Die «Interventionen gegen die deutsche ‹Beschneidungsdebatte›» in Wissenschaft und Medien

Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2016 (weitere Ergänzung zur wissenschaftlichen Rezeption)

Signale aus der MehrheitsgesellschaftDie Interventionen-Autoren Dr. Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter wurden im Rahmen des von Network Turkey organisierten und von Dr. Kerem Öktem von der Oxford University geleiteten Forschungsprojekts Signale aus der Mehrheitsgesellschaft ausführlich zur sogenannten Beschneidungsdebatte des  Jahres 2012 befragt. Die Studie, die am 19. September 2013 in der Berliner Humboldt-Universität mit einer von Dr. Yasemin Shooman von der Akademie des Jüdischen Museums Berlin moderierten Podiumsdiskussion vorgestellt wurde, ist hier zu lesen (PDF der 2., revidierten Fassung –  Text © Kerem Öktem 2013). Empfohlen sei auch ein Interview mit Dr. Öktem – mittlerweile Professor an der Universität Graz –, das die Jüdische Allgemeine am 31. Oktober 2013 veröffentlichte (externer Link zum Beitrag).

Prof. Dr. Alfred Bodenheimer, Ordinarius für Religionsgeschichte und Literatur des Judentums am Zentrum für Jüdische Studien der Baseler Universität und Autor des (sehr empfehlenswerten!) ersten Buchs zum Thema – Haut ab! Die Juden in der deutschen Beschneidungsdebatte, erschienen im September 2012 im Göttinger Wallstein-Verlag –, bot im Herbst 2013 an der Universität Freiburg i. Br. das Seminar Brit Mila – Texte und Kontexte zur Beschneidung im Judentum an – das Buch von Çetin, Voß und Wolter war dabei vorgegebene Lektüre.

Zitiert werden die Interventionen auch in der von Dr. Michael Kohlstruck und Dr. Dr. Peter Ullrich / Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin verfassten Broschüre Antisemitismus als Problem und Symbol. Phänomene und Interventionen in Berlin, erschienen Anfang 2015 als Ausgabe 52 des Berliner Forum Gewaltprävention, hg. von der Berliner Landeskommission gegen Gewalt. Das Heft kann hier heruntergeladen werden (externer PDF-Link).

Weiterhin wird das Buch auf Mag. Armin Muftić‘ verdienstvoller Recherche-Seite Islamophobia Studies geführt (externer Link – das Buch findet sich unter «Monographies», der Beitrag von Çetin und Wolter noch einmal gesondert unter «Articles in edited volumes») und ebenso im aktuellen Einführungsband Antimuslimischer Rassismus am rechten Rand von Prof. Dr. Iman Attia, Dipl.-Sozialwiss. Alexander Häusler und Dr. Yasemin Shooman zitiert (Münster 2014: Unrast Verlag).

An politisch zentraler Stelle erscheinen die Interventionen in Prof. Dr. Fatima El-Tayebs (University of California – San Diego) Artikel Germany and Europe – Negotiating identity in a multicultural present im international wichtigen Referenzwerk The Routledge Handbook of German Politics and Culture, hg. von Sarah Colvin, Abingdon/England & New York 2015: Routledge, S. 285-300.

Mittlerweile wird das Buch auch in der katholischen religionswissenschaftlichen Diskussion wahrgenommen. Die Interventionen werden sowohl von Dr. António Luís Barata de Brito Carvalho Neves in seinem Buch A Circuncisão Religiosa como Tipo de Problema Jurídico-Penal (Coimbra 2014: Edições Almedina) zitiert als auch von Prof. Dr. Stefan Gatzhammer in seinem längeren Beitrag O debate de direito eclesiástico: A circuncisão por motivos religiosos e anova lei do Código Civil da Alemanha im Lissaboner Forum canonicum: revista do Instituto Superior de Direito Canónico, VIII (2013), 2, S. 129-139 (nachgedruckt als Einzelveröffentlichung in den Postprints der Universität Potsdam / Philosophische Reihe, Potsdam 2014), und in seinem Artikel Commento alla sentenza del Landgericht Köln del 7 maggio 2012 in tema di circoncisione e commento alla nuova normativa § 1631d del codice civile tedesco (BGB) in der römischen Fachzeitschrift Il Diritto Ecclesiastico, 124 (2013), S. 355–364.

«Die von der Bundesregierung beschlossene gesetzliche Klarstellung, dass eine für jüdische und muslimische Menschen zentrale Tradition nicht strafrechtlich zu verfolgen sei, ist ausdrücklich zu begrüßen. Die öffentliche und mediale Debatte hat jedoch ebenso deutliche antisemitische und antimuslimische Ressentiments abgebildet. Eine Analyse der Debatte zeigt, dass selbst säkular oder atheistisch verkleidete Positionen gegen die rituelle Beschneidung von antimuslimischen und antisemitischen Einstellungen geprägt sind», heißt es unter Berufung auf das Buch von Çetin, Voß und Wolter im Parallelbericht an den UN-Antirassismusausschuss zum 19.-22. Bericht der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 9 des Internationalen Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von rassistischer Diskriminierung. Das Dokument wurde im März 2015 unter dem Titel Rassistische Diskriminierung in Deutschland. Erscheinungsformen und menschenrechtliche Verpflichtungen zum Schutz vor rassistischer Diskriminierung von der Diakonie Deutschland e. V. als Broschüre veröffentlicht und kann hier auch als PDF heruntergeladen werden (externer Link zur Hirschfeld-Eddy-Stiftung; s. S. 18).

Mehrfach bezieht sich auch Prof. Dr. Gökçe Yurdakul von der Berliner Humboldt-Universität in ihrem wichtigen Beitrag Jüd/innen und Türk/innen in Deutschland: Inklusion von Immigrant/innen, politische Repräsentation und Minderheitenrechte, erschienen in dem von der Heinrich-Böll-Stiftung hg. Sammelband Inklusion: Wege in die Teilhabegesellschaft, Frankfurt a. M. & New York 2015: Campus Verlag, S. 363-377, auf das von Dr. Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter verfasste Kapitel der Interventionen sowie auf die Oxford-Studie (Link s. o.). Der Beitrag wurde erneut veröffentlicht in dem von Uwe Hunger und Nils Johann Schröder hg. Band Staat und Islam. Interdisziplinäre Perspektiven, Wiesbaden 2016: Springer VS, S. 245-282. Prof. Dr. Yurdakul zitiert das Kapitel von Çetin und Wolter ebenfalls ausführlich in ihrem Aufsatz Jews, Muslims and the Ritual Male Circumcision Debate: Religious Diversion and Social Inclusion in Germany, erschienen 2016 in der internationalen Fachzeitschrift Cogitatio, vol. 4, no. 2 – Social Inclusion -, S. 77-86 (externer Link zum Artikel).

Der von Lisa Krall geschriebene Artikel «Beschneidung» des Gender Glossar, das sich als «ein transdisziplinäres Online-Nachschlagewerk, das wissenschaftliche Beiträge zu Begriffen, Themen, Personen und Institutionen aus dem Bereich der Gender Studies beinhaltet», versteht (externer Link zum Artikel) zitiert sowohl die Interventionen von Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter als auch die Oxford-Studie von Prof. Dr. Kerem Öktem (Link s. o.).

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Aus wichtigen Rezensionen zu den Interventionen gegen die deutsche «Beschneidungsdebatte» (neuester Beitrag zuerst):

homepageImage_de_DEIn ihrer ausführlichen Besprechung in der Freiburger Zeitschrift für Geschlechterstudien, Ausgabe vom Herbst 2013, schreibt Lisa Krall u. a.: «Çetin und Wolter kritisieren im Sinne der Dialektik der Aufklärung, dass Integration in der deutschen Beschneidungsdebatte als Möglichkeit dazu verstanden wird, sich den christlichen Traditionen anzupassen und die eigenen ‹Defizite› ablegen zu können. […] Voß kann […] zeigen, dass die Darstellungen der Zirkumzision als schwerwiegend, folgenreich oder traumatisierend nicht gerechtfertigt sind, und vermutet, dass das gesundheitliche Wohlempfinden der Beschnittenen viel mehr von den kulturellen Erwartungen und der Akzeptanz der Gesellschaft abhänge, als von den Eingriffen. […] Die Autor_innen legen insgesamt eine umfassende und tiefgehende Analyse der geführten Diskussion vor […] und ermöglichen so einen kritischen Überblick über alarmierende Positionen und Argumentationen. Bleibt zu hoffen, dass die Publikation des Buches weiterhin auf großes Interesse stößt und sich im Sinne der Autor_innen eine kritische und reflektierte Diskussion über die Fachkreise hinaus etabliert.» Zur vollständigen Rezension geht es hier (externer Link).

DieFreiheitsliebe_smallDas vielgelesene Blog Die Freiheitsliebe meint: «Das Buch ist eine wichtige Intervention in eine Debatte, die auch in fortschrittlichen Kreisen zu viel Verwirrung führte und bewusst oder auch unbewusst auch bei einigen fortschrittlichen ZeitgenössInnen rassistisches Gedankengut offenbarte. Die Intervention ist auch mehr als ein Jahr nach Beginn der Debatte noch sehr lesenswert, da sie viel darüber verrät wie Diskussionen in der Gesellschaft geführt werden und wie Medizin als Argument missbraucht wird.» 

logo_femina_politica«Hinsichtlich der Frage, wie die rassistischen Prämissen und Implikationen der bisherigen Beschneidungsdebatte mit Vorstellungen normativer Heterosexualität und rigider Zweigeschlechtlichkeit verknüpft sind, haben Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter mit ihrem Band ‹Interventionen gegen die deutsche Beschneidungsdebatte› (2012) bereits verschiedene interessante Vorschläge präsentiert. […] Neben einer Analyse der in der Debatte wirksamen rassistischen Subjekt- und Gesellschaftsideale und der Macht- und Herrschaftsinteressen beteiligter Subjekte liefert der Band auch pointierte geschlechterpolitische Verweise», hält Antke Engel in ihren Überlegungen zur ‹deutschen Beschneidungsdebatte› fest, die unter dem Titel «Okzidentalistische Überlegenheitsphantasien und heteronormatives Schweigen» in Heft 1/2013 von Femina Politica Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft erschienen. Das Heft kann hier bestellt werden (externer Link).

zag63ZAG – Antirassistische Zeitschrift bietet in Nummer 63 eine doppelseitige Schwerpunkt-Rezension von Andreas Nowak, die nicht im Netz zugänglich ist. Sie widmet sich zum Schluss den «Beschneidungsgegner_innen» und fragt: «Was erhoffen sie sich durch die Abwertung anderer für sich selbst und welche Angebote machen sie an die Dominierenden und die Dominierten. Letztlich bleibt die Frage – und das ist die Gefahr – wie ihre Argumente in den dominanten Diskurs eingespeist werden und sich mit diesem amalgamieren, so dass diese Debatte womöglich nicht nur ein Sommertheater war, sondern eine tiefer greifende Veränderung der Diskurse und der Machtverteilung zuungunsten emanzipativer Kräfte bedeutet.» Das Heft kann hier bestellt werden (externer Link).

header-uniqueUNIQUE – Das Magazin der Uni Wien brachte in Heft 4/2013 einen Beitrag von Hagen Blix. Ein Auszug: «Im ersten Teil des Buches zeigen Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter auf, dass das Verschmelzen von antimuslimischem Ressentiment und Antisemitismus in der Debatte kein Zufall ist. Die Grundstruktur der vorgebrachten Kritik ist von Argumentationsmustern einer protestantischen ‹Zivilisierungsmission› durchdrungen. […] Im zweiten Teil stellt der kritische Biologe Heinz-Jürgen Voß der ‹Wissenschaftlichkeit› der Beschneidungsgegner_innen eine Übersicht über medizinische Untersuchungen zur Beschneidung entgegen. Diese zeigen, dass deren Behauptungen so unhaltbar sind wie Vergleiche mit der Zwangsoperation Intersexueller oder weiblicher Genitalverstümmelung unangebracht und misogyn.» (Externer Link zur Rezension hier.)

Initiative MinderheitenIn Nr. 86 der österreichischen Stimme – Zeitschrift der Initiative Minderheiten bespricht Petra M. Springer das Buch und fasst zusammen: «Die Autoren weisen darauf hin, dass die Beschneidungsdebatte als Teil des Integrationsdiskurses zu sehen ist. Es werde nicht gleichberechtigt diskutiert und man könne nicht körperliche Selbstbestimmung und Religion einfach gegenüberstellen. Die Diskussion finde in einem gesellschaftlichen Rahmen statt, der von normativen Setzungen und von Herrschaft geprägt ist. Vor allem die westliche, weiße, primär männliche, heteronormative und christlich/protestantische Gesellschaft würde sich aufgrund der Beschneidung von Muslimen und Juden bedroht fühlen. Unter dem Deckmantel der Menschen- und Kinderrechte verberge sich letztendlich antimuslimischer Rassismus und latenter Antisemitismus.»

Rosen auf den Weg gestreut«Mit Adorno, Horkheimer und Foucault arbeiten die Autoren die christliche Prägung des Konzepts der Religionsfreiheit, wie sie gegen die Beschneidung in Anschlag gebracht wird, heraus und kritisieren den normativen Anspruch der Wissenschaft in der kapitalistischen Gesellschaft. Im Alltag schlägt sich dieser in einem nicht nur fach-idiotischen Expertentum nieder», schreiben die Berliner Rosen auf den Weg gestreut  und finden: «Der Band bietet wertvolle Argumente für Interventionen gegen den Antisemitismus und Rassismus, die in der Beschneidungsdebatte virulent geworden sind. Interventionen, die sich – auch wenn diese Debatte vorläufig vorbei ist – lohnen.» (PDF-Volltext des insgesamt sehr empfehlenswerten Heftes.)

safe_image.phpIm Magazin MARX 21 war der Band im Februar 2013 «Buch des Monats». Die ausführliche Rezension von Christine Buchholz MdB (DIE LINKE) endet wie folgt: «Das kleine, handliche und verständlich geschriebene Buch liefert nicht nur wichtige sachliche Argumente. Es ist vor allem deshalb so wertvoll, weil es gezielt in die Debatte innerhalb der gesellschaftlichen Linken eingreift. Denn es gehört zu den Paradoxien der Beschneidungsdebatte, dass Politiker von CDU und FDP Ansichten im Sinne einer toleranten, multikulturellen Gesellschaft vertreten haben, während die Positionen, die praktisch die Religionsfreiheit infrage gestellt haben, aus den Reihen von SPD, Grünen und LINKEN kamen.»

Analyse-Kritik-Logo«Die drei AutorInnen liefern eine kritische Analyse und Hintergrundinformationen zu der Debatte, die von antimuslimischen und antisemitischen Tendenzen sowie Unwissen über Vorhautbeschneidungen geprägt war.  […]  Bleibt zu hoffen, dass sich eine kritische Auseinandersetzung gemäß dem Wunsch der AutorInnen über die Fachkreise hinaus etabliert», meint Lisa Krall in analyse & kritik Zeitung für linke Debatte und Praxis, Ausgabe vom 15. Februar 2013. (Externer Link zur Rezension hier.)

taz Logo klein«Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter fragen, warum ausgerechnet jene, ‹die über einen mehrheitsdeutschen Hintergrund verfügen, unentwegt über den Verlust der Vorhaut klagen (können), die sie selbst in der Regel besitzen› […] Die Blindheit gegenüber einer Realität der Ausgrenzung, die eisern regelt, wer über was sprechen darf, entlarvt die Sprecher selbst als deren Nutznießer. Schließlich bewegen wir uns in einem Kontext, in dem die christlich säkularisierte Mehrheit die ‹jüdisch-christliche Tradition›, die sie nun aufkündigt, erst konstruiert hatte – um eine lange Tradition des Antisemitismus vergessen zu machen – in dem sich die antiislamische Kulturkampf-These etabliert hat», schreibt Sonja Vogel in der taz vom 26. Januar 2013. (Externer Link zur Rezension hier.)

Verqueert_Logo«Egal wie man in der Debatte steht, bietet der Band wichtige – und zudem wissenschaftlich fundierte! – Anregungen zum Weiterdenken. Er bietet zugleich die unabdingbare Grundlage, auf der man überhaupt nachdenken kann, wie emanzipatorische Religionskritik aussehen kann.» Ralf Buchterkirchen auf seinem Blog verqueert.de (externer Link zur Rezension).

Kritisch lesen LogoDie Beiträge in diesem Band sind «in vielerlei Hinsicht (aus-)wegweisend in einem Umfeld, das zunehmend die Rede über etwas mit dem Etwas selbst verwechselt», urteilt Koray Yılmaz-Günay auf kritisch-lesen.de, Ausgabe vom Januar 2013: «Es ist eine der größten Stärken der Analyse, den diskursiven Rahmen herauszuarbeiten, in dem die Opposition von Selbstbestimmung des Kindes versus dem Recht von Eltern zwar funktional ist, aber gewaltig in die Irre führt. Denn es geht darin um wesentlich mehr als um das Für und Wider einer Beschneidung von Jungen. […] Es ist ein Verdienst dieser ‹Interventionen›, vehement darauf hinzuweisen, dass sich ein Phänomen wie die Vorhautbeschneidung von Jungen nicht isoliert betrachten lässt, sondern dass es immer darum gehen muss, Gesellschaft in ihrer Komplexität und mit ihren ineinander verschränkten Machtasymmetrien zu denken. Und auch und immer wieder darauf, dass die Rede von einem ‹Wir› nicht ‹uns› alle meinen muss. Zu viel Gesagtes und vor allem Ungesagtes ist darin miteinander verwoben, zu viele Ungleichheiten beim Zugang zum Sprechen, aber auch sehr viel dekretiertes Schweigen. Mit dem Ritus soll wesentlich mehr verschwinden als ein vermeintlich überkommener Brauch.» (Externer Link zur Rezension hier.)

Muslimische Stimmen LogoDas Buch wurde am 2. Dezember 2012 in den schönen Räumen von Allmende e. V. – Haus alternativer Migrationspolitik und Kultur in Berlin-Kreuzberg vorgestellt. Yasemin Shooman befragte die Autoren und moderierte die anschließende Publikumsdiskussion. Eine zuverlässige Rekonstruktion der Positionen von Çetin, Voß und Wolter findet sich auf der Website von Muslimische Stimmen – Unabhängiges Projekt für Pluralismus und Austausch (externer Link zum Beitrag). 

MIGazin LogoBereits im Dezember 2012 gab das Fachportal MiGAZIN, ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award, den «Buchtipp zum Wochenende»: die «Interventionen». Dort findet sich auch ein Auszug aus dem Buch (externer Link zum Beitrag).

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß & Salih Alexander Wolter: «Interventionen gegen die deutsche ‹Beschneidungsdebatte›»

Zuletzt aktualisiert am 19. Februar 2015

Vorab ein Zitat aus The Routledge Handbook of German Politics and Culture: «2012 was also the year when, after moral panics around oppressed Muslim women and homophobic and violent Muslim youths, the latest iteration of threatening Muslim Otherness emerged in the so-called Beschneidungsdebatte on whether circumcision of Muslim (and Jewish) boys violates human rights and should thus be outlawed. The debate overshadowed both the continuing revelation about the Nationalsozialistischer Untergrund, a white supremacist group that committed at least 10 racist murders, eight of which targeted Muslim men, and the 20-year-commemoration of the 1992 Mölln arson attack, which cost the lives of three Turkish Germans and injured nine (Çetin, Voß and Wolter 2012).» Fatima El-Tayeb: Germany and Europe – Negotiating identity in a multicultural present, in: The Routledge Handbook of German Politics and Culture, ed. by Sarah Colvin, Abingdon/England & New York 2015, p. 298.

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß  & Salih Alexander Wolter: Interventionen gegen die deutsche «Beschneidungsdebatte», Münster 2012: Edition Assemblage, 96 Seiten, broschiert, 9.80 €. ISBN 978-3-942885-42-3|WG 973. Zur Verlagsseite für diesen Titel geht es hier.

Die Edition Assemblage hat am 30. November 2012 einen Band mit Entgegnungen zur sogenannten Beschneidungsdebatte veröffentlicht. Die Autoren danken der Fachzeitschrift Sexuologie (Charité Berlin), in der Heinz-Jürgen Voß’  klare Darstellung der medizinischen Studien zur Zirkumzision zuerst erschienen ist, und dem von Farid Hafez herausgegebenen Jahrbuch für Islamophobieforschung, Wien 2013, dem der Text von Zülfukar Çetin und Salih Alexender Wolter entnommen wurde (externe Links). Den Aufsatz von Çetin und Wolter – Fortsetzung einer «Zivilisierungsmission»: Zur deutschen Beschneidungsdebatte – gibt es auch online hier (PDF), den Beitrag von Voß – Zirkumzision – die deutsche Debatte und die medizinische Basis – auch online hier (externe PDF). Ein Überblick über wichtige Rezensionen des Buchs findet sich hier.

Dossier «Homo-Antagonismus und antimuslimischer Rassismus» (2008-2010)

Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2016

Salih Alexander Wolter: «Ein Faktum, das dem Menschsein als solchem entspringt». Georg Klaudas notwendige Kritik des schwulen Islam-Diskurses (interner Link), gedruckt in Rosige Zeiten, Ausgabe Dezember 2008/Januar 2009, im Oktober 2008 vorab veröffentlicht auf www.schwule-seite.de (externe Links).

Noch im November 2008 sah Dirk Ruder in Gigi – Zeitschrift für sexuelle Emanzipation «die Debatte über das wichtigste Szene-Sachbuch seit langem [nämlich Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt von Georg Klauda] in ziemlich weiter Ferne. Eine längere Rezension verfasste indes Salih Alexander Wolter für das kleine Oldenburger Magazin Rosige Zeiten, vorab online gestellt unter www.schwule-seite.de.» (Zu Ruders Artikel geht es hier – externer Link.)

GLADT_Fachtag2008 Einen Durchbruch im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus im Namen von «Homorechten» brachte dann der von GLADT e. V. am 25. November 2008 im Auftrag des Senats von Berlin organisierte Fachtag «Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft». Die Dokumentation der Veranstaltung ist als gedruckte Broschüre vergriffen, als PDF-Datei kann sie aber durch einen Klick auf das Cover rechts heruntergeladen werden. Enthalten ist u. a. der grundlegende Beitrag von Prof. Dr. María do Mar Castro Varela: «Migration, Begehren und Gewalt. Anmerkungen zu Rassismus und Homophobie». Diesen Text gibt es unter dem Titel «Göç, Arzu ve Şiddet» auch in einer türkischen Übersetzung von Dr. Zülfukar Çetin (externe Links).

Von Salih Alexander Wolter stammt die Vorlage zum GLADT-Dossier «Religion und Homosexualität im Kontext von Rassismus», das im September 2009 veröffentlicht wurde (PDF – interner Link). Auf diesem Text wiederum basiert der folgende:

Salih Wolter & Koray Yılmaz-Günay: "Muslimische" Jugendliche und Homophobie - braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik? (im IDA-Reader "Facebook, Fun und Ramadan. Lebenswelten muslimischer Jugendlicher")Salih [Alexander] Wolter & Koray Yılmaz-Günay: «Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?, erschienen im Reader «Facebook, Fun und Ramadan – Lebenswelten muslimischer Jugendlicher» des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e. V. (IDA), hg. von Stephan Bundschuh, Birgit Jagusch & Hanna Mai, Düsseldorf 2009 (interner Link). Dieser Aufsatz wird auch in wissenschaftlicher Literatur zitiert.1 Eine weitere Fortschreibung ist: Salih Alexander Wolter & Koray Yılmaz-Günay: Muslimische Erklärungen gegen Homophobie – Entstehung, Inhalt und Nutzbarkeit, erschienen 2011 in dem von Yılmaz-Günay herausgegebenen Reader Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001. Dieser Text ist online nicht verfügbar, aber bei der Edition Assemblage gibt es seit Dezember 2014 eine Neuausgabe des Bandes (mehr hier  – interner Link).

• GLADT u. a. im Juli 2010:

Berlin, Montag, 19. Juli 2010, vor dem Rathaus Schöneberg. GLADT damals zu diesem Foto: «Liebe Freund_innen, trotz einiger durch Polizeigewalt leicht und mittelschwer verletzter Mitglieder blicken wir mit Stolz auf den vergangenen Samstag zurück, wo wir mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen eine beachtliche Protestkundgebung gegen die rechtspopulistische so genannte ‹Bürgerbewegung› pro Deutschland organisiert haben. Heute Morgen haben wir schließlich gemeinsam mit unseren Freund_innen von Harmonie und Huzur das Rathaus Schöneberg gesäubert, damit es wieder wird, was es sein soll: Ein öffentlicher Ort, an dem Rassismus keinen Platz hat!»
Berlin, Montag, 19. Juli 2010, vor dem Rathaus Schöneberg. GLADT damals zu diesem Foto:
«Liebe Freund_innen,
trotz einiger durch Polizeigewalt leicht und mittelschwer verletzter Mitglieder blicken wir mit Stolz auf den vergangenen Samstag zurück, wo wir mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen eine beachtliche Protestkundgebung gegen die rechtspopulistische so genannte ‹Bürgerbewegung› pro Deutschland organisiert haben.
Heute Morgen haben wir schließlich gemeinsam mit unseren Freund_innen von Harmonie und Huzur das Rathaus Schöneberg gesäubert, damit es wieder wird, was es sein soll: Ein öffentlicher Ort, an dem Rassismus keinen Platz hat!»

Salih Alexander Wolter: Die Komplizenschaft verweigern (Nachlese zur Diskussion um Judith Butlers Ablehnung des «Zivilcourage-Preises» beim Berliner CSD  interner Link), gedruckt in Red & Queer 17, erschienen im September 2010, und im Internet nach wie vor auch zugänglich auf www.schwule-seite.de (externer Link).

Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter: Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi (interner Link), gedruckt in KAOS GL (Ankara), Ausgabe November/Dezember 2010 (externer Link). Eine überarbeitete Fassung des Textes ist: Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter: Almanya’daki Müslüman Örgütlerin Homofobi Karşıtı Açıklamaları, erschienen 2011 in dem von Ali Erol (KAOS GL, Ankara) herausgegebenen Sammelband Antihomofobi Kitabı 3: Heteroseksizme Karşı Gökkuşağı. Dieser Beitrag ist auch hier zu lesen (externer Link/Volltext-PDF, s. S. 101-107).

  1. U. a. von: Fatima El-Tayeb (University of California, San Diego): «Gays who cannot properly be gay»: Queer Muslims in the Neoliberal European City, in: European Journal of Women´s Studies 2012 (Abstract s. hier – externer Link; die Buchfassung dieses Aufsatzes erschien in: Matt Cook and Jennifer V. Evans [eds.]: Queer Cities, Queer Cultures: Europe since 1945, London/New York 2014: Bloomsbury Academic, p. 263-281); von Zülfukar Çetin (s. Alice Salomon Hochschule Berlin – externer Link): Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin, Bielefeld 2012: [transcript] Verlag für Kultur, Kommunikation und soziale Praxis; ders.: Rassistische Heteronormativität – Heteronormativer Rassismus, in: Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013) / Ausgabe 1 [unter dem Titel Zusammen- und Wechselwirkungen von Heteronormativität und (antimuslimischem) Rassismus in veränderter Form erneut veröffentlicht in: Friederike Schmidt und Anne-Christin Schondelmayer (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 45-61]; von Yasmin Kassar und Patricia Piberger (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus / KIgA e. V.): Selbstbewusstsein stärken, Reflexionsfähigkeit fördern – Eine schulische Seminarreihe zur Islamismusprävention für die Sekundarstufe I, in: Aycan Demirel und Mirko Niehoff (Hg. im Auftrag von KIgA e. V.): ZusammenDenken. Reflexionen, Thesen und Konzepte zu politischer Bildung im Kontext von Demokratie, Rassismus und Islamismus – ein Projekthandbuch, Berlin 2013, S. 42-75; von Saideh Saadat-Lendle (Lesbenberatung Berlin LesMigraS) und Zülfukar Çetin: Forschung und soziale Arbeit zu Queer mit Rassismuserfahrungen, in: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer und Geschlechterforschung, Bielefeld 2014: [transcript] Verlag / Reihe Queer Studies, Band 6, S. 233-250. [zurück]

«Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?

Zuletzt aktualisiert am 29. Mai 2015 (erweiterte Notiz zur wissenschaftlichen Rezeption des Aufsatzes)

Der folgende Beitrag erschien im Reader Facebook, Fun und Ramadan. Lebenswelten junger Muslime in Deutschland, hg. von Stephan Bundschuh, Birgit Jagusch und Hanna Mai für das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V., Düsseldorf im Dezember 2009 (3. Aufl. 2011), S. 34-38.

Salih [Alexander] Wolter & Koray Yılmaz-Günay:

«Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?

Sieht man einmal ab von terroristischen Anschlägen, stehen in den Debatten über «den Islam» bzw. «die Muslime» in Deutschland vor allem Geschlechterrollen und sexuelle Orientierungen im Fokus der Aufmerksamkeit (Bedeutung des Kopftuchs, so genannte «Ehren»-Morde, schwulen- und lesbenfeindliche bzw. häusliche Gewalt, «Zwangsheiraten» etc.). Die Öffentlichkeit diskutiert diese Fragen in einer Breite, wie es in der Bundesrepublik Deutschland selten vorkommt. Auffallend ist dabei, dass in aller Regel nicht mit Muslim_innen1 gesprochen wird, sondern über sie – dies gilt sowohl für die Politik als auch für Verwaltungen und die Zivilgesellschaft.

Sexuelle Selbstbestimmung scheint in dieser breiten Debatte quasi über Nacht zum Kernbestand der bundesrepublikanischen Werteordnung geworden zu sein. Anstatt über die faktischen Ungleichbehandlungen zu sprechen, die auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts fortbestehen, wird das Wort von der Emanzipation als Symbol hochgehalten – und ein formales Bekenntnis dazu soll die Spreu vom Weizen trennen. Dabei verdienen nach wie vor die meisten Frauen weniger Geld als Männer, selbst wenn sie dieselbe Arbeit machen. Dabei werden nach wie vor Frauen aus allen Bevölkerungsgruppen Opfer häuslicher Gewalt, unabhängig von Herkunft oder Religion. Dabei haben es Lesben und Schwule immer noch schwer, wenn sie sich ihrer Familie gegenüber «outen», egal, ob und welchen Migrationshintergrund die Eltern haben. Dabei werden Menschen, die nicht in ein eindeutiges «Frauen»- oder «Männer»-Bild passen, nach wie vor Opfer von Diskriminierung und Gewalt.

Die Wortmeldungen in Printmedien, Online-Foren und öffentlichen Diskussionsveranstaltungen dazu zeigen, dass die Spaltung der Gesellschaft in «Wir» und «die Anderen» über religiöse und konfessionelle Unterschiede hinweg funktioniert. Wenn ein Täter irgendwie als «muslimisch» identifiziert wird, ist die Nachricht tatsächlich eine Nachricht wert, denn die Einteilung der Menschen in religiöse Gruppen wird wieder ernsthafter vollzogen. Die Jahre 2008 und 2009, die einen immensen Anstieg der Berichterstattung über (nicht nur) homophobe Gewalt aufweisen, zeigen zugleich: Auch wenn die Minderzahl der Fälle de facto «Muslimen» oder «Migrant_innen»2 zugeschrieben werden kann, sind diese Fälle in den Zeitungen überdurchschnittlich oft vertreten. Rechtsextreme Täter_innen kommen – trotz der Überrepräsentanz unter den realen Vorkommnissen – kaum in den Medien vor, stammen Täter_innen aus der «Mitte der Gesellschaft», erscheint meist nicht einmal eine Nachricht.3

Der Rückbezug von Mehrheitsdeutschen auf das Christentum ist damit genauso programmiert wie die (Re-) Islamisierung von Migrant_innen aus mehrheitlich muslimischen Ländern und Gebieten: Wo es nur noch «Kultur»-Blöcke gibt, verschwinden nicht-muslimische Kurd_innen oder christliche Araber_innen wie muslimische Mehrheitsdeutsche und Atheist_innen gleich welcher Herkunft aus dem Blickfeld. Neben «interkulturellen» werden nun überall auch «interreligiöse» Dialoge abgehalten, an denen wie selbstverständlich nach ethnischen Kriterien eingeladene Angehörige von Mehrheits- wie Minderheitenbevölkerung teilnehmen, selbst wenn sie laizistische Türkin oder ehemaliger DDR-Bürger ohne jeden Bezug zu irgendeiner Religion sind. Es sind also nicht Religionen in ihrem theologischen Gehalt oder die tatsächliche Zugehörigkeit zu einer Körperschaft, um die es geht, sondern gesellschaftliche, politische und vor allem mediale Konstruktionen von «Christentum» oder «Islam», die als «Eigenes» und «Fremdes» gedeutet werden.

Folgt man den Debatten gerade über Gewalt gegenüber schwulen Männern, sind die Positionen heute verhärteter denn je. Neben An- und Übergriffen, bei denen Jugendliche mit Migrationshintergrund als Täter in Frage kamen, waren es in den letzten Jahren vor allem zwei Veröffentlichungen, die Empörung auslösten. Erst wurde auf einer Internetseite aus dem Umfeld der Ahmadiyya Muslim Gemeinde männliche Homosexualität mit dem Verzehr von Schweinefleisch «erklärt». Dann sorgte ein schwulenfeindlicher Artikel in dem arabisch-sprachigen Berliner Anzeigenblatt al-Salam im Sommer und Herbst 2008 für teils erregte Erörterungen und Auftritte zum Thema «Islam und Homophobie». Insbesondere junge Männer, die ohne Ansehen der Staatsangehörigkeit oder des Aufenthaltsstatus, der ethnischen Herkunft, Religion oder Religiosität, des Alters, ihrer Sprachkenntnisse oder des Bildungsgrads, der sozialen Schicht oder der eigenen Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen pauschal als «migrantisch» bzw. «muslimisch» eingeordnet wurden, standen und stehen dabei im Zentrum der Aufmerksamkeit. Egal, ob Hamburg, München, Köln oder Berlin: Es scheint von immensem Interesse, ob Homophobie hier religiöse oder kulturelle Ursachen und Motive hat.

Homosexualität und Homophobie in Deutschland

Lesbische und schwule Lebensweisen sind auch heute noch keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. In der Schule wird in den seltensten Fällen außerhalb des Biologie-Unterrichts darüber gesprochen, in den Pausen wissen Lehrkräfte häufig nicht, ob – und wenn ja: wie – sie auf Schimpfwörter wie «Schwuchtel» reagieren sollen. Auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt trauen sich die meisten Lesben und Schwulen nicht, sich zu outen, weil sie Mobbing und Jobverlust fürchten, in der Nachbarschaft herrscht oft genug ein feindseliges Klima, in dem Verstecken als sinnvolle Strategie erscheint. Nach wie vor ist es nicht «normal», lesbisch oder schwul zu sein. Junge Schwule und Lesben haben immer noch den Eindruck, dass sie die einzigen in ihrem Umfeld sind, wenn sie ihr Coming Out haben. Die Berliner Studie Sie liebt sie. Er liebt ihn. aus dem Jahr 19994 kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass die Selbstmordraten unter diesen jungen Menschen signifikant höher sind als bei heterosexuellen Altersgenoss_innen. Es sind nicht nur, aber gerade auch die jungen homosexuellen Menschen, die bei ihren Familien «rausfliegen» und dann zu den hohen Zahlen von Lesben und Schwulen unter Obdachlosen führen.

Diejenigen, die diesen Stress-Faktoren im Leben von Menschen in allen Altersgruppen entgegenwirken könnten, interessieren sich in aller Regel nicht für Diskriminierung und Gewalt gegenüber Lesben und Schwulen. Lehrer_innen wissen häufig nicht, wie sie das Thema Sexualität überhaupt aufgreifen sollen, in der Jugendarbeit stehen andere Themen im Vordergrund. Politik und Verwaltung tun wenig für den Abbau der Privilegien von Frau-Mann-Ehen. Das Modell der auf Dauer angelegten und an Nachwuchs orientierten, monogamen heterosexuellen Zweierbeziehung bleibt das Ideal, an dem Gesetze orientiert werden, auch wenn solche Konstellationen immer seltener vorkommen. Die Werbung im Fernsehen, das Gespräch im Freundeskreis oder aber die Schimpfwörter im Fußballstadion – alles deutet darauf hin, dass es «normale» und «abweichende» sexuelle Orientierungen gibt.

Noch komplizierter wird es, wenn die jungen Frauen und Männer aufgrund ihres Namens, ihres Aussehens, ihrer Sprachkenntnisse oder anderer Merkmale als «nichtdeutsch» wahrgenommen werden. Homophobie mischt sich in ihren Lebenswelten mit Erfahrungen von Rassismus, die Diskriminierungen überlappen und verstärken sich gegenseitig.

Die sogenannten «Muslime»

Die Frage, wer «die Muslime» in Deutschland sind, lässt sich nicht beantworten. Anders als in Frankreich oder Großbritannien bilden Menschen mit türkischem und kurdischem Migrationshintergrund die größte Gruppe unter den Migrant_innen und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Vor diesem Sozialisationshintergrund ergeben sich dabei gravierende lebensweltliche Unterschiede zu Migrant_innen aus Nordafrika (Frankreich) bzw. Südasien (Großbritannien), bei denen unterschiedliche Religionsverständnisse viel stärker Teil des gesellschaftlichen Lebens sind. Der türkische Laizismus erklärt dagegen – nach wie vor sehr erfolgreich – Religion und Religiosität zur privaten Angelegenheit. Neben der fehlenden hierarchischen Organisationsform (und damit einhergehend: der fehlenden Registrierung der Gläubigen) ist dies einer der Gründe, warum unterschiedlichste Formen des kulturellen, sozialen und religiösen Muslimisch-Seins möglich sind – genauso wie die Freiheit von Religion. Der Wunsch, «der Islam» in Deutschland möge mittelfristig eine Adresse und Telefonnummer haben (vgl. z. B. die Bestrebungen der Deutschen Islam-Konferenz), ist orientiert am Bild der Kirchen, das so nicht übertragbar sein wird. Dafür stehen Fragen unterschiedlicher Herkünfte und religiöser Praxen etc. zu sehr im Vordergrund.

Die Frage, was «der Islam», der Koran und/oder der für zuständig erklärte Imam zu Homosexualität und Homosexuellen sagen, verdeckt auf der Ebene der Einstellungspotentiale viel wichtigere Fragen nach Alter, Geschlecht und Lebensrealitäten unterschiedlicher Menschen und Bevölkerungsgruppen. Wie in allen anderen stehen auch in Migrant_innen-Familien aus mehrheitlich muslimischen Ländern ganz andere Fragen im Raum, wenn die Tochter sich als lesbisch «outet». Was werden die Nachbar_innen sagen? Was passiert, wenn die Großeltern es erfahren etc. Irgendwann, erst viel weiter unten auf der Liste, wird unter Umständen auch die Frage auftauchen, wie die Religion dazu steht. Homophobe Einstellungen sind nicht angeboren, und sie führen auch nicht automatisch zu körperlicher Gewalt gegen Lesben und Schwule. Sonst müsste es überall und immerzu «knallen». Diese Einstellungen werden auch nicht von Jugendlichen neu erfunden – immer sind es Erwachsene, von denen sie übernommen werden. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass sich die Erwachsenen-Welt vernehmbar gegen Homophobie positioniert. Sportvereine, aber auch andere weltliche Organisationen wie auch religiöse Gemeinden und Vereine können als Vorbild fungieren – und ein akzeptierendes Klima fördern.

Theologische Positionen

Die Aussagen des muslimischen Mainstreams heute zielen zumeist auf die Sündhaftigkeit, Schädlichkeit etc. von Homosexualität, die aus den Grundquellen islamischer Rechtsprechung (Koran und Prophetenüberlieferungen) abgeleitet werden. Aus beiden lässt sich – folgt man den heute vorherrschenden Auslegungen – nicht nur Ablehnung, sondern nach Meinung vieler Gelehrter auch die Aufforderung zur (körperlichen) Bestrafung zumindest männlicher Homosexualität herauslesen. Dabei wird die im Koran mehrfach aufgegriffene, bereits aus dem ersten Buch der Bibel bekannte Geschichte um Lot so aufgefasst, wie es etabliertem jüdischem und christlichem Verständnis entspricht. Die so genannte «Sünde Sodoms» wird kurzerhand mit der neuzeitlichen «Homosexualität» gleichgesetzt, obwohl es «Schwulsein» bzw. «Lesbischsein» als gesellschaftliche Identität erst seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt. Traditionelle islamische Juristen gingen dabei von der These aus, dass gleichgeschlechtliches Empfinden und Sexualität (ohne soziale Identität, die darum aufgebaut wird) ein natürliches Faktum sind.5 Also lässt sich seriös weder behaupten, der Islam verdamme «Homosexualität», noch, er akzeptiere sie – denn die Einteilung der Menschheit in Schwule/Lesben oder Heterosexuelle stammt aus dieser Gesellschaft und muss so in anderen nicht vorkommen.

Weltliche Erklärungen

Vor diesem Hintergrund ist es sehr begrüßenswert, dass mittlerweile zwei Erklärungen vorliegen, die muslimische Organisationen in Deutschland zum Thema Homophobie herausgegeben haben.6 Es wäre wünschenswert, dass sie über Berlin hinaus bekannt werden und als Vorbild für andere Städte und Regionen dienen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland teilt mit:

«Die Haltung der Religion des Islam zur Homosexualität wird von Aussagen des Koran bestimmt; darin verurteilt der Koran Homosexualität als vom islamischen Natur- und Menschenbild abweichend, knüpft daran jedoch keine konkrete Strafe im Leben. Ausdrücklich betonen wir an dieser Stelle: Keine Gewalt und Diskriminierung gegen Homosexuelle! Wie dies unter anderem in der Islamischen Charta vom 20. Feb. 2002 und anderen Dokumenten der muslimischen Spitzen- und Dachverbände zum Ausdruck kommt, stehen die Muslime auf der Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Danach verhalten wir uns und handeln wir auch und verurteilen jegliche Verfolgung und Diskriminierung von Religionen, Minderheiten und Gruppen, darunter auch Homosexuelle.»

Darüber hinaus nahmen einige muslimische Organisationen in Berlin bzw. Berliner Sektionen nationaler Verbände7 gemeinsam Stellung zu religiös begründeten homophoben Positionen:

«Im April dieses Jahres [2008] ist im arabisch-sprachigen Anzeigenblatt al-Salam ein Artikel erschienen, in dem der Autor seine persönlichen und homophoben Ansichten zu Homosexualität und ihren Konsequenzen darlegt. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Artikel war zu Recht Empörung und Unverständnis. Auch wenn der Autor nur für sich selbst sprechen kann, entwickelte sich eine breite Debatte über die Einstellungen von Muslimen in Deutschland zu Homosexualität.

Ausgehend von den Aussagen des Korans gibt es unter muslimischen Gelehrten den Konsens, dass homosexuelle Handlungen theologisch als Sünde zu betrachten sind. Ähnliches gilt – bekanntlich – auch für das Trinken von Alkohol oder außereheliche Beziehungen. Handlungen, die islamisch-theologisch als Sünde betrachtet werden, können wir aus unserem Glauben heraus nicht gutheißen.

Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung, der Konsum von Alkohol, oder was auch immer in der islamischen Theologie als Sünde betrachtet wird, Privatsache ist. Ob wir etwas gutheißen oder nicht, wird und kann die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise beschränken. Für uns handelt hier jeder Mensch eigenverantwortlich und wird im Jenseits – dies ist fester Bestandteil unserer islamischen Glaubensvorstellung – vor seinem Schöpfer für sein gesamtes Handeln Rechenschaft ablegen müssen.

Auch wenn wir Homosexualität als solche nicht gutheißen, verurteilen wir jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form der Diskriminierung und Verfolgung irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen einschließlich der Homosexuellen.

Zum Schluss sei angemerkt, dass in der aktuellen Berichterstattung über den oben genannten Artikel manche Autoren direkt oder auch indirekt die Vorstellung bzw. Aussage kritisieren, dass Homosexualität eine Sünde ist. Hierdurch erwecken sie den Eindruck, dass dies eine Ursache von Homophobie sei. Nicht die Glaubensvorstellung führt zu Homophobie, sondern vielmehr ein mangelndes Verständnis über die Freiheit des Einzelnen. Muslime – und nicht nur sie – wird man für den Kampf für individuelle Freiheit nicht gewinnen können, indem man Glaubens- und Moralvorstellungen kritisiert. Stattdessen erreicht man das Gegenteil. Entscheidend ist vielmehr die Vermittlung eines richtigen Verständnisses für die vielfältige Freiheit des Einzelnen bzw. des Anderen unabhängig von den eigenen Überzeugungen, die jeder Mensch wiederum für sich frei wählen kann.»

Auch wenn diese Organisationen nicht für «die Muslime» oder gar «den Islam» sprechen können, ist ihre Positionierung zum gesellschaftlichen Problem der Homophobie sehr zu begrüßen. – Beide Erklärungen folgen der Interpretation, wonach Homosexualität Sünde ist, und betonen zugleich, dass darüber erst im Jenseits zu richten sei. Für das Hier und Heute lehnen sie nicht nur jede Gewalt ab, sondern verlangen ausdrücklich die Achtung der individuellen Grund- und Freiheitsrechte.

Die Unterzeichner – zu denen mit DITIB die mitgliederstärkste muslimische Organisation in Deutschland gehört – fühlen sich in ihrer Glaubensüberzeugung an den «Konsens» der Gelehrten gebunden, unterstreichen jedoch, dass dies stets der Gewissensentscheidung jedes einzelnen Menschen überlassen bleiben muss, und bekennen sich damit zu einer Rechtsordnung, in der die Freiheit individueller Lebensentwürfe garantiert ist.

Zu einer Bewertung

Gerade weil der öffentliche Diskurs dazu neigt, Migrant_innen zu (re-) islamisieren, sollten solche Erklärungen explizit nicht als von «den» Muslimen kommend verstanden werden – es kann nicht oft genug betont werden, dass im Islam niemand mit einer dem Papst oder auch nur evangelischen Bischöfen vergleichbaren Autorität sprechen kann. Die Erklärungen zur Homophobie tragen dennoch zu einer wünschenswerten Diversifikation des Bildes bei. Vor dem Hintergrund vor allem einer Mediendebatte, in der sich vermeintlich akzeptierte «Lesben und Schwule» als Verkörperungen westlicher «Aufgeklärtheit» und «Zivilisation» einerseits und «Migrant_innen» bzw. «Muslime» als leibhaftige Symbole eines «vorzivilisatorischen» Kollektivismus andererseits gegenüberstehen, scheint es bei jeder Rede über Islam und Homosexualität sinnvoll, auf folgende Punkte explizit hinzuweisen: Weder sind in Deutschland die Grund- und Freiheitsrechte von Homo- und Bisexuellen und schon gar nicht die von Transsexuellen und Transgendern verwirklicht, noch sind homogenisierte Vorstellungen von «den» Deutschen, «den» Migrant_innen oder «den» Muslimen hilfreich in einer Debatte, wo es um gesellschaftliche Emanzipation gehen sollte. Denn dann dürfen weder Bevölkerungsgruppen (Frauen, Migrant_innen, Homosexuelle) noch Probleme (Sexismus, Rassismus, Homophobie) nach mehr oder weniger Wert bzw. Brisanz hierarchisiert werden.

Die Erklärungen sind somit vor allem dazu geeignet, anti-muslimischen Verengungen der Debatte entgegenzuwirken. Weniger leicht erkennbar ist ihr Nutzen im Kampf gegen Homophobie, insofern diese von den unterzeichnenden Organisationen auch bisher nicht propagiert wurde. Groß angelegte homofeindliche Kampagnen, wie sie der Vatikan gerade auch heute nicht nur in Spanien und Italien immer wieder betreibt, sind also von diesen Islam-Verbänden auch in Zukunft eher nicht zu erwarten. Indem sie der Verantwortlichkeit der einzelnen Menschen vor Gott einen so großen Wert zumessen, formulieren sie damit zugleich auch ein zeitgemäßes «laizistisches» Religionsverständnis. Das mag zumindest lesbische und schwule Muslim_innen ermutigen, für sich zu anderen Schlüssen als die Gelehrten zu kommen, was die Vereinbarkeit ihres Glaubens und ihrer Sexualität betrifft.8

Ausblick

Werden Herkunft und Religion/Religiosität zum Analyse-Raster, verstärken sich Blockaden und Polaritäten, die einem Mediendiskurs geschuldet sind, der hauptsächlich von Mehrheitsdeutschen über «die Muslime» geführt wird. Prävention, die darauf baut, muss scheitern, weil sie kaum etwas mit den realen Erfahrungen von Menschen heute und hier in Deutschland zu tun hat, denn Menschen, die permanent hören, «bei ihnen» sei es «so», antworten dann irgendwann auch: «Bei uns ist das so.»

Gewalttätigkeit entwickelt dabei häufiger, wer selbst Gewalt erfahren hat. Faktoren wie Geschlecht, Alter, gesellschaftliche Schicht und eigene Diskriminierungserfahrungen entscheiden zu einem ganz wesentlichen Teil, welche Jugendlichen und Erwachsenen Gewalt gegen Lesben und Schwule anwenden. Strategien zum Abbau verbaler und körperlicher Gewalt sollten diese Faktoren zum Ausgangspunkt nehmen. Alters- und geschlechtsspezifische Ansätze zur Bearbeitung von Homophobie müssen sich daran orientieren, warum spezifische Äußerungen und Verhaltensweisen für ganz bestimmte Menschen attraktiv sind, denn weder alle Mehrheitsdeutschen noch alle Migrant_innen sind homophob. Nur wenn nach der Funktionalität von Homophobie für den eigenen Identitätsaufbau, z. B. für Jugendliche mit «muslimischem» Migrationshintergrund, gefragt wird, lassen sich gangbare Wege finden, diesen Einstellungen und Verhaltensweisen zu begegnen – über die künstlich gezogenen Grenzen zwischen Bevölkerungsgruppen hinweg.

  1. In diesem Artikel wird der «Gender Gap» verwendet, um auch Personen, die sich nicht innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit verorten können oder wollen, sichtbar zu machen und sie mit einzubeziehen. Der Unterstrich als Leerstelle verweist auf Menschen, die gesellschaftlich und strukturell unsichtbar gemacht werden und die sprachliche Repräsentation jenseits der Zweigeschlechtlichkeit zur Debatte stellen. [zurück]
  2. «Migrant_innen» ist ein Begriff, der in diesem Text bewusst in der Einengung benutzt wird, die in Politik, Medien und Zivilgesellschaft – ungerechtfertigterweise – seit einiger Zeit gang und gäbe ist. Dem öffentlichen Diskurs folgend sind nicht Migrant_innen aus osteuropäischen oder afrikanischen, asiatischen oder amerikanischen Ländern gemeint; «Migrant_innen» sind hier Menschen mit Wurzeln in mehrheitlich muslimischen Ländern oder Gebieten – für den deutschen Kontext also v. a. Türk_innen und Kurd_innen, als die größten Migrant_innen-Gruppen, oder Araber_innen und Bosnier_innen. Darüber hinaus werden aber auch Menschen in die Schublade «Migration» gesteckt, die etwa als Sinti, Roma oder Schwarze Deutsche aufgrund ihrer äußeren Erscheinung als «Migrant_innen» identifiziert werden. Offensichtlich ist es der Blick der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft, der hier entscheidet, über wen gesprochen wird. Flüchtlinge, die zum Teil seit mehr als zehn Jahren in Deutschland leben und keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, und deren Kinder leben vielfach unter katastrophalen Bedingungen. Jede Präventions- und Interventionsarbeit auch zu den Themen Sexismus/Transphobie und Homophobie müsste am Aufenthaltsstatus und am Zugang zu Gesundheit, Arbeit und anderen gesellschaftlichen Gütern ansetzen. Andernfalls droht eine doppelte Stigmatisierung. «Mehrheitsdeutsch» bezeichnet in diesem Text weiße Personen ohne Migrationshintergrund, die (post-) christlich sozialisiert wurden. Schwarze Deutsche, Roma/Sinti, Jüdinnen/Juden und Migrant_innen bzw. deren Nachkommen sind unter Umständen Deutsche, ohne (immer) die Privilegien nutzen zu können, die mit einer deutschen Staatsangehörigkeit verbunden sind. [zurück]
  3. Vergleiche die Analyse Kreuzberg als Chiffre. Von der Auslagerung eines Problems von Yeliz Çelik, Dr. Jennifer Petzen, Ulaş Yılmaz und Koray Yılmaz-Günay, erschienen in: Berliner Zustände 2008. Ein Schattenbericht zu Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie, herausgegeben vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz) und der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), Mai 2009, 22–28. [zurück]
  4. Herausgegeben vom Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der damaligen Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, in Kooperation mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Der Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ist heute als Teil der Landesantidiskriminierungsstelle bei der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales angesiedelt. [zurück]
  5. Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, Hamburg 2008, Seite 51. Vgl. Salih Alexander Wolters ausführliche Rezension des Buches hier (interner Link). [zurück]
  6. Zur Entstehungsgeschichte und zur Debatte vergleiche auch www.ufuq.de (externer Link). [zurück]
  7. Es handelt sich um den Deutschsprachigen Muslimkreis (DMK), DITIB, Inssan, das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB), das Islamische Kultur- und Erziehungszentrum (IKEZ), die Muslimische Jugend und die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS). [zurück]
  8. Während sich in den USA und in Großbritannien auch Selbstorganisationen lesbischer, schwuler und transgender Muslime gegründet haben, sind entsprechende Versuche in Deutschland bisher nicht erfolgreich gewesen. Für den deutschsprachigen Kontext sei deswegen auf die detailreichen Texte des Islamwissenschaftlers und schwulen Muslims Andreas Ismail Mohr verwiesen, der sich seit Jahren um eine breitere innermuslimische Debatte bemüht, die die Perspektive schwuler Muslime zur Kenntnis nimmt (http://home.arcor.de/yadgar/mohr/islam_homo2.html, 26. 11. 2009 / externer Link). [zurück]

Notiz: Der oben stehende Text wird u. a. zitiert von Fatima El-Tayeb (University of California, San Diego) in: «Gays who cannot properly be gay»: Queer Muslims in the Neoliberal European City, erschienen im European Journal of Women´s Studies 2012 (Abstract s. hier – externer Link; die Buchfassung dieses Aufsatzes erschien in: Matt Cook and Jennifer V. Evans [eds.]: Queer Cities, Queer Cultures: Europe since 1945, London/New York 2014: Bloomsbury Academic, p. 263-281); von Zülfukar Çetin (s. Alice Salomon Hochschule Berlin – externer Link): in: Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin, Bielefeld 2012: [transcript] Verlag für Kultur, Kommunikation und soziale Praxis, sowie in seinem Beitrag Rassistische Heteronormativität – Heteronormativer Rassismus im Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013) / Ausgabe 1 [unter dem Titel Zusammen- und Wechselwirkungen von Heteronormativität und (antimuslimischem) Rassismus in veränderter Form erneut veröffentlicht in: Friederike Schmidt und Anne-Christin Schondelmayer (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 45-61]; von Yasmin Kassar und Patricia Piberger (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus / KIgA e. V.) in: Selbstbewusstsein stärken, Reflexionsfähigkeit fördern – Eine schulische Seminarreihe zur Islamismusprävention für die Sekundarstufe I, in: Aycan Demirel und Mirko Niehoff (Hg. im Auftrag von KIgA e. V.): ZusammenDenken. Reflexionen, Thesen und Konzepte zu politischer Bildung im Kontext von Demokratie, Rassismus und Islamismus – ein Projekthandbuch, Berlin 2013, S. 42-75; von Saideh Saadat-Lendle (Lesbenberatung Berlin – LesMigraS) und Zülfukar Çetin in: Forschung und soziale Arbeit zu Queer mit Rassismuserfahrungen, in: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer und Geschlechterforschung, Bielefeld 2014: [transcript] Verlag / Reihe Queer Studies, Band 6, S. 233-250.