«Weil du kein Deutscher bist»

null

Koray Yılmaz-Günay & Salih Alexander Wolter:
Wer darf Deutscher sein?

Ob es den Deutschen nicht auffalle, dass keine andere Nation «so häufig sich darauf beruft, eine zu sein», fragte sich Karl Kraus nach 1933. In Die dritte Walpurgisnacht mokierte er sich über «immer neue Begriffsbestimmungen» der NS-Propaganda: « ‹Der deutsche Mensch›, ‹der deutsche Arbeitsmensch›, das Staatsvolk, der Reichsbürger, der dem Reichsvolk zugehört, und dergleichen mehr, womit sich der Armut keine Stulle belegt.» Gegenwärtig macht zwar die «Nation», von der es hierzulande nie eine breit akzeptierte vernünftige Idee gab, noch immer etwas zurückhaltender von sich reden als damals, und schon gar nicht bekennt sie sich offen zu der «Volksgemeinschaft», als die sie sich unter dem deutschen Faschismus definierte. Aber die Vorstellung davon sitzt tief, und die «Lautsprecher von Natur», denen wir uns nach Kraus ausgeliefert haben, rufen sie unter anderem Titel nicht zufällig jetzt wach, da der von oben aufgekündigte «Sozialstaatskompromiss» niemanden mehr über gesellschaftliche Verhältnisse zu täuschen vermag und Alternativen gefragt wären. Das gelang nicht erst mit dem beispiellosen Medienhype um Sarrazins rassistisches Pamphlet, sondern die alte, im einschlägigen NS-Schrifttum angestachelte Angst vor der «Entnordung des deutschen Volkes» steckt auch hinter scheinbar viel rationaleren Beiträgen zur sogenannten Integrationsdebatte. Das zeigt sich in einem neuen Zweig der Wissenschaft: der Jugendliche-mit-Migrationshintergrund-Forschung.

Dabei ist das «Deutschland», das sich laut Sarrazin abschafft, nicht die real existierende Bundesrepublik. Es ist vielmehr die Halluzination, die auch die NPD meinte, als sie dem schwarzen Nationalspieler Asamoah bei der Weltmeisterschaft 2006 attestierte: «Nein Gerald, du bist nicht Deutschland. Du bist BRD!»Denn äußere Grenzen, die Verfassung oder die tatsächliche Zusammensetzung der Bevölkerung spielen beim Appell an das hegemoniale «Wir» keine Rolle: Deutsch ist, wer von Deutschen abstammt, die Staatsangehörigkeit ändert daran nichts. So steht es einerseits Menschen, die niemals zu irgendeinem Deutschland gehörten, auch nach dem im Jahr 2000 reformierten Staatsbürgerschaftsrecht frei, aufgrund mythischer Blutsbande einzuwandern, während andererseits Generationen von hier geborenen Menschen im eigenen Land außen vor bleiben. Das Begriffspaar «Deutsche und Juden» bezeugt es ebenso wie die verbreitete Annahme, Schwarze oder Roma könnten keine «Deutschen» sein. Denn Deutsche sind weiß, Deutsche sind sesshaft, Deutsche sind christlich.

Dennoch lässt sich nicht mehr leugnen, dass das Land zur Migrationsgesellschaft geworden ist. In den 1980er Jahren, als prozentual mehr Menschen aus anderen Ländern nach Westdeutschland als nach Kanada oder Australien «zu»wanderten (wie es im verdrucksten CDU-Jargon heißt, der in die Amtssprache übernommen wurde), verdrängten die Bundesregierungen unter Kohl diese Realität und boten Rückkehrprämien an. Und heute, da es mehr Auswanderer aus Deutschland als Neuankömmlinge gibt und die Rhetorik vom Boot, das voll sei, nicht mehr zieht, drückt sich in der allgegenwärtigen Klage über «Integrationsdefizite» vor allem die fortgesetzte Verweigerungshaltung der maßgeblichen Institutionen von Staat und Gesellschaft aus. Doch in vielen Großstädten sind die Jugendlichen «mit Migrationshintergrund» längst die Mehrzahl in ihrer Altersgruppe – Tendenz steigend.

Wer diese jungen Menschen sind, will eine im Juni veröffentlichte Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer nicht herausfinden – sie setzt dieses Wissen voraus: ein Vor-Wissen. Beantworten sollen sie Fragen wie diese: «Wie oft wurdest du in den letzten zwölf Monaten, weil du kein Deutscher bist, unhöflich behandelt?» Weil du kein Deutscher bist. Wer durchgehend so adressiert wird und schließlich bei Frage 90 des Bogens für «Nicht-Deutsche» ankreuzt, dass er sich «Deutschland verbunden» fühlt, muss etwas begriffsstutzig sein – offenbar ein Indikator für gelingende Integration. Und immerhin 21,6 Prozent der als «muslimisch» identifizierten 14- bis 16-Jährigen unter den 45.000 Jugendlichen, die das von Pfeiffer geleitete Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen 2007/2008 bundesweit befragte, nehmen sich selbst als Deutsche wahr. Bei den «christlichen» Teenagern nicht-deutscher» Herkunft sind es sogar 57,4 Prozent – was daran liegen mag, daß ihnen «nicht tagtäglich von den Leitmedien «der Islam» als das ganz Andere gepredigt wird, zu dem sie angeblich gehören. Im Übrigen verträgt sich Pfeiffers Einschätzung, wie ernst es jemand mit dem Glauben meint, gut mit dem zeitgenössischen christlichen Selbstverständnis, dem schon als «sehr religiös» unangenehm auffällt, wer nicht bloß zu Weihnachten in die Kirche geht. Dagegen wird hier noch der laue Muslim, der nur eins der fünf täglichen Pflichtgebete seiner Religion hält, als Eiferer erfasst.

So bestätigt, was bei dieser Erhebung über den vermuteten Zusammenhang von Religiosität und Delinquenz herauskommt, noch stets die Vorgaben, nach denen sie angestellt wurde: Unsere Gesellschaft teilt sich in Deutsche und Nicht-Deutsche, Erstere sind die Norm, Letztere das Problem. Damit man beide besser vergleichen kann, bekommen sie, je nach biologischer Abstammung, unterschiedliche Fragebögen: Ein «nicht-deutsches» leibliches Elternteil macht auch ein Kind der dritten Einwanderer-Generation zum «Ausländer». Weil sich solche Wissenschaft für Sozialisation nicht interessiert, gibt es auch keine Ausnahme für Adoptierte. Dafür dürfen sich die jungen Probandinnen und Probanden selbst in der Zuordnung von Menschen nach phänotypischen Merkmalen üben. So werden beispielsweise Opfer von Gewalttaten aufgefordert, die vermutete Nationalität des Täters oder der Täterin anzugeben. Andererseits werden ihnen zusätzliche Kompetenzen als Mangel ausgelegt: Wer etwa perfekt Deutsch kann, aber im Familienkreis Türkisch spricht, dem fehlt es nach Pfeiffer an «kognitiver Integration». Und erst recht nicht integriert sind «nicht-deutsche» Jugendliche, die – aus welchen Gründen auch immer – nach der Schulzeit lieber arbeiten gehen würden, statt das Abitur zu machen.

In der rechtspopulistischen Welle, die ganz Europa ergriffen hat, ist überall das antimuslimische Ressentiment wirksam. Aber im biologistischen Rassismus, wie er auch die «Pfeiffer-Studie» kennzeichnet, auf die sich Kanzlerin Merkel schon berufen hat – während sie Sarrazins Machwerk bekanntlich «nicht hilfreich» findet –, lebt die besondere deutsche Spielart des allgemeinen Wahns beängstigend wieder auf.

Ossietzky, Ausgabe vom 13. November 2010
[Auch auf der Ossietzky-Website veröffentlicht (Direktlink).]

Dossier «Homo-Antagonismus und antimuslimischer Rassismus» (2008-2010)

Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2016

Salih Alexander Wolter: «Ein Faktum, das dem Menschsein als solchem entspringt». Georg Klaudas notwendige Kritik des schwulen Islam-Diskurses (interner Link), gedruckt in Rosige Zeiten, Ausgabe Dezember 2008/Januar 2009, im Oktober 2008 vorab veröffentlicht auf www.schwule-seite.de (externe Links).

Noch im November 2008 sah Dirk Ruder in Gigi – Zeitschrift für sexuelle Emanzipation «die Debatte über das wichtigste Szene-Sachbuch seit langem [nämlich Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt von Georg Klauda] in ziemlich weiter Ferne. Eine längere Rezension verfasste indes Salih Alexander Wolter für das kleine Oldenburger Magazin Rosige Zeiten, vorab online gestellt unter www.schwule-seite.de.» (Zu Ruders Artikel geht es hier – externer Link.)

GLADT_Fachtag2008 Einen Durchbruch im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus im Namen von «Homorechten» brachte dann der von GLADT e. V. am 25. November 2008 im Auftrag des Senats von Berlin organisierte Fachtag «Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft». Die Dokumentation der Veranstaltung ist als gedruckte Broschüre vergriffen, als PDF-Datei kann sie aber durch einen Klick auf das Cover rechts heruntergeladen werden. Enthalten ist u. a. der grundlegende Beitrag von Prof. Dr. María do Mar Castro Varela: «Migration, Begehren und Gewalt. Anmerkungen zu Rassismus und Homophobie». Diesen Text gibt es unter dem Titel «Göç, Arzu ve Şiddet» auch in einer türkischen Übersetzung von Dr. Zülfukar Çetin (externe Links).Von Salih Alexander Wolter stammt die Vorlage zum GLADT-Dossier «Religion und Homosexualität im Kontext von Rassismus», das im September 2009 veröffentlicht wurde (PDF – interner Link). Auf diesem Text wiederum basiert der folgende:

Salih Wolter & Koray Yılmaz-Günay: "Muslimische" Jugendliche und Homophobie - braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik? (im IDA-Reader "Facebook, Fun und Ramadan. Lebenswelten muslimischer Jugendlicher")Salih [Alexander] Wolter & Koray Yılmaz-Günay: «Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?, erschienen im Reader «Facebook, Fun und Ramadan – Lebenswelten muslimischer Jugendlicher» des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit e. V. (IDA), hg. von Stephan Bundschuh, Birgit Jagusch & Hanna Mai, Düsseldorf 2009 (interner Link). Dieser Aufsatz wird auch in wissenschaftlicher Literatur zitiert.1 Eine weitere Fortschreibung ist: Salih Alexander Wolter & Koray Yılmaz-Günay: Muslimische Erklärungen gegen Homophobie – Entstehung, Inhalt und Nutzbarkeit, erschienen 2011 in dem von Yılmaz-Günay herausgegebenen Reader Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001. Dieser Text ist online nicht verfügbar, aber bei der Edition Assemblage gibt es seit Dezember 2014 eine Neuausgabe des Bandes (mehr hier  – interner Link).

• GLADT u. a. im Juli 2010:

Berlin, Montag, 19. Juli 2010, vor dem Rathaus Schöneberg. GLADT damals zu diesem Foto: «Liebe Freund_innen, trotz einiger durch Polizeigewalt leicht und mittelschwer verletzter Mitglieder blicken wir mit Stolz auf den vergangenen Samstag zurück, wo wir mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen eine beachtliche Protestkundgebung gegen die rechtspopulistische so genannte ‹Bürgerbewegung› pro Deutschland organisiert haben. Heute Morgen haben wir schließlich gemeinsam mit unseren Freund_innen von Harmonie und Huzur das Rathaus Schöneberg gesäubert, damit es wieder wird, was es sein soll: Ein öffentlicher Ort, an dem Rassismus keinen Platz hat!»
Berlin, Montag, 19. Juli 2010, vor dem Rathaus Schöneberg. GLADT damals zu diesem Foto:
«Liebe Freund_innen,
trotz einiger durch Polizeigewalt leicht und mittelschwer verletzter Mitglieder blicken wir mit Stolz auf den vergangenen Samstag zurück, wo wir mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen eine beachtliche Protestkundgebung gegen die rechtspopulistische so genannte ‹Bürgerbewegung› pro Deutschland organisiert haben.
Heute Morgen haben wir schließlich gemeinsam mit unseren Freund_innen von Harmonie und Huzur das Rathaus Schöneberg gesäubert, damit es wieder wird, was es sein soll: Ein öffentlicher Ort, an dem Rassismus keinen Platz hat!»

Salih Alexander Wolter: Die Komplizenschaft verweigern (Nachlese zur Diskussion um Judith Butlers Ablehnung des «Zivilcourage-Preises» beim Berliner CSD  interner Link), gedruckt in Red & Queer 17, erschienen im September 2010, und im Internet nach wie vor auch zugänglich auf www.schwule-seite.de (externer Link).

Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter: Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi (interner Link), gedruckt in KAOS GL (Ankara), Ausgabe November/Dezember 2010 (externer Link). Eine überarbeitete Fassung des Textes ist: Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter: Almanya’daki Müslüman Örgütlerin Homofobi Karşıtı Açıklamaları, erschienen 2011 in dem von Ali Erol (KAOS GL, Ankara) herausgegebenen Sammelband Antihomofobi Kitabı 3: Heteroseksizme Karşı Gökkuşağı. Dieser Beitrag ist auch hier zu lesen (externer Link/Volltext-PDF, s. S. 101-107).

  1. U. a. von: Fatima El-Tayeb (University of California, San Diego): «Gays who cannot properly be gay»: Queer Muslims in the Neoliberal European City, in: European Journal of Women´s Studies 2012 (Abstract s. hier – externer Link; die Buchfassung dieses Aufsatzes erschien in: Matt Cook and Jennifer V. Evans [eds.]: Queer Cities, Queer Cultures: Europe since 1945, London/New York 2014: Bloomsbury Academic, p. 263-281); von Zülfukar Çetin (s. Alice Salomon Hochschule Berlin – externer Link): Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin, Bielefeld 2012: [transcript] Verlag für Kultur, Kommunikation und soziale Praxis; ders.: Rassistische Heteronormativität – Heteronormativer Rassismus, in: Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013) / Ausgabe 1 [unter dem Titel Zusammen- und Wechselwirkungen von Heteronormativität und (antimuslimischem) Rassismus in veränderter Form erneut veröffentlicht in: Friederike Schmidt und Anne-Christin Schondelmayer (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 45-61]; von Yasmin Kassar und Patricia Piberger (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus / KIgA e. V.): Selbstbewusstsein stärken, Reflexionsfähigkeit fördern – Eine schulische Seminarreihe zur Islamismusprävention für die Sekundarstufe I, in: Aycan Demirel und Mirko Niehoff (Hg. im Auftrag von KIgA e. V.): ZusammenDenken. Reflexionen, Thesen und Konzepte zu politischer Bildung im Kontext von Demokratie, Rassismus und Islamismus – ein Projekthandbuch, Berlin 2013, S. 42-75; von Saideh Saadat-Lendle (Lesbenberatung Berlin LesMigraS) und Zülfukar Çetin: Forschung und soziale Arbeit zu Queer mit Rassismuserfahrungen, in: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer und Geschlechterforschung, Bielefeld 2014: [transcript] Verlag / Reihe Queer Studies, Band 6, S. 233-250. [zurück]

Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi

Koray Yılmaz-Günay & Salih [Alexander] Wolter:
Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi

Almanya’da «İslam»’dan ya da «Müslümanlar»’dan bahsedildiğinde gündeme gelen konular, öncelikle şiddet/terörist saldırılar ve hemen sonra cinsiyet(çilik) ve (eş)cinsellik konularıdır.1 Bir kadının başörtüsü kullanmasının ne anlama geldiği, «namus» cinayetlerinin, eşcinsel düşmanı ya da aile içi şiddetin nasıl önlenebileceği, zorunlu evlilikler ve benzeri konular, Almanya’da hiçbir konunun ele alınmadığı kadar sıkça ve geniş bir platformda ele alınıyor. Medya, siyaset, devlet, bilim ve sivil toplum gibi önemi küçümsenemeyecek tartışma ortamlarının hepsinde hemen göze çarpan özellik ise, bu konuların kendini «Müslüman» olarak tanımlayan insanlarla değil, bu insanlar üzerine konuşarak işlenmesi.

Kabaca özetleyecek olursak: Bir insanın cinsiyet kimliği ve cinsel yönelimi üzerine özerkçe karar verebilme hakkı Almanya’nın temel taşlarından biri. Bunun ne zaman nerede kararlaştırıldığını bilmek, görmek – yani bunun ne kadar doğru olduğunu sorgulamak – gerekmiyor. Kırk kere söylersen öyle olur misali, eşitlik söylemi sürekli ve her yerde tekrarlanırken, fiilen gayet mevcut olan kadın-erkek eşitsizliği, heteroseksüel-eşcinsel eşitsizliği, trans kimlikli insanları görmeme «geleneği» kayboluveriyor. Yeter ki, sorana vereceğin cevabı bil. Özgürlük ve özerklik söylemine evet diyenin, 21. yüzyılın Almanya’sında aynı iş için kadınların hâlâ erkeklere oranla %30 daha az kazandığını sürekli hatırlaması gerekmiyor. Özgürlük ve özerklik söylemine evet diyenin, her yıl, etnik kökenine ya da dinine bakmaksızın toplumun her kesiminden erkek şiddetine maruz kalan on binlerce kadının sığınma evlerine kaçmaktan başka perspektifi kalmadığını bilmesi gerekmiyor. Ailesine açılan eşcinsel gencin ya da net bir «kadın»/«erkek» kimliğine uymayan herkesin okulunda, işyerinde, mahallesinde yaşadığı ayrımcılığın ve şiddetin ne derece azalmadığını her gün, her yerde anımsamak zor geliyor birçok insana. Yazılı basında, online forumlarda ve panel tartışmalarında görülen o ki, toplumun «biz» ve «onlar»’a ayrılmışlığı din ve mezhep sınırları tanımıyor. Kime sorsanız sorun, «bizim» değerlerimiz farklı «onların» değerleri farklı. Biz Almanız, onlar «göçmen».

Geçtiğimiz üç yılda homofobiyle ilgili haber sayısı özellikle eşcinsel olmayan medyada artarken aynı zamanda şu da ortaya çıkıyordu: Homofobiyi gittikçe sokaktaki saldırıyla eşdeğerleştiren bir algı, eşcinsel düşmanlığının haber niteliği failin kimliğine göre artıyordu. «Sıradan» denecek beyaz Almanlardan kaynaklanan şiddet vakaları gazetelere neredeyse hiç yansımazken ve aşırı sağcı saldırılarda yaralanan eşcinseller sadece arada bir haber olurken failin kimliği «Müslüman» ya da «göçmen» olarak «teşhis» edildiğinde kusursuz demokrat ve hür toplumumuzun tümüne saldırılmış olunuyordu… Fiilen (beyaz Almanlar tarafından işlenen) aşırı sağcı saldırılar çoğunluktayken ve gözle görülmeyen, yani fiziksel şiddete dönüşmeyen – sözüm ona «meşru» – eşcinsel düşmanlığı had safhadayken toplumsal homofobi anlayışının niteliğinin bu kadar banalleşmesi kısmen de «acı gerçekler» üzerinden prim yapmaya çalışan eşcinsel örgütlerinden bizzat kaynaklanıyor.

«Göçmenlerden» bahsederken, aslında kimden bahsedildiğini söylemekte fayda var. «Göçmen» kelimesi, siyasette, bilimde, anaakım medyada ve sivil toplumda son on yıldır Almanya’ya göç eden insanların sadece bazılarını tanımlamak için kullanılıyor. Hangi ülkeden gelindiğinin önemi görmezden gelinirken, ait olunan «kültür» ya da «din», her şeyi açıklayan bir anahtar olarak yüceltiliyor… Almanya bağlamında bu demek oluyor ki, «göçmen» eşittir Türkiyeli ya da Arap/Bosnalı. Fakat bu terminoloji, gelinen ülkeyi anlatmak için değil çoğunluk toplumu açısından «biz» ve «onlar» arasındaki netliği vurgulamak için kullanılıyor. «Göçmenlik» kılıfı (yani, kılık, kıyafet, ten veya saç rengi vs. itibariyle yakıştırılan «Müslümanlık»), aynı zamanda yüzyıllardır bu topraklarda yaşayan Romanlara ve Siyah Almanlara da uygun görülebiliyor.

Bu bağlamda, «çoğunluk toplumu» ise göçmenlik geçmişi olmayan, Hıristiyan geleneğinden gelen, toplumun normlarını belirleyen ve güç ilişkilerinde belirleyici taraf olan beyaz Almanlar oluyor. Romanlar, Yahudiler, siyah Almanlar, göçmenler ya da göçmen ailelerinin çocukları, fevkalade Alman vatandaşı olabilirler; fakat bu, beyaz Almanların imtiyazlarına sahip oldukları anlamına gelmiyor. Türkiye’de de olduğu gibi, vatandaşlık eşit hak anlamına gelmiyor Almanya’da. Hiç gelmedi, gelmemeye devam ediyor.

Çoğunluğu Müslüman olan ülkelerden ya da bölgelerden gelen göçmenler ve onların çocukları Müslümanlaştırılırken, Almanya’daki çoğunluk toplum da Hıristiyanlaştırılıyor aynı hamlede. Global çerçevede olup bitenleri «medeniyetler çatışması» olarak görmek isteyen zihniyet bu çatışmanın uzantılarını tabii ki kendi ülkesinde de arayacaktır. Kutuplaşmış medeniyet bloklarının içinde Müslüman olmayan Kürtün, Hıristiyan olan Arabın ya da Müslümanlığa dönmüş beyaz Almanın ya da – nereli olursa olsun – ateistin yeri olabilir mi? Eskiden «kültürler arası» yapılan diyaloglara «dinler arası» diyaloglar eklendi, bu diyaloglara katılanlara kimse, «Burada laik Türk’ün ya da sosyalist kökenden gelen Doğu Almanın ne işi var?» diye sormuyor. Almanya’da artık (varsayılan) din, (varsayılan) etnik kökenin yerini almak üzere. Etnik kökende olduğu gibi, bu «dini» kimlikler gerçekliklerle ilgili değil. Eskiden, Türkiye’den gelen herkes «Türk» oluyordu, şimdi Türkiye’den gelen herkes «Müslüman».

Özellikle eşcinsel erkeklere yönelik şiddeti takiben çıkan gazete haberlerine bakılırsa kutuplar bugüne kadar hiç olmadığı kadar uzak birbirine. Bunun sebebi, kamusal alanda genellikle genç erkekler tarafından uygulanan şiddetin yanı sıra özellikle yayınlanan iki makalede aranabilir: Almanya’da görece önemsiz Ahmediye Müslüman Cemaati’ne ait ve özellikle gençlere yönelik bir İnternet sayfasında eşcinsellik, bir hastalık olarak, domuz eti yemekle açıklanırken, 2008 yılının yaz aylarında Berlin’de yayınlanan ve bedava dağıtılan reklam dergisi «al-Salam»’da çıkan eşcinsel (erkek) düşmanı bir makale dalgaları yükseltmişti; «İslam ve homofobi» bir konu olarak, «Müslüman» gençler ise birer potansiyel fail olarak eşcinsel medyada ve günlük gazetelerde yerini bulmuştu. Bu bağlamda vatandaşlık, oturma izni, etnik köken, din ve/veya dinine bağlılık derecesi, yaş, dil bilme ya da bilmeme, eğitim seviyesi, sınıfsal konum vs. gibi etkenler tamamen gözardı edilirken, bu «şiddet kaynağı» genç erkeklerin ırkçı ayrımcılık ve bizzat yaşadığı şiddet deneyimleri de kayboluveriyordu… İster Hamburg olsun, ister Berlin, isterse Münih ya da Köln, Almanya’nın her büyük kentinde (erkek) eşcinsel camiayı en çok meşgul eden konulardan birisi: «Göçmenlerde» homofobinin dini ve/veya kültürel kaynakları. «İslam’ın eşcinsellikle ilgili daha çoook yol alması gerekiyor…»

Almanya’da Eşcinsellik ve Homofobi

Bütün kazanımlara rağmen halen Almanya’da eşcinsellik ve eşcinseller «normal» denen durumun bir parçası değil. Okullarda biyoloji dersinin dışında konu ele alınırsa, devlet memuru olmayan eğitmenler tarafından verilen ve zorunlu olmayan vicdan dersinde ancak yer bulabiliyor. Eşcinsellik, toplumsal bir olgu olarak değil, tıbbı, psikolojik ya da en temelinde biyolojik bir olgu olarak var olmaya devam ediyor, devletin okulundan mezun olan çocukların kafalarında. Teneffüslerde her geçen yıl artan homofobik küfürlerle mücadele edilip edilmemesinin getirilerini ve götürülerini düşünmek zorunda hisseden öğretmenler, işe alınmama ya da işten atılma riskiyle karşı karşıya kalmamak için meslek eğitimi ve iş piyasasında açılamayan translar, mahallelerde saklanmayı gerektiren heteroseksist egemenlik… Genç eşcinsellerde hâlâ ilk ve tek olma hissinin ne kadar yaygın olduğunu; intihara teşebbüs vakalarının bu gençlerde heteroseksüel gençlere oranla küçümsenemeyecek kadar yüksek olduğunu; aileleri tarafından sokağa itilen gençlerin evsizler arasındaki eşcinseller oranının ortalamanın çok üstüne tırmanmasına sebep olduğunu, yapılan araştırmalar gösteriyor. Cinsiyet kimliğinin ve cinsel yönelimin henüz şekillendiği bu yaş grubuyla sorumlu bir şekilde çalışabilecek eleman yok denecek kadar az. Öğretmenler, genel anlamda cinsellik konusunu nasıl ele alabileceklerini bilmezken, gençlerin okuldan sonra takıldığı birçok yerde başka konular sözüm ona daha önemli oluyor. Devlet ve egemen siyasetçiler, kadın-erkek evliliklere tanınan ayrıcalıkları «aile» olan herkese açmak konusunda hiç hevesli değil. Bu ilişki tipi en azından şehirlerde yok olurken, uzun vadeli, üreme odaklı monogam heteroseksüel ilişkiler ulaşılması gereken bir ideal olarak toplumun ve devletin neredeyse her alanında hâkim olmaya devam ediyor. Yasalara ya da televizyondaki dizilere ve reklamlara bakıldığında; arkadaş ortamında, okulda, işyerinde ya da bakkalda edilen muhabbete kulak verildiğinde; stadyumda edilen küfürlerin bize neler öğrettiği düşünüldüğünde, acı bir tablo çıkıyor ortaya… Her şey bize, eşcinselliğin doğal ya da olağan olan bir hayatın ve bunun dışında kalan, yani «normal» olmayan bir cinsel yönelim olduğunu gösteriyor. Yılda bir yapılan büyük etkinliklerin dışında kendini karanlık çöktükten sonra var eden bir camia, maalesef bunu sineye çekmiş durumda.

Neredeyse sadece «Müslümanlar» üzerinde yürütülen argüman, «onlar» (heteroseksüel «Müslümanlar») ve «bizler» (beyaz Alman eşcinseller) gibi bir ayrımı «gerektiriyor». Bu durum, azınlık konumunda bulunan grupları birleştireceğine gereksiz ve hatta zararlı bir kutuplaşmaya yol açıyor. Oysa, ismi, görünümü, dil seviyesi ya da başka sebeplerden dolayı «azınlık» olarak kategorize edilen birçok eşcinsel var. Bunların bir kısmı kendisi göç edenlerden oluşurken, Almanya’da doğmuş büyümüş birçok insan, 1980’lerden kalan kimlik kategorilerinin ne kadar ilkel olduğunu gayet net ortaya koyuyor… Göçmen, Siyah Alman, Roman ya da Yahudi eşcinsellerin salt mevcudiyeti bile, homofobinin cinsiyetçilikle ve özellikle ırkçılıkla ne kadar çok içli-dışlı bir görüngü olduğunu gösterirken, sokaktaki, bardaki, medyadaki, siyasetteki ve hatta eşcinsel örgütteki muhabbet homofobiyi ayrıştırıp tek başına halledilebilecek bir fenomen olarak algılamaya devam ediyor…

Sözde «Müslümanlar»

Almanya’daki «Müslümanların» kim olduğu sorusuna dair bir yanıt yok. Fransa’ya Kuzey Afrika’dan, İngiltere’ye ise Güney Asya’dan gelen birçok insan için dinin ve dindarlığın önemi yüksek ve bir sosyal kimlik olarak «Müslüman olmak» gayet doğal iken Almanya’ya gelen en büyük göçmen grubu için bu hiç de doğal değil. Buraya göç eden ve burada kalan en büyük grup, dini sosyal kimlik olarak yaşamayan ve söz konusu doğallığı benimsemeyen Türkiyelilerden oluşuyor. Birçok alanda Almanya’dan daha laik olan Türkiye’den gelen ya da Türkiyeli bir ailede doğan insanların büyük bir kısmı dini ve dindarlığı devletle ve toplumla ilişkilenirken «özel mesele» olarak tanımlamayı tercih ediyor. Birçok cami derneğinden ve cemaatten oluşan «community» bundandır ki, çok dağınık ve kendi içinde bölünmüş. Göçmenler, «Kürtlük», «İranlılık» ya da «Filistinlilik» üzerinden örgütlenmeyi tercih ediyor çünkü. Bu, hiyerarşik ve tekil kilise örgütlerine alışık olan devleti zorladığı için uzun vadede «İslam»’ın da tek adresi ve telefon numarası olmasını isteyen büyük bir kesim var. Ne var ki, onlarca farklı ülkeden gelen, ruhani ve cismani hayatları birbirine hiçbir şekilde benzemeyen farklı toplulukları bu şekilde biraraya getirmek mümkün olmuyor ve olmayacaktır da. Çünkü çoğunluğun Müslüman olmadığı Almanya’da, özellikle siyasal İslam’a ilgi duymayan kesimler, tek bir cemaat gibi davranmıyor ve örgütlenme biçimleri de kilise(ler)in örgütlenme biçimine benzemiyor.

Tekilleştirilen «İslam»’ın, Kuran’ın ve/veya sorumlu ilan edilen imamın eşcinsellik ya da eşcinseller konularındaki fikirleri ön plana çıkarıldığında aslında cinsiyet, yaş, sınıf vs. gibi önemi asla küçümsenemeyecek etkenler yok ediliyor. Toplumun her kesiminde olduğu gibi, tabii ki göçmen ailelerde de dinin öncesinde ve ötesinde bambaşka konular gündeme geliyor birey ailesine açıldığında. Komşular ne diyecek? Deden/ninen öğrenirse ne olacak vs. Daha sonra, önem sırasına göre bayağı sonra, belki de, «Ha, dinimiz de caiz bulmuyor» gibi bir argümanla karşılaşmak elbette mümkün. Oryantalizmin başını alıp gittiği bir ortamda sıralamadaki bu önemli ayrıntı gözden kaçırılıyor birçok kez…

Homofobi insana doğumunda hediye edilmiyor, sonradan zembille de inmiyor. Eşcinsel düşmanlığı Allah’ın vergisi, doğanın kanunu ya da tesadüf değildir. Gençlere, yetişkinler tarafından öğretilen homofobi, nesilden nesle geçiyor. Fakat homofobik bir yapıya sahip olmak, otomatikman şiddet uygulamaya götürmüyor insanı aynı zamanda. Yoksa her gün her yerde homofobik saldırı görüyor olmamız gerekirdi. Dolayısıyla homofobiyi yenmek için yetişkinleri (de) hedef kitlesi olarak tanımlamak gerekiyor; özellikle spor kulüplerine, meslek gruplarına, derneklere ve dini cemaatlere düşen bir sorumluluk var burada.

İlahi Pozisyonlar

Almanya’daki Müslüman anaakımın algısı bugün eşcinselliği bir günah ya da zararlı bir şey olarak adlandırmayı tercih ediyor. Bu algıyı kutsamak için günümüzden hadislere ve hatta Kuran’a varan bir tarihçe kurgulanıyor, sanki her zamanda ve her yerde insanlar bugünün anlamında cinsel yönelimler üzerine kafa yorup bugünün anlamında bunu nasıl ele alacaklarını düşünmüşler gibi… Almanya’da günümüzde dominant olan yorumlardan yola çıkacak olursak eşcinsellik bir günah olmakla kalmıyor, en azından erkek eşcinsellerin belirli şekillerde cezalandırılması da gerekiyor. Kuran’daki Lut hikâyesi aynen Musevilikte ve Hıristiyanlıkta olduğu gibi algılanıyor, yani «livat» günümüze ait olan «eşcinsellikle» özdeşleştiriliyor. Bunun ne kadar yersiz olduğunu görmek için tarihe bakmak gerekmiyor. Ama tarihe bakmanın faydaları da olabiliyor…

İslam hukukçuları hemcinsler arasında yaşanan ilişkileri ve cinselliği doğal bir gerçeklik olarak algılarken, sanayi toplumlarının metropollerinde 19’uncu yüzyılın ortalarından itibaren bambaşka bir şey çıkıyor ortaya: birer sosyal kimlik olan «lezbiyenlik» ve «geylik». Bu etiketler üzerinden cinsiyet kimliklerinin «normalliğini» gittikçe büyüyen bir başarıyla savunan geyler ve lezbiyenler ise, çok yakın tarihimizde «trans» kimliklerin ortaya çıkmasını zorlar.2 Dolayısıyla, «İslam ‹eşcinselliği› lanetliyor ve yasaklıyor» demek, «İslam ‹eşcinselliği› kabul ediyor» demek kadar sakıncalı. İnsanların cinsel yönelimlerine göre «heteroseksüeller» ve «eşcinseller» olarak ayrılması yer ve zaman olarak sadece bazı yerlere ve zamanlara tekabül ediyor – ve söz konusu toplumun sadece bir kısmını etkiliyor. Önemli olan, «İslam» değil, Müslümanlar ve bu Müslümanların pratikte yaptıkları ya da yapmadıkları.

Dünyevi Açıklamalar

Bu bağlamda, Almanya’daki bazı Müslüman dernekleri tarafından yapılan iki açıklamanın oldukça büyük bir önemi var. Almanya Müslümanlar Merkez Konseyi’nin genel sekreterinin açıklaması:

«İslam dininin eşcinselliğe bakış açısını Kuran belirler. Kuran, eşcinselliği İslam’ın doğa ve insanlık anlayışına uygunsuz bulur fakat dünyada bir cezalandırma öngörmez.

Özellikle altını çizeriz ki: Eşcinsellere karşı şiddet ve ayrımcılık olmamalı! 20 Şubat 2002 tarihli «İslam Şartı»’nda ve Müslüman çatı kuruluşlarının imzaladığı diğer belgelerde de açıkladığımız gibi, biz Müslümanlar, Almanya’nın Anayasasını kabul etmekteyiz. Hareketlerimizi bu belirler; dinlerin, azınlıkların ve grupların – bunlar arasında eşcinsellerin de – ayrımcılığa maruz kalmasını kınarız.»3

Bunun dışında, bazı Berlinli Müslüman dernekleri (ve ulusal çapta çalışan derneklerin Berlin temsilcilikleri)4 dinden kaynaklanan homofobik pozisyonlarla ilgili bir açıklamada bulunmuştu:

«Bu yılın [2008] Nisan ayında bir yazar, Arapça yayınlanan reklam dergisi al-Salam’da çıkan bir makalesinde eşcinsellikle ve eşcinselliğin götürüleriyle ilgili kişisel homofobik görüşlerine yer vermiştir. Bu makaleye karşı kamunun reaksiyonu haklı olarak hiddet olmuştur, anlayış gösterilmemiştir. Yazar her ne kadar yalnızca kendi fikirlerini beyan etmişse de bu makalenin yayınlanmasından sonra Almanya’daki Müslümanların, eşcinselliğe bakış açısıyla ilgi geniş bir tartışma çıkmıştır.

Kuran’ın tutumundan yola çıkarak Müslüman bilginler arasında bir fikir birliği vardır; eşcinsel davranışlar ilahi anlamda günah olarak ele alınır. Bilindiği üzere aynısı alkol tüketimi ve evlilik dışı ilişkiler için de geçerlidir. İslami ilahiyattan yola çıkarak günah olarak algılanan davranışları tasvip etmemiz mümkün değildir.

Fakat aynı zamanda çok eminiz ki, cinsel yönelim, alkol tüketimi ve İslam ilahiyatında günah olarak ele alınan her şey kişinin özel meselesidir. Bizim bir şeyi tasvip etmemiz ya da etmememiz, hiç kimsenin kişisel özgürlüğünü kısıtlayamaz, kısıtlamamalı da. Her insan kendisinden ve davranışlarından sorumludur ve ahrette yaratanı önünde bunların hepsi için hesap verecektir. Bu, İslami inancımızın vazgeçilmez bir öğesidir.

Her ne kadar eşcinselliği eşcinsellik olarak tasvip etmesek de, eşcinsellerin maruz kaldığı her türlü kovuşturmayı ve hatta şiddeti kınıyoruz. Büyük bir kararlılıkla herhangi bir toplumsal grubun karşılaştığı her türlü ayrımcılığa karşı çıkıyoruz; bu gruplara eşcinseller de dâhildir.

Son olarak söylemek isteriz ki, adı geçen makalenin yayınlanmasından sonra bazı yazarlar, dolaylı ya da dolaysız olarak eşcinselliğin günah olarak algılanmasını eleştirmektedirler. Böylece, bu anlayışın homofobinin kaynağı olduğunu ima ediliyor. Oysa homofobinin sebebi dini inanışlar değil bireysel özgürlük anlayışının az gelişmişliğidir. Müslümanlar, inanışlarını ve ahlak anlayışlarını eleştirerek bireysel özgürlük mücadelesi için kazanılamayacaktır, belki de tam tersi bile olacaktır. Belirleyici olan, hür düşünen insanların, kendi düşüncelerinden bağımsız olarak, bireyin ve ötekinin çoğulcu özgürlüğünü daha iyi kavramaktır.»5

Bu örgütler «Müslümanların» tümünü temsil etmediği gibi «İslam»’ı da temsil etmiyor. Fakat yine de toplumsal bir sorun olarak homofobiye karşı yaptıkları bu açıklamalar olumludur. – Her iki açıklama da eşcinselliğin bir günah olduğunu ama aynı zamanda bu günahın yargılanması ancak ahrette olabileceğini savunmaktadır. Dünyada, bugün ve burada, şiddet uygulanmasına karşı olmakla kalmayıp üstünde durarak bireysel hak ve özgürlükleri desteklemektedirler.

İmzalayanlar arasında üye sayısı itibariyle Almanya’daki en büyük Müslüman örgüt olan DİTİB (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği) de yer alıyor. Dini inanışlarının temelindeki «fikir birliği»’nden bahseden örgütler, aynı zamanda bireysel iradenin de altını çiziyor. Böylece Almanya’nın bireysel özgürlüğü koruyan hukuk düzeninin gereksinimlerini yerine getiren kuruluşlar aynı zamanda kendilerine karşı kullanılan en güçlü tezlerin birisini – «bizden geri kalmış, bizden daha ataerkil, bizden daha homofobik» – görece çürütmüş oluyor…

Değerlendirme

Hem siyasal İslam hem de beyaz Almanlardan oluşan kamu, çoğunluğu Müslüman olan ülkelerden gelen insanları (tekrardan) Müslümanlaştırmak ve tekil bir Müslümanlığı toplumsal kimlik olarak meydana getirmek istediği için, bu tür açıklamaları dikkatle okuyup dikkatle değerlendirmek gerekiyor. Kökünden ırkçı bir yapıya sahip olan Almanya’da birazcık eşitlik için aklı selim herhangi Müslüman grup herhangi açıklamayı yapacak durumda bulunuyor, maalesef. Sürekli potansiyel terörist muamelesi gören dernekler, cemaatler ve kişiler, bu durumda stratejik karar alıyor olabilir, bu da gayet anlaşılırdır. Ama onun dışında, Papa’ya veya Protestan Piskoposlara benzer bir otorite merkezine zaten sahip değil İslam. Dolayısıyla, toplumsal arenada bu tür açıklamaların ne kadar değerli olacağını kestirmek o kadar da kolay değil.

Ama her nasıl olursa olsun, homofobiye karşı yapılan bu açıklamalar manzarayı renklendiren, olumlu birer başlangıç da teşkil ediyor. Almanya’da ne eşcinsellerin ne de transseksüellerin temel hak ve özgürlükleri somut gerçekler olarak var. Tam tersine, medeniyet öncesi ya da ötesi, kolektivist birer topluluk olarak görülen göçmenler sayesinde ve sadece soyut olarak var ediliyorlar. «Biz», aydın, eşitlikçi vs. Avrupalılar olarak tabii ki «lezbiyenleri ve geyleri» modernitemizin birer simgesi olarak el üstünde tutuyoruz… Asıl bu «biz»’leri irdelemek gerekiyor. «Biz» Almanlar, «onları» (göçmenleri ve/veya diğer ötekileri) gerektiriyoruz, çünkü onları gereksiniyoruz. Sadece «onlar» varsa biz, «biz» oluyoruz çünkü…

Bu açıklamalar özellikle anti-Müslüman ırkçılığa karşı mücadele etmek için yarıyor, anlaşılan. Homofobiye karşı mücadele için önemleri o kadar da büyük görünmüyor. Bu açıklamaları yapan dernekler, çatı kuruluşları vs. şimdiye kadar homofobik açıklama yapmıyordu, dolayısıyla yaptıkları anti-homofobi açıklamalar da önemli bulunması gerekmiyor. Görece laik bir anlayış sergileyen adı geçen Berlinli ve Almanyalı örgütlerden Katolik kilisenin özellikle İtalya ve İspanya’da gerçekleştirdiği şekilde büyük eşcinsel düşmanı kampanyaları beklemenin bir manası da yok ama. Bu olumludur, çünkü cemaatler içinde gizli ya da açık yaşayan lezbiyenleri ve geyleri biraz da olsa güçlendirecektir. Belki de mutabakat gibi görünen o günah konusunda sağlanan fikir birliği günün sonunda o kadar da katı değildir… 6

KAOS GL 115, kasım 2010
[İnternet adresi: http://www.kaosgl.com/sayfa.php?id=6024.]

  1. Bu makalenin Almancası, Mayıs 2010’da Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) Derneğinin Facebook, Fun & Ramadan. Lebenswelten muslimischer Jugendlicher adlı broşüründe yayınlanmıştır. Türkçe çevirisi ufak değişikliklerle makaleyi yazanlar tarafından KAOS GL için hazırlanmıştır. Broşürün Almanca kopyasına http://www.idaev.de/cms/upload/PDF/Publikationen/IDA_Facebook_Fun_und_Ramadan.pdf adresinden ulaşılabilir. [zurück]
  2. İslam bilginlerinin tarih boyunca eşcinsellik üzerine görüşleri için bkz.: Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, Hamburg 2008 (bkz.: eleştiri [Almanca].) [zurück]
  3. Almancası: «Die Haltung der Religion des Islam zur Homosexualität wird von Aussagen des Koran bestimmt; darin verurteilt der Koran Homosexualität als vom islamischen Natur- und Menschenbild abweichend, knüpft daran jedoch keine konkrete Strafe im Leben. / Ausdrücklich betonen wir an dieser Stelle: Keine Gewalt und Diskriminierung gegen Homosexuelle! Wie dies unter anderem in der Islamischen Charta vom 20. Feb. 2002 und anderen Dokumenten der muslimischen Spitzen- und Dachverbände zum Ausdruck kommt, stehen die Muslime auf der Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Danach verhalten wir uns und handeln wir auch und verurteilen jegliche Verfolgung und Diskriminierung von Religionen, Minderheiten und Gruppen, darunter auch Homosexuelle.» [zurück]
  4. Açıklamayı imzalayan dernekler: Deutschsprachiger Muslimkreis (DMK), DİTİB, İnssan, İnterkulturelles Zentrum für Dialog und Bildung (İZDB), İslamisches Kultur- und Erziehungszentrum (İKEZ), Muslimische Jugend, Neuköllner Begegnungsstätte (NBS). [zurück]
  5. Almancası: «Im April dieses Jahres [2008] ist im arabisch-sprachigen Anzeigenblatt al-Salam ein Artikel erschienen, in dem der Autor seine persönlichen und homophoben Ansichten zu Homosexualität und ihren Konsequenzen darlegt. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Artikel war zu Recht Empörung und Unverständnis. Auch wenn der Autor nur für sich selbst sprechen kann, entwickelte sich eine breite Debatte über die Einstellungen von Muslimen in Deutschland zu Homosexualität. / Ausgehend von den Aussagen des Korans gibt es unter muslimischen Gelehrten den Konsens, dass homosexuelle Handlungen theologisch als Sünde zu betrachten sind. Ähnliches gilt – bekanntlich – auch für das Trinken von Alkohol oder außereheliche Beziehungen. Handlungen, die islamisch-theologisch als Sünde betrachtet werden, können wir aus unserem Glauben heraus nicht gutheißen. / Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung, der Konsum von Alkohol, oder was auch immer in der islamischen Theologie als Sünde betrachtet wird, Privatsache ist. Ob wir etwas gutheißen oder nicht, wird und kann die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise beschränken. Für uns handelt hier jeder Mensch eigenverantwortlich und wird im Jenseits – dies ist fester Bestandteil unserer islamischen Glaubensvorstellung – vor seinem Schöpfer für sein gesamtes Handeln Rechenschaft ablegen müssen. / Auch wenn wir Homosexualität als solche nicht gutheißen, verurteilen wir jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form der Diskriminierung und Verfolgung irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen einschließlich der Homosexuellen. / Zum Schluss sei angemerkt, dass in der aktuellen Berichterstattung über den oben genannten Artikel manche Autoren direkt oder auch indirekt die Vorstellung bzw. Aussage kritisieren, dass Homosexualität eine Sünde ist. Hierdurch erwecken sie den Eindruck, dass dies eine Ursache von Homophobie sei. Nicht die Glaubensvorstellung führt zu Homophobie, sondern vielmehr ein mangelndes Verständnis über die Freiheit des Einzelnen. Muslime – und nicht nur sie – wird man für den Kampf für individuelle Freiheit nicht gewinnen können, indem man Glaubens- und Moralvorstellungen kritisiert. Stattdessen erreicht man das Gegenteil. Entscheidend ist vielmehr die Vermittlung eines richtigen Verständnisses für die vielfältige Freiheit des Einzelnen bzw. des Anderen unabhängig von den eigenen Überzeugungen, die jeder Mensch wiederum für sich frei wählen kann.» [zurück]
  6. ABD’de ve Britanya’da eşcinsel Müslümanların kurduğu örgütler mevcutken Almanya’da bu tür örgütlenmeler bugüne kadar başarılı olamadı. Bu, göç alınan ülkelerin farklılıklarıyla ilgili olabilir, aynı zamanda, Almanya’da oluşan göçmen kültürünün farklı şekillerde sosyalleşmeyi sağlayabilmesiyle de. Almanya bağlamı için cemaat içi çalışmaları olan Müslüman bir eşcinselin perspektifleri için bkz.: http://www.ismailmohr.de/islam_homo.html  (Almanca). [zurück]

Die Komplizenschaft verweigern

Salih Alexander Wolter:
Die Komplizenschaft verweigern

Was beim «großen CSD-Finale» in Berlin an jenem 19. Juni 2010 passiert ist, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein; so viel ist seither über die Einzelheiten berichtet, so oft sind sie kommentiert worden. Etwa die entlarvende Ansage eines feisten Homofunktionärs von der Bühne am Brandenburger Tor herab an eine Gruppe queerer Migrant_innen – als sie Judith Butler mit Beifall für die Ansprache dankten, mit der sie eben den «Zivilcourage-Preis» des CSD e. V. zurückgewiesen hatte, rief er ihnen zu: «Wir sind hier in der Mehrheit, ihr seid nur eine Minderheit.» Der Eklat hat auf einen Schlag zum Hauptthema gemacht, was vom schwul-lesbischen Paradeweg in die sogenannte «Mitte der Gesellschaft» jahrelang an den Rand der Aufmerksamkeit gedrängt worden war. Auf einmal geben sich die Medien nicht mehr mit dem zufrieden, was die Pressestelle des LSVD zum Bewusstseinsstand der Community verlautbart, sondern beginnen, genauer hinzuschauen – sogar die der Szene selbst. Und plötzlich haben es alle immer schon gewusst: Es gibt bei uns Rassismus.

So berichtet die Siegessäule jetzt anlässlich der skandalösen Türpolitik des CSD-Sponsors Connection Club: «Die Entwicklung, dass Asiaten nicht in bestimmte schwule Etablissements in Schöneberg eingelassen werden, gibt es schon länger.» So ist es – und es geht dort noch weit schlimmer zu. Bereits Ende 2003 fabulierte Jan Feddersen, der Szenebezirk in dem viele Migrant_innen zu Hause sind, drohe «für Schwule zur No-go-Area zu werden». In der taz forderte der langjährige CSD-Funktionär damals unter Berufung auf das fragwürdige «Antigewaltprojekt» Maneo eine «Zivilisierung des Vormodernen» und meinte damit junge Männer, «die im weitesten Sinne dem muslimischen Kulturkreis zuzurechnen sind». Mittlerweile ist im Homokiez, wie dasselbe Blatt kurz vor dem diesjährigen Umzug konstatierte, «eine nicht mehr wegzudiskutierende Türkenfeindlichkeit entstanden». Dies schien den Journalisten freilich nicht sonderlich zu stören, der sich übrigens auch nicht scheute, vereinzelte Angriffe auf Schwule mit der Geschichte der europäischen Judenverfolgung in Beziehung zu setzen und einen abenteuerlichen Vergleich zur Situation des heutigen Israel zu ziehen: Man wisse doch «eigentlich», dass die Täter «häufig junge Männer mit Migrationshintergrund sind, das soll man aber nicht sagen». Indes wurde, nicht nur in der taz, genau dies unablässig gesagt – wenngleich es der Polizeibericht, wie zuletzt nach einer Serie brutaler homo- und transphober Überfälle während der Pride-Woche, stets besser wusste.

«Homosexuelle geben viel Geld aus, bleiben lange und reden darüber in E-Mails und Blogs, wie gut ihnen die Stadt gefallen hat», wird ein Mitarbeiter der Berliner Tourismus-Gesellschaft in der Berliner Zeitung vom Parade-Wochenende zitiert. Am Montag danach empörte sich Thomas Birk, homopolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, im Tagesspiegel über Judith Butlers «Affront» und nannte ihn «fatal für das Image der Stadt». In der jungen Welt vom 25. Juni hieß es dazu: «Tatsächlich fatal ist die Politik des selbsternannten Antigewaltprojekts Maneo, in dessen Vorstand Birks Partner Rudolf Hampel sitzt, das aufgrund seiner rassistischen Ausfälle gegen Migranten über die Grenzen Berlins hinaus bekannt wurde.» Zu ergänzen wäre nur, dass die offizielle Homepage des CSD e. V. Hampel unter der sinnigen Überschrift «Der harte Kern» als zuständig fürs Sponsoring führt. Es wurde höchste Zeit, endlich auch über die Borniertheit des lokalen schwulen Establishments zu reden.

Noch zum Schöneberger Motzstraßenfest, eine Woche vor dem CSD, kam allein von DKP queer öffentliche Kritik, als es der «Regenbogenfonds schwuler Wirte» unterließ, sich angesichts rassistischer Übergriffe im Vorjahr als Veranstalter deutlich zu positionieren, wie dies GLADT, einem Verein von überwiegend türkeistämmigen Schwulen, Lesben und Trans*-Personen, und den Schwarzen Lesben von LesMigraS versprochen worden war. Mit Aktivist_innen aus diesem Umfeld traf sich Butler – wie wiederum zuerst auf der Website von DKP queer gemeldet und von der weltberühmten Philosophin später in mehreren Interviews bestätigt – am Freitag vor der Parade und entschied sich für den «praktischen Akt der Zivilcourage», zu dem GLADT ihr am folgenden Abend gratulieren konnte.

Judith Butler sagte nein zur verbreiteten «Komplizenschaft mit dem Rassismus» und erneuerte zugleich für die Queer Theory, die untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist, den Anspruch auf radikale Gesellschaftskritik – während unter dem queeren Label hierzulande allzu oft intellektueller Modeschmuck zur Aufhübschung angeblich alternativloser kapitalistischer Verhältnisse feilgeboten wird. Dagegen warnte Butler, als sie nach der Laudatio von Bundesministerin a. D. Renate Künast von den Grünen das Wort ergriff, queere Menschen davor, sich von jenen benutzen zu lassen, «die Kriege führen wollen». Sie widersprach denen, die uns glauben machen möchten, es gehe darum, «dass unsere schwul-lesbisch-queere Freiheit geschützt werden muss» – ob mit militärischen Mitteln, wie in Irak und Afghanistan, oder eben in Form des antimuslimischen Rassismus, wie er in Berlin-Schöneberg und anderenorts in Europa um sich greift. So wurde klar, dass es sich bei Missständen, wie sie nun ans Licht der Öffentlichkeit kommen, nicht etwa um bloße Kollateralschäden beim Eincruisen der Community in den gesellschaftlichen Mainstream handelt – vielmehr ist der Kurs an sich falsch.

Red & Queer 17, erschienen im September 2010

[Der Artikel wurde auch auf www.schwule-seite.de veröffentlicht.]

 

«Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?

Zuletzt aktualisiert am 29. Mai 2015 (erweiterte Notiz zur wissenschaftlichen Rezeption des Aufsatzes)

Der folgende Beitrag erschien im Reader Facebook, Fun und Ramadan. Lebenswelten junger Muslime in Deutschland, hg. von Stephan Bundschuh, Birgit Jagusch und Hanna Mai für das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V., Düsseldorf im Dezember 2009 (3. Aufl. 2011), S. 34-38.

Salih [Alexander] Wolter & Koray Yılmaz-Günay:

«Muslimische» Jugendliche und Homophobie – braucht es eine zielgruppenspezifische Pädagogik?

Sieht man einmal ab von terroristischen Anschlägen, stehen in den Debatten über «den Islam» bzw. «die Muslime» in Deutschland vor allem Geschlechterrollen und sexuelle Orientierungen im Fokus der Aufmerksamkeit (Bedeutung des Kopftuchs, so genannte «Ehren»-Morde, schwulen- und lesbenfeindliche bzw. häusliche Gewalt, «Zwangsheiraten» etc.). Die Öffentlichkeit diskutiert diese Fragen in einer Breite, wie es in der Bundesrepublik Deutschland selten vorkommt. Auffallend ist dabei, dass in aller Regel nicht mit Muslim_innen1 gesprochen wird, sondern über sie – dies gilt sowohl für die Politik als auch für Verwaltungen und die Zivilgesellschaft.

Sexuelle Selbstbestimmung scheint in dieser breiten Debatte quasi über Nacht zum Kernbestand der bundesrepublikanischen Werteordnung geworden zu sein. Anstatt über die faktischen Ungleichbehandlungen zu sprechen, die auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts fortbestehen, wird das Wort von der Emanzipation als Symbol hochgehalten – und ein formales Bekenntnis dazu soll die Spreu vom Weizen trennen. Dabei verdienen nach wie vor die meisten Frauen weniger Geld als Männer, selbst wenn sie dieselbe Arbeit machen. Dabei werden nach wie vor Frauen aus allen Bevölkerungsgruppen Opfer häuslicher Gewalt, unabhängig von Herkunft oder Religion. Dabei haben es Lesben und Schwule immer noch schwer, wenn sie sich ihrer Familie gegenüber «outen», egal, ob und welchen Migrationshintergrund die Eltern haben. Dabei werden Menschen, die nicht in ein eindeutiges «Frauen»- oder «Männer»-Bild passen, nach wie vor Opfer von Diskriminierung und Gewalt.

Die Wortmeldungen in Printmedien, Online-Foren und öffentlichen Diskussionsveranstaltungen dazu zeigen, dass die Spaltung der Gesellschaft in «Wir» und «die Anderen» über religiöse und konfessionelle Unterschiede hinweg funktioniert. Wenn ein Täter irgendwie als «muslimisch» identifiziert wird, ist die Nachricht tatsächlich eine Nachricht wert, denn die Einteilung der Menschen in religiöse Gruppen wird wieder ernsthafter vollzogen. Die Jahre 2008 und 2009, die einen immensen Anstieg der Berichterstattung über (nicht nur) homophobe Gewalt aufweisen, zeigen zugleich: Auch wenn die Minderzahl der Fälle de facto «Muslimen» oder «Migrant_innen»2 zugeschrieben werden kann, sind diese Fälle in den Zeitungen überdurchschnittlich oft vertreten. Rechtsextreme Täter_innen kommen – trotz der Überrepräsentanz unter den realen Vorkommnissen – kaum in den Medien vor, stammen Täter_innen aus der «Mitte der Gesellschaft», erscheint meist nicht einmal eine Nachricht.3

Der Rückbezug von Mehrheitsdeutschen auf das Christentum ist damit genauso programmiert wie die (Re-) Islamisierung von Migrant_innen aus mehrheitlich muslimischen Ländern und Gebieten: Wo es nur noch «Kultur»-Blöcke gibt, verschwinden nicht-muslimische Kurd_innen oder christliche Araber_innen wie muslimische Mehrheitsdeutsche und Atheist_innen gleich welcher Herkunft aus dem Blickfeld. Neben «interkulturellen» werden nun überall auch «interreligiöse» Dialoge abgehalten, an denen wie selbstverständlich nach ethnischen Kriterien eingeladene Angehörige von Mehrheits- wie Minderheitenbevölkerung teilnehmen, selbst wenn sie laizistische Türkin oder ehemaliger DDR-Bürger ohne jeden Bezug zu irgendeiner Religion sind. Es sind also nicht Religionen in ihrem theologischen Gehalt oder die tatsächliche Zugehörigkeit zu einer Körperschaft, um die es geht, sondern gesellschaftliche, politische und vor allem mediale Konstruktionen von «Christentum» oder «Islam», die als «Eigenes» und «Fremdes» gedeutet werden.

Folgt man den Debatten gerade über Gewalt gegenüber schwulen Männern, sind die Positionen heute verhärteter denn je. Neben An- und Übergriffen, bei denen Jugendliche mit Migrationshintergrund als Täter in Frage kamen, waren es in den letzten Jahren vor allem zwei Veröffentlichungen, die Empörung auslösten. Erst wurde auf einer Internetseite aus dem Umfeld der Ahmadiyya Muslim Gemeinde männliche Homosexualität mit dem Verzehr von Schweinefleisch «erklärt». Dann sorgte ein schwulenfeindlicher Artikel in dem arabisch-sprachigen Berliner Anzeigenblatt al-Salam im Sommer und Herbst 2008 für teils erregte Erörterungen und Auftritte zum Thema «Islam und Homophobie». Insbesondere junge Männer, die ohne Ansehen der Staatsangehörigkeit oder des Aufenthaltsstatus, der ethnischen Herkunft, Religion oder Religiosität, des Alters, ihrer Sprachkenntnisse oder des Bildungsgrads, der sozialen Schicht oder der eigenen Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen pauschal als «migrantisch» bzw. «muslimisch» eingeordnet wurden, standen und stehen dabei im Zentrum der Aufmerksamkeit. Egal, ob Hamburg, München, Köln oder Berlin: Es scheint von immensem Interesse, ob Homophobie hier religiöse oder kulturelle Ursachen und Motive hat.

Homosexualität und Homophobie in Deutschland

Lesbische und schwule Lebensweisen sind auch heute noch keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. In der Schule wird in den seltensten Fällen außerhalb des Biologie-Unterrichts darüber gesprochen, in den Pausen wissen Lehrkräfte häufig nicht, ob – und wenn ja: wie – sie auf Schimpfwörter wie «Schwuchtel» reagieren sollen. Auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt trauen sich die meisten Lesben und Schwulen nicht, sich zu outen, weil sie Mobbing und Jobverlust fürchten, in der Nachbarschaft herrscht oft genug ein feindseliges Klima, in dem Verstecken als sinnvolle Strategie erscheint. Nach wie vor ist es nicht «normal», lesbisch oder schwul zu sein. Junge Schwule und Lesben haben immer noch den Eindruck, dass sie die einzigen in ihrem Umfeld sind, wenn sie ihr Coming Out haben. Die Berliner Studie Sie liebt sie. Er liebt ihn. aus dem Jahr 19994 kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass die Selbstmordraten unter diesen jungen Menschen signifikant höher sind als bei heterosexuellen Altersgenoss_innen. Es sind nicht nur, aber gerade auch die jungen homosexuellen Menschen, die bei ihren Familien «rausfliegen» und dann zu den hohen Zahlen von Lesben und Schwulen unter Obdachlosen führen.

Diejenigen, die diesen Stress-Faktoren im Leben von Menschen in allen Altersgruppen entgegenwirken könnten, interessieren sich in aller Regel nicht für Diskriminierung und Gewalt gegenüber Lesben und Schwulen. Lehrer_innen wissen häufig nicht, wie sie das Thema Sexualität überhaupt aufgreifen sollen, in der Jugendarbeit stehen andere Themen im Vordergrund. Politik und Verwaltung tun wenig für den Abbau der Privilegien von Frau-Mann-Ehen. Das Modell der auf Dauer angelegten und an Nachwuchs orientierten, monogamen heterosexuellen Zweierbeziehung bleibt das Ideal, an dem Gesetze orientiert werden, auch wenn solche Konstellationen immer seltener vorkommen. Die Werbung im Fernsehen, das Gespräch im Freundeskreis oder aber die Schimpfwörter im Fußballstadion – alles deutet darauf hin, dass es «normale» und «abweichende» sexuelle Orientierungen gibt.

Noch komplizierter wird es, wenn die jungen Frauen und Männer aufgrund ihres Namens, ihres Aussehens, ihrer Sprachkenntnisse oder anderer Merkmale als «nichtdeutsch» wahrgenommen werden. Homophobie mischt sich in ihren Lebenswelten mit Erfahrungen von Rassismus, die Diskriminierungen überlappen und verstärken sich gegenseitig.

Die sogenannten «Muslime»

Die Frage, wer «die Muslime» in Deutschland sind, lässt sich nicht beantworten. Anders als in Frankreich oder Großbritannien bilden Menschen mit türkischem und kurdischem Migrationshintergrund die größte Gruppe unter den Migrant_innen und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Vor diesem Sozialisationshintergrund ergeben sich dabei gravierende lebensweltliche Unterschiede zu Migrant_innen aus Nordafrika (Frankreich) bzw. Südasien (Großbritannien), bei denen unterschiedliche Religionsverständnisse viel stärker Teil des gesellschaftlichen Lebens sind. Der türkische Laizismus erklärt dagegen – nach wie vor sehr erfolgreich – Religion und Religiosität zur privaten Angelegenheit. Neben der fehlenden hierarchischen Organisationsform (und damit einhergehend: der fehlenden Registrierung der Gläubigen) ist dies einer der Gründe, warum unterschiedlichste Formen des kulturellen, sozialen und religiösen Muslimisch-Seins möglich sind – genauso wie die Freiheit von Religion. Der Wunsch, «der Islam» in Deutschland möge mittelfristig eine Adresse und Telefonnummer haben (vgl. z. B. die Bestrebungen der Deutschen Islam-Konferenz), ist orientiert am Bild der Kirchen, das so nicht übertragbar sein wird. Dafür stehen Fragen unterschiedlicher Herkünfte und religiöser Praxen etc. zu sehr im Vordergrund.

Die Frage, was «der Islam», der Koran und/oder der für zuständig erklärte Imam zu Homosexualität und Homosexuellen sagen, verdeckt auf der Ebene der Einstellungspotentiale viel wichtigere Fragen nach Alter, Geschlecht und Lebensrealitäten unterschiedlicher Menschen und Bevölkerungsgruppen. Wie in allen anderen stehen auch in Migrant_innen-Familien aus mehrheitlich muslimischen Ländern ganz andere Fragen im Raum, wenn die Tochter sich als lesbisch «outet». Was werden die Nachbar_innen sagen? Was passiert, wenn die Großeltern es erfahren etc. Irgendwann, erst viel weiter unten auf der Liste, wird unter Umständen auch die Frage auftauchen, wie die Religion dazu steht. Homophobe Einstellungen sind nicht angeboren, und sie führen auch nicht automatisch zu körperlicher Gewalt gegen Lesben und Schwule. Sonst müsste es überall und immerzu «knallen». Diese Einstellungen werden auch nicht von Jugendlichen neu erfunden – immer sind es Erwachsene, von denen sie übernommen werden. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass sich die Erwachsenen-Welt vernehmbar gegen Homophobie positioniert. Sportvereine, aber auch andere weltliche Organisationen wie auch religiöse Gemeinden und Vereine können als Vorbild fungieren – und ein akzeptierendes Klima fördern.

Theologische Positionen

Die Aussagen des muslimischen Mainstreams heute zielen zumeist auf die Sündhaftigkeit, Schädlichkeit etc. von Homosexualität, die aus den Grundquellen islamischer Rechtsprechung (Koran und Prophetenüberlieferungen) abgeleitet werden. Aus beiden lässt sich – folgt man den heute vorherrschenden Auslegungen – nicht nur Ablehnung, sondern nach Meinung vieler Gelehrter auch die Aufforderung zur (körperlichen) Bestrafung zumindest männlicher Homosexualität herauslesen. Dabei wird die im Koran mehrfach aufgegriffene, bereits aus dem ersten Buch der Bibel bekannte Geschichte um Lot so aufgefasst, wie es etabliertem jüdischem und christlichem Verständnis entspricht. Die so genannte «Sünde Sodoms» wird kurzerhand mit der neuzeitlichen «Homosexualität» gleichgesetzt, obwohl es «Schwulsein» bzw. «Lesbischsein» als gesellschaftliche Identität erst seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt. Traditionelle islamische Juristen gingen dabei von der These aus, dass gleichgeschlechtliches Empfinden und Sexualität (ohne soziale Identität, die darum aufgebaut wird) ein natürliches Faktum sind.5 Also lässt sich seriös weder behaupten, der Islam verdamme «Homosexualität», noch, er akzeptiere sie – denn die Einteilung der Menschheit in Schwule/Lesben oder Heterosexuelle stammt aus dieser Gesellschaft und muss so in anderen nicht vorkommen.

Weltliche Erklärungen

Vor diesem Hintergrund ist es sehr begrüßenswert, dass mittlerweile zwei Erklärungen vorliegen, die muslimische Organisationen in Deutschland zum Thema Homophobie herausgegeben haben.6 Es wäre wünschenswert, dass sie über Berlin hinaus bekannt werden und als Vorbild für andere Städte und Regionen dienen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland teilt mit:

«Die Haltung der Religion des Islam zur Homosexualität wird von Aussagen des Koran bestimmt; darin verurteilt der Koran Homosexualität als vom islamischen Natur- und Menschenbild abweichend, knüpft daran jedoch keine konkrete Strafe im Leben. Ausdrücklich betonen wir an dieser Stelle: Keine Gewalt und Diskriminierung gegen Homosexuelle! Wie dies unter anderem in der Islamischen Charta vom 20. Feb. 2002 und anderen Dokumenten der muslimischen Spitzen- und Dachverbände zum Ausdruck kommt, stehen die Muslime auf der Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Danach verhalten wir uns und handeln wir auch und verurteilen jegliche Verfolgung und Diskriminierung von Religionen, Minderheiten und Gruppen, darunter auch Homosexuelle.»

Darüber hinaus nahmen einige muslimische Organisationen in Berlin bzw. Berliner Sektionen nationaler Verbände7 gemeinsam Stellung zu religiös begründeten homophoben Positionen:

«Im April dieses Jahres [2008] ist im arabisch-sprachigen Anzeigenblatt al-Salam ein Artikel erschienen, in dem der Autor seine persönlichen und homophoben Ansichten zu Homosexualität und ihren Konsequenzen darlegt. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Artikel war zu Recht Empörung und Unverständnis. Auch wenn der Autor nur für sich selbst sprechen kann, entwickelte sich eine breite Debatte über die Einstellungen von Muslimen in Deutschland zu Homosexualität.

Ausgehend von den Aussagen des Korans gibt es unter muslimischen Gelehrten den Konsens, dass homosexuelle Handlungen theologisch als Sünde zu betrachten sind. Ähnliches gilt – bekanntlich – auch für das Trinken von Alkohol oder außereheliche Beziehungen. Handlungen, die islamisch-theologisch als Sünde betrachtet werden, können wir aus unserem Glauben heraus nicht gutheißen.

Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, dass die sexuelle Orientierung, der Konsum von Alkohol, oder was auch immer in der islamischen Theologie als Sünde betrachtet wird, Privatsache ist. Ob wir etwas gutheißen oder nicht, wird und kann die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise beschränken. Für uns handelt hier jeder Mensch eigenverantwortlich und wird im Jenseits – dies ist fester Bestandteil unserer islamischen Glaubensvorstellung – vor seinem Schöpfer für sein gesamtes Handeln Rechenschaft ablegen müssen.

Auch wenn wir Homosexualität als solche nicht gutheißen, verurteilen wir jegliche Form der Verfolgung oder gar Gewaltanwendung gegen Homosexuelle. Wir wenden uns entschieden gegen jegliche Form der Diskriminierung und Verfolgung irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen einschließlich der Homosexuellen.

Zum Schluss sei angemerkt, dass in der aktuellen Berichterstattung über den oben genannten Artikel manche Autoren direkt oder auch indirekt die Vorstellung bzw. Aussage kritisieren, dass Homosexualität eine Sünde ist. Hierdurch erwecken sie den Eindruck, dass dies eine Ursache von Homophobie sei. Nicht die Glaubensvorstellung führt zu Homophobie, sondern vielmehr ein mangelndes Verständnis über die Freiheit des Einzelnen. Muslime – und nicht nur sie – wird man für den Kampf für individuelle Freiheit nicht gewinnen können, indem man Glaubens- und Moralvorstellungen kritisiert. Stattdessen erreicht man das Gegenteil. Entscheidend ist vielmehr die Vermittlung eines richtigen Verständnisses für die vielfältige Freiheit des Einzelnen bzw. des Anderen unabhängig von den eigenen Überzeugungen, die jeder Mensch wiederum für sich frei wählen kann.»

Auch wenn diese Organisationen nicht für «die Muslime» oder gar «den Islam» sprechen können, ist ihre Positionierung zum gesellschaftlichen Problem der Homophobie sehr zu begrüßen. – Beide Erklärungen folgen der Interpretation, wonach Homosexualität Sünde ist, und betonen zugleich, dass darüber erst im Jenseits zu richten sei. Für das Hier und Heute lehnen sie nicht nur jede Gewalt ab, sondern verlangen ausdrücklich die Achtung der individuellen Grund- und Freiheitsrechte.

Die Unterzeichner – zu denen mit DITIB die mitgliederstärkste muslimische Organisation in Deutschland gehört – fühlen sich in ihrer Glaubensüberzeugung an den «Konsens» der Gelehrten gebunden, unterstreichen jedoch, dass dies stets der Gewissensentscheidung jedes einzelnen Menschen überlassen bleiben muss, und bekennen sich damit zu einer Rechtsordnung, in der die Freiheit individueller Lebensentwürfe garantiert ist.

Zu einer Bewertung

Gerade weil der öffentliche Diskurs dazu neigt, Migrant_innen zu (re-) islamisieren, sollten solche Erklärungen explizit nicht als von «den» Muslimen kommend verstanden werden – es kann nicht oft genug betont werden, dass im Islam niemand mit einer dem Papst oder auch nur evangelischen Bischöfen vergleichbaren Autorität sprechen kann. Die Erklärungen zur Homophobie tragen dennoch zu einer wünschenswerten Diversifikation des Bildes bei. Vor dem Hintergrund vor allem einer Mediendebatte, in der sich vermeintlich akzeptierte «Lesben und Schwule» als Verkörperungen westlicher «Aufgeklärtheit» und «Zivilisation» einerseits und «Migrant_innen» bzw. «Muslime» als leibhaftige Symbole eines «vorzivilisatorischen» Kollektivismus andererseits gegenüberstehen, scheint es bei jeder Rede über Islam und Homosexualität sinnvoll, auf folgende Punkte explizit hinzuweisen: Weder sind in Deutschland die Grund- und Freiheitsrechte von Homo- und Bisexuellen und schon gar nicht die von Transsexuellen und Transgendern verwirklicht, noch sind homogenisierte Vorstellungen von «den» Deutschen, «den» Migrant_innen oder «den» Muslimen hilfreich in einer Debatte, wo es um gesellschaftliche Emanzipation gehen sollte. Denn dann dürfen weder Bevölkerungsgruppen (Frauen, Migrant_innen, Homosexuelle) noch Probleme (Sexismus, Rassismus, Homophobie) nach mehr oder weniger Wert bzw. Brisanz hierarchisiert werden.

Die Erklärungen sind somit vor allem dazu geeignet, anti-muslimischen Verengungen der Debatte entgegenzuwirken. Weniger leicht erkennbar ist ihr Nutzen im Kampf gegen Homophobie, insofern diese von den unterzeichnenden Organisationen auch bisher nicht propagiert wurde. Groß angelegte homofeindliche Kampagnen, wie sie der Vatikan gerade auch heute nicht nur in Spanien und Italien immer wieder betreibt, sind also von diesen Islam-Verbänden auch in Zukunft eher nicht zu erwarten. Indem sie der Verantwortlichkeit der einzelnen Menschen vor Gott einen so großen Wert zumessen, formulieren sie damit zugleich auch ein zeitgemäßes «laizistisches» Religionsverständnis. Das mag zumindest lesbische und schwule Muslim_innen ermutigen, für sich zu anderen Schlüssen als die Gelehrten zu kommen, was die Vereinbarkeit ihres Glaubens und ihrer Sexualität betrifft.8

Ausblick

Werden Herkunft und Religion/Religiosität zum Analyse-Raster, verstärken sich Blockaden und Polaritäten, die einem Mediendiskurs geschuldet sind, der hauptsächlich von Mehrheitsdeutschen über «die Muslime» geführt wird. Prävention, die darauf baut, muss scheitern, weil sie kaum etwas mit den realen Erfahrungen von Menschen heute und hier in Deutschland zu tun hat, denn Menschen, die permanent hören, «bei ihnen» sei es «so», antworten dann irgendwann auch: «Bei uns ist das so.»

Gewalttätigkeit entwickelt dabei häufiger, wer selbst Gewalt erfahren hat. Faktoren wie Geschlecht, Alter, gesellschaftliche Schicht und eigene Diskriminierungserfahrungen entscheiden zu einem ganz wesentlichen Teil, welche Jugendlichen und Erwachsenen Gewalt gegen Lesben und Schwule anwenden. Strategien zum Abbau verbaler und körperlicher Gewalt sollten diese Faktoren zum Ausgangspunkt nehmen. Alters- und geschlechtsspezifische Ansätze zur Bearbeitung von Homophobie müssen sich daran orientieren, warum spezifische Äußerungen und Verhaltensweisen für ganz bestimmte Menschen attraktiv sind, denn weder alle Mehrheitsdeutschen noch alle Migrant_innen sind homophob. Nur wenn nach der Funktionalität von Homophobie für den eigenen Identitätsaufbau, z. B. für Jugendliche mit «muslimischem» Migrationshintergrund, gefragt wird, lassen sich gangbare Wege finden, diesen Einstellungen und Verhaltensweisen zu begegnen – über die künstlich gezogenen Grenzen zwischen Bevölkerungsgruppen hinweg.

  1. In diesem Artikel wird der «Gender Gap» verwendet, um auch Personen, die sich nicht innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit verorten können oder wollen, sichtbar zu machen und sie mit einzubeziehen. Der Unterstrich als Leerstelle verweist auf Menschen, die gesellschaftlich und strukturell unsichtbar gemacht werden und die sprachliche Repräsentation jenseits der Zweigeschlechtlichkeit zur Debatte stellen. [zurück]
  2. «Migrant_innen» ist ein Begriff, der in diesem Text bewusst in der Einengung benutzt wird, die in Politik, Medien und Zivilgesellschaft – ungerechtfertigterweise – seit einiger Zeit gang und gäbe ist. Dem öffentlichen Diskurs folgend sind nicht Migrant_innen aus osteuropäischen oder afrikanischen, asiatischen oder amerikanischen Ländern gemeint; «Migrant_innen» sind hier Menschen mit Wurzeln in mehrheitlich muslimischen Ländern oder Gebieten – für den deutschen Kontext also v. a. Türk_innen und Kurd_innen, als die größten Migrant_innen-Gruppen, oder Araber_innen und Bosnier_innen. Darüber hinaus werden aber auch Menschen in die Schublade «Migration» gesteckt, die etwa als Sinti, Roma oder Schwarze Deutsche aufgrund ihrer äußeren Erscheinung als «Migrant_innen» identifiziert werden. Offensichtlich ist es der Blick der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft, der hier entscheidet, über wen gesprochen wird. Flüchtlinge, die zum Teil seit mehr als zehn Jahren in Deutschland leben und keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, und deren Kinder leben vielfach unter katastrophalen Bedingungen. Jede Präventions- und Interventionsarbeit auch zu den Themen Sexismus/Transphobie und Homophobie müsste am Aufenthaltsstatus und am Zugang zu Gesundheit, Arbeit und anderen gesellschaftlichen Gütern ansetzen. Andernfalls droht eine doppelte Stigmatisierung. «Mehrheitsdeutsch» bezeichnet in diesem Text weiße Personen ohne Migrationshintergrund, die (post-) christlich sozialisiert wurden. Schwarze Deutsche, Roma/Sinti, Jüdinnen/Juden und Migrant_innen bzw. deren Nachkommen sind unter Umständen Deutsche, ohne (immer) die Privilegien nutzen zu können, die mit einer deutschen Staatsangehörigkeit verbunden sind. [zurück]
  3. Vergleiche die Analyse Kreuzberg als Chiffre. Von der Auslagerung eines Problems von Yeliz Çelik, Dr. Jennifer Petzen, Ulaş Yılmaz und Koray Yılmaz-Günay, erschienen in: Berliner Zustände 2008. Ein Schattenbericht zu Rechtsextremismus, Rassismus und Homophobie, herausgegeben vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz) und der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), Mai 2009, 22–28. [zurück]
  4. Herausgegeben vom Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der damaligen Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, in Kooperation mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Der Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen ist heute als Teil der Landesantidiskriminierungsstelle bei der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales angesiedelt. [zurück]
  5. Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, Hamburg 2008, Seite 51. Vgl. Salih Alexander Wolters ausführliche Rezension des Buches hier (interner Link). [zurück]
  6. Zur Entstehungsgeschichte und zur Debatte vergleiche auch www.ufuq.de (externer Link). [zurück]
  7. Es handelt sich um den Deutschsprachigen Muslimkreis (DMK), DITIB, Inssan, das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB), das Islamische Kultur- und Erziehungszentrum (IKEZ), die Muslimische Jugend und die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS). [zurück]
  8. Während sich in den USA und in Großbritannien auch Selbstorganisationen lesbischer, schwuler und transgender Muslime gegründet haben, sind entsprechende Versuche in Deutschland bisher nicht erfolgreich gewesen. Für den deutschsprachigen Kontext sei deswegen auf die detailreichen Texte des Islamwissenschaftlers und schwulen Muslims Andreas Ismail Mohr verwiesen, der sich seit Jahren um eine breitere innermuslimische Debatte bemüht, die die Perspektive schwuler Muslime zur Kenntnis nimmt (online / externer Link). [zurück]

Notiz: Der oben stehende Text wird u. a. zitiert von Fatima El-Tayeb (University of California, San Diego) in: «Gays who cannot properly be gay»: Queer Muslims in the Neoliberal European City, erschienen im European Journal of Women´s Studies 2012 (Abstract s. hier – externer Link; die Buchfassung dieses Aufsatzes erschien in: Matt Cook and Jennifer V. Evans [eds.]: Queer Cities, Queer Cultures: Europe since 1945, London/New York 2014: Bloomsbury Academic, p. 263-281); von Zülfukar Çetin (s. Alice Salomon Hochschule Berlin – externer Link): in: Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin, Bielefeld 2012: [transcript] Verlag für Kultur, Kommunikation und soziale Praxis, sowie in seinem Beitrag Rassistische Heteronormativität – Heteronormativer Rassismus im Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013) / Ausgabe 1 [unter dem Titel Zusammen- und Wechselwirkungen von Heteronormativität und (antimuslimischem) Rassismus in veränderter Form erneut veröffentlicht in: Friederike Schmidt und Anne-Christin Schondelmayer (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 45-61]; von Yasmin Kassar und Patricia Piberger (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus / KIgA e. V.) in: Selbstbewusstsein stärken, Reflexionsfähigkeit fördern – Eine schulische Seminarreihe zur Islamismusprävention für die Sekundarstufe I, in: Aycan Demirel und Mirko Niehoff (Hg. im Auftrag von KIgA e. V.): ZusammenDenken. Reflexionen, Thesen und Konzepte zu politischer Bildung im Kontext von Demokratie, Rassismus und Islamismus – ein Projekthandbuch, Berlin 2013, S. 42-75; von Saideh Saadat-Lendle (Lesbenberatung Berlin – LesMigraS) und Zülfukar Çetin in: Forschung und soziale Arbeit zu Queer mit Rassismuserfahrungen, in: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (Hg.): Forschung im Queerformat. Aktuelle Beiträge der LSBTI*-, Queer und Geschlechterforschung, Bielefeld 2014: [transcript] Verlag / Reihe Queer Studies, Band 6, S. 233-250.

«Ein Faktum, das dem Menschsein als solchem entspringt». Georg Klaudas notwendige Kritik des schwulen Islam-Diskurses

Salih Alexander Wolter:
«Ein Faktum, das dem Menschsein als solchem entspringt». Georg Klaudas notwendige Kritik des schwulen Islam-Diskurses

Diese Studie1 will politisch genommen werden, also doch wohl «persönlich». Denn wo selbstbewusste deutsche Lesben und – um die geht es hier vor allem – Schwule vermeinen, sich mit «dem Islam» auseinanderzusetzen, stößt Georg Klauda sie auf ihre «Unfähigkeit, die Heteronormierung der eigenen Gesellschaft überhaupt noch als solche wahrzunehmen». Der 1974 geborene Diplom-Soziologe und Historiker – ehemals Schwulenreferent im AStA der FU Berlin und an den Anfängen der sexualemanzipatorischen Zeitschrift Gigi beteiligt – zeigt, dass «die Formierung einer ‹selbstbewussten› homosexuellen Identität» ebendiese Heteronormierung nicht nur zur Bedingung hat. Sie trägt, begriffen «als Teil eines von westlicher Seite voranzutreibenden Emanzipationsprozesses», sogar noch zu deren Durchsetzung – gegebenenfalls mit militärischem Zwang – in aller Welt bei, indem sie «einer dubiosen Ethnisierung der Menschenrechte» Vorschub leistet – «so als müsste man sich zu einer bestimmten Minderheit bekennen, um sexuelle Rechte überhaupt einklagen zu dürfen».

Georg Klauda fand den unmittelbaren Anlass, Michel Foucaults kritischen Ansatz – dem er in einem sich gegen queertheoretische Interpretationen abgrenzenden Verständnis folgt – auf den Punkt drängender politischer Relevanz zu bringen, indes vor Ort. Als im November 2003 im Berliner Rathaus Schöneberg der international beachtete erste Kongress zur Situation türkeistämmiger Lesben, Schwuler und Transgender stattfand, machte das hauptstädtische Homomagazin Siegessäule mit der Schlagzeile «Türken raus» auf. Mochte das noch als provokantes Spiel mit der Coming-out-Losung gemeint sein – das freilich jegliche Sensibilität für die vermissen ließ, die die Hassparole von klein auf zu hören bekommen –, so äußerte sich Jan Feddersen in der taz schon unmissverständlich. Indem er sich u. a. auf den Ärger bezog, den das Aids-Selbsthilfeprojekt Café PositHiv mit ein paar Kids aus der Nachbarschaft hatte, beschwor er unter dem Titel «Was guckst du? Bist du schwul?» die Gefahr, der Szene-Bezirk Schöneberg drohe «für Schwule zur No-go-Area zu werden». Und zur Abwehr führte Feddersen der Notwendigkeit einer «Zivilisierung des Vormodernen» das Wort, womit er junge Männer meinte, «die im weitesten Sinne dem muslimischen Kulturkreis zuzurechnen sind». An diesen infamen Artikel erinnert Klauda im Vorwort und verspricht: «Gegen diese Konstruktion von Lesben- und Schwulenfeindlichkeit als ein ‹vorzivilisatorisches› Relikt, das zunehmend auf den Fremden und ‹Anderen› abgewälzt wird, nimmt das vorliegende Buch wissenschaftlich Stellung.»

Es ist, um es gleich zu sagen, einer der in Deutschland seit Jahren profundesten Beiträge zur sexualpolitischen Debatte geworden – und zugleich eine glänzende Streitschrift wider die Borniertheit, mit der man sie hierzulande im Allgemeinen führt; genau die Stellungnahme also, die jetzt gebraucht wird. Denn was sich in jenem Herbst ankündigte, war der vielleicht endgültige Bruch zwischen solchen Homos, die sich als akzeptierte Minderheit im Rahmen gegebener Normen etablieren wollen, und den anderen, die – auch weil man sie nur um den Preis der Selbstverleugnung dazugehören lässt – den Mechanismus infrage stellen, der die Normen – und damit von ihnen abweichende Minderheiten – erst produziert. Die Berliner Gays & Lesbians aus der Türkei (GLADT) jedenfalls, die für den Kongress noch mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kooperiert hatten, verweigerten sich der kolonisatorischen Aufgabe, die mit zu erfüllen ihnen Feddersen zumuten wollte. Zu eindeutig war ja auch die Rede vom «Kulturkreis» – wird doch klar, nach welchen Kriterien der taz-Redakteur die Zugehörigkeit im Zweifel bestimmt, wenn er z. B. über den GLADT-Mitbegründer Koray Yılmaz-Günay notiert, dass «dessen dunkelblonde Haare nicht eben auf eine türkische Herkunft verweisen». GLADT erhob Einspruch gegen den Rassismus sogenannter Bürgerrechtler: «Der LSVD behauptet, eine ‹Bürgerrechtsorganisation› zu sein. Unsere Rechte vertritt er nicht!», erklärte der seinerzeit noch kleine Verein, als im Jahr darauf eine Aufsatzsammlung zum Thema «Islam und Homosexualität» erschien, die der Lesben- und Schwulenverband zusammengestellt hatte. Denn dieser beschreibe Homophobie und Gewalt «statt als soziale immer wieder als ethnische bzw. auf die vermeintliche Religionszugehörigkeit zurückzuführende Phänomene» und konstruiere dabei «ein ‹Wir› […] aus weißen, aufgeklärten, nicht-homophoben, nicht-sexistischen, urbanen usw. Deutschen».

Hier wird bereits analysiert, was Klauda – der die GLADT-Erklärung von 2004 (PDF) ausführlich zitiert – «die logische Konsequenz der rassistischen Machtverhältnisse in Deutschland» nennt, «in denen ‹Ausländer›[…] zum Gegenstand beständiger Anklage, Ermahnung und Zurechtweisung geworden sind»: «Während schwule Aktivisten innerhalb der Dominanzkultur […] bloße Bittsteller bleiben, die um Toleranz und Verständnis werben müssen, übernehmen sie im ausländerpolitischen Diskurs sogleich die Position des ‹Staatsanwalts›».

Der Islam also. Die Frage, was er denn nun wirklich zur Homosexualität sage, wird bemühten Imamen von Hinterhofmoscheen ebenso wie wichtigtuerischen «Fernsehexperten des Islam» (Navid Kermani) immer wieder gern gestellt. Aber ganz richtig lautet die Antwort, die Georg Klauda darauf gefunden hat: Nichts. «Tatsächlich ergibt der Begriff der ‹Homosexualität› im Horizont der heiligen Schriften des Islam gar keinen Sinn, weil er Denkweisen transportiert, die mit dem Verständnis, das vormoderne Gesellschaften sich von dieser Sache gemacht hatten, auf grundlegende Weise kollidieren. Traditionelle islamische Juristen gingen etwa von der Prämisse aus, dass die erotische Attraktion gegenüber dem eigenen Geschlecht ein natürliches Faktum ist, das dem Menschsein als solchem entspringt.» Sowohl die «Aussage, der Islam verdamme ‹die Homosexualität›, ist im höchsten Maße irreführend» als auch die Deutung, «er toleriere ‹Homosexualität›[…] Beiden Auffassungen liegt der gleiche Fehler zugrunde, ein epistemologisches Konzept, das in unserer Gesellschaft verankert ist, nämlich Subjekte in normal und anormal, in ‹homosexuell› und ‹heterosexuell› einzuteilen, auch in anderen Kontexten einfach ungeprüft vorauszusetzen.»

So weiß die islamische Überlieferung zwar gewiss von Sex zwischen Männern. Er gilt als verboten, und traditionell standen darauf theoretisch je nach Rechtsschule unterschiedlich strenge Strafen. Dabei ist die Vorstellung, dass «der» Islam hier die Todesstrafe verlange, wiederum «grob irreführend», und selten kam es überhaupt zu einer Verurteilung – nach den Regeln des Koran, der den Indizienbeweis verwirft und vier Augenzeugen des Delikts fordert, wäre sie nahezu ausgeschlossen. Im Übrigen ist der «Verbotsdiskurs […] nicht die ganze Wahrheit über den Islam. Eine Gegenposition […] nahmen schon früh die» – gleichwohl immer zu den Gläubigen gerechneten – «Sufis ein»: Klauda kann hier auf die «zahllosen und auch über deutsche Bibliotheken leicht zugänglichen Belege über die historische Bedeutung gleichgeschlechtlicher Liebe in der islamischen Welt» verweisen. Doch vor allem gab es dort darauf bis ins 20. Jahrhundert hinein keine Perspektive, «die identitäre Denkformen naturalisiert». Die längste Zeit machte es, wie schon für Ibn Hazm (gestorben 1064), den großen Theologen des andalusischen Islam und Verfasser der klassischen arabischen Liebeskunst Das Halsband der Taube, «keinen begrifflichen Unterschied, ob sich die Rollen von ‹Liebenden› und ‹Geliebten› nun auf einen Mann und eine Frau oder eben auf zwei männliche Personen verteilen».

Derweil bahnte sich im christlichen Europa des Hochmittelalters die von Michel Foucault als im Vergleich zum einfachen Verbot für die Moderne charakteristisch herausgestellte «andere Form der Macht» an, nämlich eine «Differenzierung, die eigentümlicherweise nicht mehr an spezifischen Handlungen, sondern an den Subjekten selbst haftet». Bereits im 13. Jahrhundert behalf sich Thomas von Aquin, immer um den Nachweis der Vernünftigkeit kirchlicher Lehre bemüht, indem er den «Sodomiten», der ja anscheinend ganz unsinnige Lust am Unerlaubten empfand, «mit einer von der menschlichen Gattung abweichenden Sondernatur» ausstattete. Seither versteht sich im Abendland die erotische Attraktion, die einer für jemanden vom gleichen Geschlecht fühlt, nicht mehr dadurch von selbst, dass er ein Mensch ist – sondern dass er irgendwie «verkehrt» sei. Erst diese, wie Klauda betont, «eben nicht nur essentialisierende, sondern auch minorisierende Haltung der christlichen Theologie» ermöglichte den späteren Homosexuellen als prekäre «Spezies» (Foucault).

Georg Klauda geht es nicht um eine Apologie des Islam, auch nicht des echten – wenngleich er es zu Recht «fatal» nennt, «wie der Westen mit dem Herrschafts- und Definitionsanspruch des Islamismus kollaboriert, indem er ihm seinen kulturellen Authentizitätswahn unbesehen abnimmt». Dagegen bestimmt Klauda z. B. die «Schwulenverfolgung im Iran» nach der sogenannten Islamischen Revolution «als Teil eines Modernisierungsprozesses […], der dem aus Europa adaptierten Muster einer Verschiebung vom Gesetz zur Norm folgt und die diskursive Produktion einer neuen, als ‹abweichend› markierten Sexualität beinhaltet». Damit wird die vom tonangebenden Teil der hiesigen Schwulenbewegung «in paternalisierender Überheblichkeit» gepflegte «Auffassung der Geschichte als ein zielgerichteter Fortschrittsprozess, dessen Vorreiter die westlich-liberalen Gesellschaften seien», verabschiedet, das Problem nach Hause zurückgeholt. Denn natürlich sind wir empört, wenn wir an das Bild der in Iran hingerichteten «schwulen» Teenager denken (leider nicht so präsent sind uns meist Fälle wie der von Klauda angeführte eines geistig Behinderten, der zur gleichen Zeit in den USA bereits seit Jahren im Zuchthaus saß, nur weil er als 18-Jähriger einverständlichen Oralverkehr mit einem 16-Jährigen hatte). Aber sofern wir es nicht – unwillig, uns «mit der Genealogie der eigenen Gesellschaft auseinanderzusetzen» – als Ausdruck einer fremden kulturellen Tradition missverstehen wollen, kann es uns auch zeigen, was gerade im Abendland so lange möglich war und in letzter Konsequenz immer möglich ist, wo «Menschen nach sexuellen Identitätskategorien sortiert» werden.

Klauda jedenfalls ist weniger optimistisch als Michel Foucault, was die subjektive Wirkung des stets auf Heteronormativität bezogen bleibenden Homo-Diskurses angeht. Statt in einer «‹Anreizung› peripherer Lüste» besteht sie für ihn eher «in einer beispiellosen Verknappung von Verhaltensweisen, die als Ausdruck einer devianten sexuellen Identität konstruiert und wahrgenommen» werden. So sind etwa in der «Islamischen Republik» die von persischen Sufis von alters her getragenen Ohrringe auf einmal verpönt, weil man sie, einer westlichen Mode gemäß, als Ausweis einer gay identity interpretiert. Im Westen wiederum fühlen sich Männer, die den angesagten metrosexuellen Look pflegen, zugleich zu verstärkter «Überwachung des eigenen Verhaltens im Dienste eines strikten heterosexuellen Identitätsmanagements» verpflichtet.

Der Sozialwissenschaftler Michael Bochow beobachtete in Berlin in den 90er Jahren rechte Jugendliche, die den Bezirk Kreuzberg mieden «mit der Begründung, dass dort so viele Türken wohnten, die alle schwul seien. Sie meinten damit die Verkehrsformen türkischer […] junger Männer, die bei der Begrüßung Wangenküsse unter Freunden austauschen und wesentlich mehr Umarmungen und physische Kontakte pflegen», als dies offenbar deutschen Jungs akzeptabel scheint, so sie nicht als andersrum gelten wollen. Klaudas ernüchternde Erkenntnis: «Die Homophobie von Jugendlichen ist mit dem identitären Homo/Hetero-Binarismus untrennbar verbunden und auf dessen Basis unaufhebbar.» Die türkische Sprache verfügte seit osmanischer Zeit über unglaublich viele Wörter, um Gleichgeschlechtliches in jeder denkbaren Nuance zu bezeichnen. Doch keins davon brachte die «Sünde» auf den Begriff, den sich das christlich konditionierte Europa davon machte und der diese «Liebe aus den normativen Lebensentwürfen der Bevölkerungsmehrheit rigoros abgesondert hat». Wenn inzwischen auch Berliner Unterschichtsjugendliche mit türkischen, kurdischen oder arabischen Wurzeln gelernt haben, dass als «Schwuler» zu verachten sei, wer von der vorgegebenen Männlichkeitsnorm abweicht, beweist das, wie sehr sie die hier herrschenden kulturellen Regeln verinnerlicht haben.

Mögen auch diejenigen dieses Buch lesen, die aus Steuermitteln die immer schriller werdende xenophobe Propaganda des Lesben- und Schwulenverbandes indirekt finanzieren – jüngst warnte Alexander Zinn vom Lesben- und Schwulenverband über die Presse gar vor der angeblich bevorstehenden Einführung der Scharia an den Berliner Schulen. Bei Georg Klauda lässt sich stattdessen etwas über die wirklichen Probleme lernen, und vielleicht stellt sich ja eine Ahnung ein, wie man ihnen zukünftig begegnen sollte. Was jedoch den LSVD, die Dummheit einmal beiseite, treiben könnte, deutet Klauda nur dezent an. Koray Yılmaz-Günay von GLADT war da in einem Interview direkter: «Dem Verband sind die liebsten Migranten immer die gewesen, die Probleme verursachen […] Solange sich auf Kosten von ethnischen Minderheiten ein Profil entwickeln lässt, das Fördergelder akquirieren hilft, ist er schnell bei der Sache.» (junge welt vom 28. Januar 2006)

Heute hat GLADT zahlreiche Mitstreiter_innen unterschiedlichster – auch mehrheitsdeutscher – Herkünfte sowie geschlechtlicher und sexueller Identitäten. Der Verein ist ganz von hier und auch überhaupt nicht religiös orientiert – dennoch wird dort im Miteinander für mich – um zum Schluss ganz persönlich zu werden – manchmal die von Michel Foucault gepriesene «Freundschaft als Lebensweise» greifbar, wie sie nach Klauda in der traditionellen «islamischen Welt» eine «Alternative zum westlichen Identitätsmodell darstellt». Gut möglich, das ist richtig queer.

Rosige Zeiten, Ausgabe 119 (Dezember 2008/Januar 2009)

[Der Artikel wurde vorab bereits im Oktober 2008 auf www.schwule-seite.de veröffentlicht (Direktlink zum Text).]

  1. Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt, Hamburg 2008: Männerschwarm Verlag. [zurück]