya kalmamak için meslek eğitimi ve iş piyasasında açılamayan translar, mahallelerde saklanmayı gerektiren heteroseksist egemenlik… Genç eşcinsellerde hâlâ ilk ve tek olma hissinin ne kadar yaygın olduğunu; intihara teşebbüs vakalarının bu gençlerde heteroseksüel gençlere oranla küçümsenemeyecek kadar yüksek olduğunu; aileleri tarafından sokağa itilen gençlerin evsizler arasındaki eşcinseller oranının ortalamanın çok üstüne tırmanmasına sebep olduğunu, yapılan araştırmalar gösteriyor. Cinsiyet kimliğinin ve cinsel yönelimin henüz şekillendiği bu yaş grubuyla sorumlu bir şekilde çalışabilecek eleman yok denecek kadar az. Öğretmenler, genel anlamda cinsellik konusunu nasıl ele alabileceklerini bilmezken, gençlerin okuldan sonra takıldığı birçok yerde başka konular sözüm ona daha önemli oluyor. Devlet ve egemen siyasetçiler, kadın-erkek evliliklere tanınan ayrıcalıkları «aile» olan herkese açmak konusunda hiç hevesli değil. Bu ilişki tipi en azından şehirlerde yok olurken, uzun vadeli, üreme odaklı monogam heteroseksüel ilişkiler ulaşılması gereken bir ideal olarak toplumun ve devletin neredeyse her alanında hâkim olmaya devam ediyor. Yasalara ya da televizyondaki dizilere ve reklamlara bakıldığında; arkadaş ortamında, okulda, işyerinde ya da bakkalda edilen muhabbete kulak verildiğinde; stadyumda edilen küfürlerin bize neler öğrettiği düşünüldüğünde, acı bir tablo çıkıyor ortaya… Her şey bize, eşcinselliğin doğal ya da olağan olan bir hayatın ve bunun dışında kalan, yani «normal» olmayan bir cinsel yönelim olduğunu gösteriyor. Yılda bir yapılan büyük etkinliklerin dışında kendini karanlık çöktükten sonra var eden bir camia, maalesef bunu sineye çekmiş durumda.

Neredeyse sadece «Müslümanlar» üzerinde yürütülen argüman, «onlar» (heteroseksüel «Müslümanlar») ve «bizler» (beyaz Alman eşcinseller) gibi bir ayrımı «gerektiriyor». Bu durum, azınlık konumunda bulunan grupları birleştireceğine gereksiz ve hatta zararlı bir kutuplaşmaya yol açıyor. Oysa, ismi, görünümü, dil seviyesi ya da başka sebeplerden dolayı «azınlık» olarak kategorize edilen birçok eşcinsel var. Bunların bir kısmı kendisi göç edenlerden oluşurken, Almanya’da doğmuş büyümüş birçok insan, 1980’lerden kalan kimlik kategorilerinin ne kadar ilkel olduğunu gayet net ortaya koyuyor… Göçmen, Siyah Alman, Roman ya da Yahudi eşcinsellerin salt mevcudiyeti bile, homofobinin cinsiyetçilikle ve özellikle ırkçılıkla ne kadar çok içli-dışlı bir görüngü olduğunu gösterirken, sokaktaki, bardaki, medyadaki, siyasetteki ve hatta eşcinsel örgütteki muhabbet homofobiyi ayrıştırıp tek başına halledilebilecek bir fenomen olarak algılamaya devam ediyor…

Sözde «Müslümanlar»

Almanya’daki «Müslümanların» kim olduğu sorusuna dair bir yanıt yok. Fransa’ya Kuzey Afrika’dan, İngiltere’ye ise Güney Asya’dan gelen birçok insan için dinin ve dindarlığın önemi yüksek ve bir sosyal kimlik olarak «Müslüman olmak» gayet doğal iken Almanya’ya gelen en büyük göçmen grubu için bu hiç de doğal değil. Buraya göç eden ve burada kalan en büyük grup, dini sosyal kimlik olarak yaşamayan ve söz konusu doğallığı benimsemeyen Türkiyelilerden oluşuyor. Birçok alanda Almanya’dan daha laik olan Türkiye’den gelen ya da Türkiyeli bir ailede doğan insanların büyük bir kısmı dini ve dindarlığı devletle ve toplumla ilişkilenirken «özel mesele» olarak tanımlamayı tercih ediyor. Birçok cami derneğinden ve cemaatten oluşan «community» bundandır ki, çok dağınık ve kendi içinde bölünmüş. Göçmenler, «Kürtlük», «İranlılık» ya da «Filistinlilik» üzerinden örgütlenmeyi tercih ediyor çünkü. Bu, hiyerarşik ve tekil kilise örgütlerine alışık olan devleti zorladığı için uzun vadede «İslam»’ın da tek adresi ve telefon numarası olmasını isteyen büyük bir kesim var. Ne var ki, onlarca farklı ülkeden gelen, ruhani ve cismani hayatları birbirine hiçbir şekilde benzemeyen farklı toplulukları bu şekilde biraraya getirmek mümkün olmuyor ve olmayacaktır da. Çünkü çoğunluğun Müslüman olmadığı Almanya’da, özellikle siyasal İslam’a ilgi duymayan kesimler, tek bir cemaat gibi davranmıyor ve örgütlenme biçimleri de kilise(ler)in örgütlenme biçimine benzemiyor.

Tekilleştirilen «İslam»’ın, Kuran’ın ve/veya sorumlu ilan edilen imamın eşcinsellik ya da eşcinseller konularındaki fikirleri ön plana çıkarıldığında aslında cinsiyet, yaş, sınıf vs. gibi önemi asla küçümsenemeyecek etkenler yok ediliyor. Toplumun her kesiminde olduğu gibi, tabii ki göçmen ailelerde de dinin öncesinde ve ötesinde bambaşka konular gündeme geliyor birey ailesine açıldığında. Komşular ne diyecek? Deden/ninen öğrenirse ne olacak vs. Daha sonra, önem sırasına göre bayağı sonra, belki de, «Ha, dinimiz de caiz bulmuyor» gibi bir argümanla karşılaşmak elbette mümkün. Oryantalizmin başını alıp gittiği bir ortamda sıralamadaki bu önemli ayrıntı gözden kaçırılıyor birçok kez…

Homofobi insana doğumunda hediye edilmiyor, sonradan zembille de inmiyor. Eşcinsel düşmanlığı Allah’ın vergisi, doğanın kanunu ya da tesadüf değildir. Gençlere, yetişkinler tarafından öğretilen homofobi, nesilden nesle geçiyor. Fakat homofobik bir yapıya sahip olmak, otomatikman şiddet uygulamaya götürmüyor insanı aynı zamanda. Yoksa her gün her yerde homofobik saldırı görüyor olmamız gerekirdi. Dolayısıyla homofobiyi yenmek için yetişkinleri (de) hedef kitlesi olarak tanımlamak gerekiyor; özellikle spor kulüplerine, meslek gruplarına, derneklere ve dini cemaatlere düşen bir sorumluluk var burada.

İlahi Pozisyonlar

Almanya’daki Müslüman anaakımın algısı bugün eşcinselliği bir günah ya da zararlı bir şey olarak adlandırmayı tercih ediyor. Bu algıyı kutsamak için günümüzden hadislere ve hatta Kuran’a varan bir tarihçe kurgulanıyor, sanki her zamanda ve her yerde insanlar bugünün anlamında cinsel yönelimler üzerine kafa yorup bugünün anlamında bunu nasıl ele alacaklarını düşünmüşler gibi… Almanya’da günümüzde dominant olan yorumlardan yola çıkacak olursak eşcinsellik bir günah olmakla kalmıyor, en azından erkek eşcinsellerin belirli şekillerde cezalandırılması da gerekiyor. Kuran’daki Lut hikâyesi aynen Musevilikte ve Hıristiyanlıkta olduğu gibi algılanıyor, yani «livat» günümüze ait olan «eşcinsellikle» özdeşleştiriliyor. Bunun ne kadar yersiz olduğunu görmek için tarihe bakmak gerekmiyor. Ama tarihe bakmanın faydaları da olabiliyor…

İslam hukukçuları hemcinsler arasında yaşanan ilişkileri ve cinselliği doğal bir gerçeklik olarak algılarken, sanayi toplumlarının metropollerinde 19’uncu yüzyılın ortalarından itibaren bambaşka bir şey çıkıyor ortaya: birer sosyal kimlik olan «lezbiyenlik» ve «geylik». Bu etiketler üzerinden cinsiyet kimliklerinin «normalliğini» gittikçe büyüyen bir başarıyla savunan geyler ve lezbiyenler ise, çok yakın tarihimizde «trans» kimliklerin ortaya çıkmasını zorlar.2 Dolayısıyla, «İslam ‹eşcinselliği› lanetliyor ve yasaklıyor» demek, «İslam ‹eşcinselliği› kabul ediyor» demek kadar sakıncalı. İnsanların cinsel yönelimlerine göre «heteroseksüeller» ve «eşcinseller» olarak ayrılması yer ve zaman olarak sadece bazı yerlere ve zamanlara tekabül ediyor – ve söz konusu toplumun sadece bir kısmını etkiliyor. Önemli olan, «İslam» değil, Müslümanlar ve bu Müslümanların pratikte yaptıkları ya da yapmadıkları.

Dünyevi Açıklamalar

Bu bağlamda, Almanya’daki bazı Müslüman dernekleri tarafından yapılan iki açıklamanın oldukça büyük bir önemi var. Almanya Müslümanlar Merkez Konseyi’nin genel sekreterinin açıklaması:

«İslam dininin eşcinselliğe bakış açısını Kuran belirler. Kuran, eşcinselliği İslam’ın doğa ve insanlık anlayışına uygunsuz bulur fakat dünyada bir cezalandırma öngörmez.

Özellikle altını çizeriz ki: Eşcinsellere karşı şiddet ve ayrımcılık olmamalı! 20 Şubat 2002 tarihli «İslam Şartı»’nda ve Müslüman çatı kuruluşlarının imzaladığı diğer belgelerde de açıkladığımız gibi, biz Müslümanlar, Almanya’nın Anayasasını kabul etmekteyiz. Hareketlerimizi bu belirler; dinlerin, azınlıkların ve grupların – bunlar arasında eşcinsellerin de – ayrımcılığa maruz kalmasını kınarız.»3

Bunun dışında, bazı Berlinli Müslüman dernekleri (ve ulusal çapta çalışan derneklerin Berlin temsilcilikleri)4 dinden kaynaklanan homofobik pozisyonlarla ilgili bir açıklamada bulunmuştu:

«Bu yılın [2008] Nisan ayında bir yazar, Arapça yayınlanan reklam dergisi al-Salam’da çıkan bir makalesinde eşcinsellikle ve eşcinselliğin götürüleriyle ilgili kişisel homofobik görüşlerine yer vermiştir. Bu makaleye karşı kamunun reaksiyonu haklı olarak hiddet olmuştur, anlayış gösterilmemiştir. Yazar her ne kadar yalnızca kendi fikirlerini beyan etmişse de bu makalenin yayınlanmasından sonra Almanya’daki Müslümanların, eşcinselliğe bakış açısıyla ilgi geniş bir tartışma çıkmıştır.

Kuran’ın tutumundan yola çıkarak Müslüman bilginler arasında bir fikir birliği vardır; eşcinsel davranışlar ilahi anlamda günah olarak ele alınır. Bilindiği üzere aynısı alkol tüketimi ve evlilik dışı ilişkiler için de geçerlidir. İslami ilahiyattan yola çıkarak günah olarak algılanan davranışları tasvip etmemiz mümkün değildir.

Fakat aynı zamanda çok eminiz ki, cinsel yönelim, alkol tüketimi ve İslam ilahiyatında günah olarak ele alınan her şey kişinin özel meselesidir. Bizim bir şeyi tasvip etmemiz ya da etmememiz, hiç kimsenin kişisel özgürlüğünü kısıtlayamaz, kısıtlamamalı da. Her insan kendisinden ve davranışlarından sorumludur ve ahrette yaratanı önünde bunların hepsi için hesap verecektir. Bu, İslami inancımızın vazgeçilmez bir öğesidir.

Her ne kadar eşcinselliği eşcinsellik olarak tasvip etmesek de, eşcinsellerin maruz kaldığı her türlü kovuşturmayı ve hatta şiddeti kınıyoruz. Büyük bir kararlılıkla herhangi bir toplumsal grubun karşılaştığı her türlü ayrımcılığa karşı çıkıyoruz; bu gruplara eşcinseller de dâhildir.

Son olarak söylemek isteriz ki, adı geçen makalenin yayınlanmasından sonra bazı yazarlar, dolaylı ya da dolaysız olarak eşcinselliğin günah olarak algılanmasını eleştirmektedirler. Böylece, bu anlayışın homofobinin kaynağı olduğunu ima ediliyor. Oysa homofobinin sebebi dini inanışlar değil bireysel özgürlük anlayışının az gelişmişliğidir. Müslümanlar, inanışlarını ve ahlak anlayışlarını eleştirerek bireysel özgürlük mücadelesi için kazanılamayacaktır, belki de tam tersi bile olacaktır. Belirleyici olan, hür düşünen insanların, kendi düşüncelerinden bağımsız olarak, bireyin ve ötekinin çoğulcu özgürlüğünü daha iyi kavramaktır.»5

Bu örgütler «Müslümanların» tümünü temsil etmediği gibi «İslam»’ı da temsil etmiyor. Fakat yine de toplumsal bir sorun olarak homofobiye karşı yaptıkları bu açıklamalar olumludur. – Her iki açıklama da eşcinselliğin bir günah olduğunu ama aynı zamanda bu günahın yargılanması ancak ahrette olabileceğini savunmaktadır. Dünyada, bugün ve burada, şiddet uygulanmasına karşı olmakla kalmayıp üstünde durarak bireysel hak ve özgürlükleri desteklemektedirler.

İmzalayanlar arasında üye sayısı itibariyle Almanya’daki en büyük Müslüman örgüt olan DİTİB (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği) de yer alıyor. Dini inanışlarının temelindeki «fikir birliği»’nden bahseden örgütler, aynı zamanda bireysel iradenin de altını çiziyor. Böylece Almanya’nın bireysel özgürlüğü koruyan hukuk düzeninin gereksinimlerini yerine getiren kuruluşlar aynı zamanda kendilerine karşı kullanılan en güçlü tezlerin birisini – «bizden geri kalmış, bizden daha ataerkil, bizden daha homofobik» – görece çürütmüş oluyor…

Değerlendirme

Hem siyasal İslam hem de beyaz Almanlardan oluşan kamu, çoğunluğu Müslüman olan ülkelerden gelen insanları (tekrardan) Müslümanlaştırmak ve tekil bir Müslümanlığı toplumsal kimlik olarak meydana getirmek istediği için, bu tür açıklamaları dikkatle okuyup dikkatle değerlendirmek gerekiyor. Kökünden ırkçı bir yapıya sahip olan Almanya’da birazcık eşitlik için aklı selim herhangi Müslüman grup herhangi açıklamayı yapacak durumda bulunuyor, maalesef. Sürekli potansiyel terörist muamelesi gören dernekler, cemaatler ve kişiler, bu durumda stratejik karar alıyor olabilir, bu da gayet anlaşılırdır. Ama onun dışında, Papa’ya veya Protestan Piskoposlara benzer bir otorite merkezine zaten sahip değil İslam. Dolayısıyla, toplumsal arenada bu tür açıklamaların ne kadar değerli olacağını kestirmek o kadar da kolay değil.

Ama her nasıl olursa olsun, homofobiye karşı yapılan bu açıklamalar manzarayı renklendiren, olumlu birer başlangıç da teşkil ediyor. Almanya’da ne eşcinsellerin ne de transseksüellerin temel hak ve özgürlükleri somut gerçekler olarak var. Tam tersine, medeniyet öncesi ya da ötesi, kolektivist birer topluluk olarak görülen göçmenler sayesinde ve sadece soyut olarak var ediliyorlar. «Biz», aydın, eşitlikçi vs. Avrupalılar olarak tabii ki «lezbiyenleri ve geyleri» modernitemizin birer simgesi olarak el üstünde tutuyoruz… Asıl bu «biz»’leri irdelemek gerekiyor. «Biz» Almanlar, «onları» (göçmenleri ve/veya diğer ötekileri) gerektiriyoruz, çünkü onları gereksiniyoruz. Sadece «onlar» varsa biz, «biz» oluyoruz çünkü…

Bu açıklamalar özellikle anti-Müslüman ırkçılığa karşı mücadele etmek için yarıyor, anlaşılan. Homofobiye karşı mücadele için önemleri o kadar da büyük görünmüyor. Bu açıklamaları yapan dernekler, çatı kuruluşları vs. şimdiye kadar homofobik açıklama yapmıyordu, dolayısıyla yaptıkları anti-homofobi açıklamalar da önemli bulunması gerekmiyor. Görece laik bir anlayış sergileyen adı geçen Berlinli ve Almanyalı örgütlerden Katolik kilisenin özellikle İtalya ve İspanya’da gerçekleştirdiği şekilde büyük eşcinsel düşmanı kampanyaları beklemenin bir manası da yok ama. Bu olumludur, çünkü cemaatler içinde gizli ya da açık yaşayan lezbiyenleri ve geyleri biraz da olsa güçlendirecektir. Belki de mutabakat gibi görünen o günah konusunda sağlanan fikir birliği günün sonunda o kadar da katı değildir… 6

KAOS GL 115, kasım 2010
[İnternet adresi: http://www.kaosgl.com/sayfa.php?id=6024.]

  1. Bu makalenin Almancası, Mayıs 2010’da Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) Derneğinin Facebook, Fun & Ramadan. Lebenswelten muslimischer Jugendlicher adlı broşüründe yayınlanmıştır. Türkçe çevirisi ufak değişikliklerle makaleyi yazanlar tarafından KAOS GL için hazırlanmıştır. Broşürün Almanca kopyasına http://www.idaev.de/cms/upload/PDF/Publikationen/IDA_Facebook_Fun_und_Ramadan.pdf adresinden ulaşılabilir. [zurück]
  2. İslam bilginlerinin tarih boyunca eşcinsellik üzerine görüşleri için bkz.: Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, Hamburg 2008 (bkz.: eleştiri [Almanca].) [zurück]
  3. Almancası: «Die Haltung der Religion des Islam zur Homosexualität wird von Aussagen des Koran bestimmt; darin verurteilt der Koran Homosexualität als vom islamischen Natur- und Menschenbild abweichend, knüpft daran jedoch keine konkrete Strafe im Leben. / Ausdrücklich betonen wir an dieser Stelle: Keine Gewalt und Diskriminierung gegen Homosexuelle! Wie dies unter anderem in der Islamischen Charta vom 20. Feb. 2002 und anderen Dokumenten der muslimischen Spitzen- und Dachverbände zum Ausdruck kommt, stehen die Muslime auf der Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Danach verhalten wir uns und handeln wir auch und verurteilen jegliche Verfolgung und Diskriminierung von Religionen, Minderheiten und Gruppen, darunter auch Homosexuelle.» [zurück]
  4. Açıklamayı imzalayan dernekler: Deutschsprachiger Muslimkreis (DMK), DİTİB, İnssan, İnterkulturelles Zentrum für Dialog und Bildung (İZDB), İslamisches Kultur- und Erziehungszentrum (İKEZ), Muslimische Jugend, Neuköllner Begegnungsstätte (NBS). [zurück]
  5. Almancası: «Im April dieses Jahres [2008] ist im arabisch-sprachigen Anzeigenblatt al-Salam ein Artikel erschienen, in dem der Autor seine persönlichen und homophoben Ansichten zu Homosexualität und ihren Konsequenzen darlegt. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Artikel war zu Recht Empörung und Unverständnis. Auch wenn der Autor nur für sich selbst sprechen kann, entwickelte sich eine breite Debatte über die Einstellungen von Muslimen in Deutschland zu Homosexualität. / Ausgehend von den Aussagen des Korans gibt es unter muslimischen Gelehrten den Konsens, dass homosexuelle Handlungen theologisch als Sünde zu betrachten sind. Ähnliches gilt – bekanntlich – auch für das Trinken von Alkohol oder außereheliche Beziehungen. Handlungen, die islamisch-theologisch als Sünde betrachtet werden, können wir aus unserem Glauben heraus nicht gutheißen. / Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung, der Konsum von Alkohol, oder was auch immer in der islamischen Theologie als Sünde betrachtet wird, Privatsache ist. Ob wir etwas gutheißen oder nicht, wird und kann die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise beschränken. Für uns handelt hier jeder Mensch eigenverantwortlich und wird im Jenseits – dies ist fester Bestandteil unserer islamischen Glaubensvorstellung – vor seinem Schöpfer für sein gesamtes Handeln Rechenschaft ablegen müssen. / Auch wenn wir Homosexualität als solche nicht gutheißen, verurteilen wir jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form der Diskriminierung und Verfolgung irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen einschließlich der Homosexuellen. / Zum Schluss sei angemerkt, dass in der aktuellen Berichterstattung über den oben genannten Artikel manche Autoren direkt oder auch indirekt die Vorstellung bzw. Aussage kritisieren, dass Homosexualität eine Sünde ist. Hierdurch erwecken sie den Eindruck, dass dies eine Ursache von Homophobie sei. Nicht die Glaubensvorstellung führt zu Homophobie, sondern vielmehr ein mangelndes Verständnis über die Freiheit des Einzelnen. Muslime – und nicht nur sie – wird man für den Kampf für individuelle Freiheit nicht gewinnen können, indem man Glaubens- und Moralvorstellungen kritisiert. Stattdessen erreicht man das Gegenteil. Entscheidend ist vielmehr die Vermittlung eines richtigen Verständnisses für die vielfältige Freiheit des Einzelnen bzw. des Anderen unabhängig von den eigenen Überzeugungen, die jeder Mensch wiederum für sich frei wählen kann.» [zurück]
  6. ABD’de ve Britanya’da eşcinsel Müslümanların kurduğu örgütler mevcutken Almanya’da bu tür örgütlenmeler bugüne kadar başarılı olamadı. Bu, göç alınan ülkelerin farklılıklarıyla ilgili olabilir, aynı zamanda, Almanya’da oluşan göçmen kültürünün farklı şekillerde sosyalleşmeyi sağlayabilmesiyle de. Almanya bağlamı için cemaat içi çalışmaları olan Müslüman bir eşcinselin perspektifleri için bkz.: http://home.arcor.de/yadgar/mohr/islam_homo2.html (Almanca). [zurück]

Die Komplizenschaft verweigern

Salih Alexander Wolter:
Die Komplizenschaft verweigern

Was beim «großen CSD-Finale» in Berlin an jenem 19. Juni 2010 passiert ist, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein; so viel ist seither über die Einzelheiten berichtet, so oft sind sie kommentiert worden. Etwa die entlarvende Ansage eines feisten Homofunktionärs von der Bühne am Brandenburger Tor herab an eine Gruppe queerer Migrant_innen – als sie Judith Butler mit Beifall für die Ansprache dankten, mit der sie eben den «Zivilcourage-Preis» des CSD e. V. zurückgewiesen hatte, rief er ihnen zu: «Wir sind hier in der Mehrheit, ihr seid nur eine Minderheit.» Der Eklat hat auf einen Schlag zum Hauptthema gemacht, was vom schwul-lesbischen Paradeweg in die sogenannte «Mitte der Gesellschaft» jahrelang an den Rand der Aufmerksamkeit gedrängt worden war. Auf einmal geben sich die Medien nicht mehr mit dem zufrieden, was die Pressestelle des LSVD zum Bewusstseinsstand der Community verlautbart, sondern beginnen, genauer hinzuschauen – sogar die der Szene selbst. Und plötzlich haben es alle immer schon gewusst: Es gibt bei uns Rassismus.

So berichtet die Siegessäule jetzt anlässlich der skandalösen Türpolitik des CSD-Sponsors Connection Club: «Die Entwicklung, dass Asiaten nicht in bestimmte schwule Etablissements in Schöneberg eingelassen werden, gibt es schon länger.» So ist es – und es geht dort noch weit schlimmer zu. Bereits Ende 2003 fabulierte Jan Feddersen, der Szenebezirk in dem viele Migrant_innen zu Hause sind, drohe «für Schwule zur No-go-Area zu werden». In der taz forderte der langjährige CSD-Funktionär damals unter Berufung auf das fragwürdige «Antigewaltprojekt» Maneo eine «Zivilisierung des Vormodernen» und meinte damit junge Männer, «die im weitesten Sinne dem muslimischen Kulturkreis zuzurechnen sind». Mittlerweile ist im Homokiez, wie dasselbe Blatt kurz vor dem diesjährigen Umzug konstatierte, «eine nicht mehr wegzudiskutierende Türkenfeindlichkeit entstanden». Dies schien den Journalisten freilich nicht sonderlich zu stören, der sich übrigens auch nicht scheute, vereinzelte Angriffe auf Schwule mit der Geschichte der europäischen Judenverfolgung in Beziehung zu setzen und einen abenteuerlichen Vergleich zur Situation des heutigen Israel zu ziehen: Man wisse doch «eigentlich», dass die Täter «häufig junge Männer mit Migrationshintergrund sind, das soll man aber nicht sagen». Indes wurde, nicht nur in der taz, genau dies unablässig gesagt – wenngleich es der Polizeibericht, wie zuletzt nach einer Serie brutaler homo- und transphober Überfälle während der Pride-Woche, stets besser wusste.

«Homosexuelle geben viel Geld aus, bleiben lange und reden darüber in E-Mails und Blogs, wie gut ihnen die Stadt gefallen hat», wird ein Mitarbeiter der Berliner Tourismus-Gesellschaft in der Berliner Zeitung vom Parade-Wochenende zitiert. Am Montag danach empörte sich Thomas Birk, homopolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, im Tagesspiegel über Judith Butlers «Affront» und nannte ihn «fatal für das Image der Stadt». In der jungen Welt vom 25. Juni hieß es dazu: «Tatsächlich fatal ist die Politik des selbsternannten Antigewaltprojekts Maneo, in dessen Vorstand Birks Partner Rudolf Hampel sitzt, das aufgrund seiner rassistischen Ausfälle gegen Migranten über die Grenzen Berlins hinaus bekannt wurde.» Zu ergänzen wäre nur, dass die offizielle Homepage des CSD e. V. Hampel unter der sinnigen Überschrift «Der harte Kern» als zuständig fürs Sponsoring führt. Es wurde höchste Zeit, endlich auch über die Borniertheit des lokalen schwulen Establishments zu reden.

Noch zum Schöneberger Motzstraßenfest, eine Woche vor dem CSD, kam allein von DKP queer öffentliche Kritik, als es der «Regenbogenfonds schwuler Wirte» unterließ, sich angesichts rassistischer Übergriffe im Vorjahr als Veranstalter deutlich zu positionieren, wie dies GLADT, einem Verein von überwiegend türkeistämmigen Schwulen, Lesben und Trans*-Personen, und den Schwarzen Lesben von LesMigraS versprochen worden war. Mit Aktivist_innen aus diesem Umfeld traf sich Butler – wie wiederum zuerst auf der Website von DKP queer gemeldet und von der weltberühmten Philosophin später in mehreren Interviews bestätigt – am Freitag vor der Parade und entschied sich für den «praktischen Akt der Zivilcourage», zu dem GLADT ihr am folgenden Abend gratulieren konnte.

Judith Butler sagte nein zur verbreiteten «Komplizenschaft mit dem Rassismus» und erneuerte zugleich für die Queer Theory, die untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist, den Anspruch auf radikale Gesellschaftskritik – während unter dem queeren Label hierzulande allzu oft intellektueller Modeschmuck zur Aufhübschung angeblich alternativloser kapitalistischer Verhältnisse feilgeboten wird. Dagegen warnte Butler, als sie nach der Laudatio von Bundesministerin a. D. Renate Künast von den Grünen das Wort ergriff, queere Menschen davor, sich von jenen benutzen zu lassen, «die Kriege führen wollen». Sie widersprach denen, die uns glauben machen möchten, es gehe darum, «dass unsere schwul-lesbisch-queere Freiheit geschützt werden muss» – ob mit militärischen Mitteln, wie in Irak und Afghanistan, oder eben in Form des antimuslimischen Rassismus, wie er in Berlin-Schöneberg und anderenorts in Europa um sich greift. So wurde klar, dass es sich bei Missständen, wie sie nun ans Licht der Öffentlichkeit kommen, nicht etwa um bloße Kollateralschäden beim Eincruisen der Community in den gesellschaftlichen Mainstream handelt – vielmehr ist der Kurs an sich falsch.

Red & Queer 17, erschienen im September 2010

[Der Artikel wurde auch auf www.schwule-seite.de veröffentlicht.]

 

Fucking Germany

Salih Alexander Wolter:
«Sein ganzer Traum von Männlichkeit». Cem Yıldız sagt, wo es langgeht

Cem Yıldız ist in Berlin-Schöneberg zu Hause, wo Trends für den schwulen Mainstream der Bundesrepublik gesetzt werden – nur beruflich war er lange Zeit «vom Outfit her eher Neukölln». Heute ist er 31 und absolviert eine Ausbildung zum Heilpraktiker. Er bekundet, selbst nie ein Problem damit gehabt zu haben, auch auf Männer zu stehen, und sagt, er raste aus, wenn er mitbekomme, dass «Homos zusammengeschlagen, bedroht und blöd angemacht» werden. Wenn es ungewollt geschieht, wäre hinzuzufügen. Denn mit seinem Bericht Fucking Germany. Das letzte Tabu oder Mein Leben als Escort bietet er eine gänzlich andere als die in den Medien gepflegte Perspektive auf das Thema ‹Schwule als Opfer› bzw. ‹hypermaskuline Jugendliche nichtdeutscher Herkunft› als Täter.1 Doch Yıldız kann auf zuverlässiges empirisches Material zurückgreifen: Über ein Jahrzehnt gab er – der «kein Akademikerkind» ist, aber «auch nicht aus einer Problemfamilie» stammt – auf Bestellung «den ‹authentischen› knallharten Türkenmacker von der Straße», in Berlin und auf Kurztrips auch andernorts im Land. Bezahlt wurde er dafür vor allem von homosexuellen Männern, und besonders gern buchten die ihn für die «Ghetto-Nummer» – inszenierte Überfälle mit anschließender brutaler Vergewaltigung. Seine Erfahrung: «Je krasser die Filme und Klischees, die sie im Kopf haben, desto höher die Nachfrage nach dem wilden, gewalttätigen Ali.»

Vom angesagten Porno zur politischen Kampagne kann es in Schöneberg ein kurzer Weg sein. So beginnt der LSVD Berlin jetzt, mit zusätzlichem Geld vom Staat einen ‹Regenbogenschutzkreis› um den Homokiez zu ziehen. («Am Ende geht es eben bei diesem Geschäft – wie bei allen anderen Geschäften auch – um Geld», heißt es bei Cem Yıldız über das seine, das ein reelles ist.) Bald werden wohl bunte Aufkleber an den Guckloch-Türen ‹unserer› bevorzugten Cruisingbars darauf hinweisen, dass hier verfolgte Schwule Zuflucht finden – und damit eindrucksvoll von der gefühlten Gefahr zeugen. Doch wo inzwischen sogar die bekannt merkwürdigen statistischen Erhebungen des ortsansässigen ‹Anti-Gewalt-Projekts› Maneo nicht mehr hergeben als die interessierte Vermutung, es könnte aber zumindest die ‹Dunkelziffer› einschlägiger Vorfälle im Viertel gestiegen sein – da belegt Yıldız’ Buch, dass sich andererseits aus den «Angst- und Bedrohungsszenarien […], die gerade durch die Köpfe der Menschen geistern», durchaus ganz konkrete Situationen machen lassen.

Bleibt die Frage, wer dabei wirklich oben liegt. Jennifer Petzen stellte sie im Titel ihrer wegweisenden Studie über «türkische und deutsche Maskulinitäten in der schwulen Szene».2 Cem Yıldız fand die Antwort früh in seinem Job als «türkischer Stecher»: Nach einer «Zwei-Stunden-Session mit einem Ober-Maso» hatte er sich «noch den Schwanz im Bad gewaschen und wollte gehen. Doch irgendwas ließ mich stutzen, vielleicht war es das aufmüpfige Grinsen des Typs, der eben noch unter mir gelegen hatte. ‹Ey, Alter›, sagte ich dann zu ihm, ‹ich mache ja hier eigentlich die ganze Zeit nur, was du willst.›»

Und genau das tat er, der bis heute nebenher gelegentlich als DJ in Technoclubs auflegt, nach seiner abgebrochenen Konditorlehre jahrelang – mit Hilfe von reichlich Kokain, später auch Viagra, und innerhalb bestimmter Grenzen, um sich zu schützen. Denn Kunden wie dem Psychiater, der begehrt, «langsam, aber strukturiert vernichtet» zu werden, ist es egal, was aus Yıldız würde, sollte er darauf mit letzter Konsequenz eingehen. Aber befristet gewährte er die ersehnte Erlösung vom Ich. Der «selbstbewusste Homo, der in einer Agentur oder so was arbeitet, ‹kreativ› ist», mag sie in der Tiefgarage gefunden haben, wo er sich gegen Bares demütigen, verprügeln und vor laufender Überwachungskamera nehmen ließ – von «einem aggressiven Heterotypen, also einem ‹richtigen Mann›, der ihn genauso behandelt, wie er sich fühlt, wie ein Stück Dreck». Von einem ‹Türken›, meint das in solcher Vorstellung. Wird doch die «rohe Natur» des «Südländers», dem man vorwirft, nicht integriert zu sein, zugleich – wie Petzen schrieb – «in der mehrheitsdeutschen Schwulen-Community als sexuell unwiderstehlich fetischisiert». Aber wenn er «den weißen Mann auf Verlangen dominiert», dient seine «Macht» nur dazu, dessen «koloniales Begehren zu befriedigen». Cem Yıldız weiß das: «Ich bin für sie nur eine Phantasie, die so drängend ist, dass sie unbedingt wahr werden muss. [… ]So dringend, dass sie bereit sind, hundert Euro dafür zu bezahlen.»

Yıldız’ Buch ist mehr als ein «kleiner Beitrag zur Wahrheit». Es wirft aus einem Winkel, der weithin tabuisiert wird, helles Licht auf etwas, was auch in der Homoszene grundfalsch läuft und dort nur noch notdürftig mit der Regenbogenfahne drapiert und durch triefende Selbstgerechtigkeit kaschiert wird. Doch schon Marcel Proust (gestorben 1922) fand ja, als er im letzten Band der Suche nach der verlorenen Zeit dem geheimen Leben seiner schwulen Hauptfigur nachging, offenbar weniger die sexuellen Exzesse im Pariser Männerbordell verwerflich als vielmehr das unerträglich, was sich ihm gerade dort von unserer gesellschaftlichen Normalität enthüllte. Sicher besteht heute mehr ‹Reisefreiheit›, was die erotische ‹Grenzüberschreitung› anbelangt – und ‹frei› ist schließlich auch der 24jährige rumänische Papa, der sich als Stricher in Berliner Parks für zwanzig Euro einen blasen lässt, damit seine beiden kleinen Töchter daheim an der ungarischen Grenze etwas Warmes auf den Tisch bekommen. Aber wenn «es keine Verklemmungen mehr gäbe und statt der Lüge und der Angst nur noch Offenheit, Vertrauen und Mut herrschten, dann müsste niemand mehr für etwas so Menschliches wie Sex bezahlen».

Bei Proust beschwor Monsieur de Charlus erst, während seine Augen wie gebannt einem auf der Straße vorbeigehenden «Senegalesen» folgten, der indes «nicht zu bemerken geruhte, wie sehr er bewundert wurde», noch einmal den imaginierten Orient des französischen Klassizismus.3 Wenn er dann, ein paar Seiten weiter, in dem Etablissement darauf «bestand, dass man ihm um Hände und Füße Eisenringe von erprobter Festigkeit legte», und er nach ausgesucht «grausamen Instrumenten verlangte […], so lag auf dem Grund von dem allem […] sein ganzer Traum von Männlichkeit». Dagegen taten die jungen Arbeiter und Soldaten, die dort anschafften, mit ihm «sozusagen in aller Unschuld und für einen mittelmäßigen Lohn Dinge […], die ihnen kein Vergnügen bereiteten». Doch sie «machten sich seit langem nicht mehr klar, was an dem Leben, das sie führten, moralisch oder unmoralisch sein mochte, weil es gleichzeitig das der Menschen ihrer Umgebung war». So lenkt Proust den Blick von den Projektionen einer lüsternen und gewalttätigen Fremde auf die triste Wirklichkeit der Gesellschaft, die sie hervorbringt. Er schließt mit der Überlegung, es könnte jemandem, der in ferner Zukunft «ihre Geschichte liest, so vorkommen, als tauche sie manche zarte und reine Gewissen in einen Lebensraum, der ungeheuerlich und verderblich erscheinen mag, in dem jene sich aber zurechtfanden».

Cem Yıldız fand sich zurecht. Es scheint, dass er auch jenseits des Rollenspiels, das er verkaufte, einer ist, der weiß, wo es langgeht.

Rosige Zeiten, Ausgabe 128 (Juni/Juli 2010)

[Der Artikel erschien vorab im Mai 2010 – leider unter einem entstellten Titel – auf www.schwule-literatur.de, ist auch auf www.schwule-seite.de veröffentlicht und wurde erneut abgedruckt in dem Band Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001, hg. von Koray Yılmaz-Günay, Berlin 2011 [Neuausgabe: Münster 2014]. → Dazu Marty Huber in Kulturrisse – Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik, hg. von der IG Kultur Österreich, Heft 1/2012 (April): «In diese Machtverhältnisse eingestrickt sind immer auch Begehrensfragen, die besonders im Kommentar Sein ganzer Traum von Männlichkeit. Cem Yıldız sagt, wo es langgeht von Salih Alexander Wolter zutage treten. Wolter bespricht darin das Buch Fucking Germany von Cem Yıldız, der seine Erfahrungen als türkischer Sexarbeiter in Berlin niedergeschrieben hat – Exotisierung, Orientalismus und Rassismus gehen dabei Hand in Hand.» (Direktlink zur Rezension hier.)]

  1. Cem Yıldız: Fucking Germany. Das letzte Tabu oder Mein Leben als Escort, Frankfurt a. M. 2009: Westend Verlag. Taschenbuchausgabe München 2011: Serie Piper. [zurück]
  2. Jennifer Petzen: Wer liegt oben? Türkische und deutsche Maskulinitäten in der schwulen Szene, zuerst im Sammelband Insider – Outsider. Bilder, ethnisierte Räume und Partizipation im Migrationsprozess, hg. vom Forscher_innen-Netzwerk IFADE, transcript Verlag, Bielefeld 2005. Erneut gedruckt in Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001, hg. von Koray Yılmaz-Günay, Berlin 2011 [Neuausgabe: Münster 2014]. [zurück]
  3. Die Proust-Zitate entstammen der Frankfurter Ausgabe, Werke II. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Band 7: Die wiedergefundene Zeit, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt a.M. 2004. [zurück]