Reader «Bildung mit links!» als freier Download

Hawel_Kalmring_Bildungs_mit_links• Marcus Hawel & Stefan Kalmring, Hg.: Bildung mit links! Gesellschaftskritik und emanzipatorische Lernprozesse im flexibilisierten Kapitalismus. Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Hamburg 2014: VSA Verlag, 206 Seiten, broschiert, 16,80 €, ISBN 978-3-89965-597-1.

«Bildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit. Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. Organisiert euch, denn wir brauchen eure ganze Kraft.» (Antonio Gramsci) Der Reader ist dem Politikwissenschaftler Dieter Schlönvoigt gewidmet, der die Rosa-Luxemburg-Stiftung entscheidend prägte. Geboten werden 14 Originalbeiträge, darunter der Text Intersektionalität in der Bildungsarbeit von Claudia de Coster, Salih [Alexander] Wolter und Koray Yılmaz-Günay. (S. 118-135). Heinz-Jürgen Voß – der den Band bei socialnet ausführlich rezensierte (externer Link) – schreibt über diesen Beitrag:

Neben einem knackigen Überblick über die – praktisch orientierte – Geschichte und Theorie, die hinter dem Begriff «Intersektionalität» stehen, erläutern sie die Notwendigkeit von intersektionalen Ansätzen für die Bildungsarbeit. Sie zeigen, dass Intersektionalität einem Denken in klaren und vermeintlich voneinander trennbaren Identitäten entgegenwirkt und beschreiben die «(Selbst-)Homogenisierung der Frauen- oder Schwulenbewegung» sowie den «Fokus vieler Gewerkschaften auf den weißen, eindeutig männlichen, heterosexuellen, nicht ‹behinderten› Facharbeiter» als Problem. Sie plädieren gegen einfache Konzepte von «Vielfalt» und «Diversity» in der Bildungsarbeit, die sich nicht den konkreten gesellschaftlichen Grundbedingungen zuwendeten. Vielmehr müsse reflektiert werden, «dass Bildung […] einer der wichtigsten Orte ist, an denen gesellschaftliche Ungleichheit produziert und reproduziert wird». Man dürfe damit «weder bei einem unkritischen Subjekt-Begriff noch bei einem unhinterfragten Begriff der Verschiedenheit stehenbleiben». Emanzipatorische Bildungsarbeit könne Anregungen aus Inklusions-Konzepten aufnehmen und müsse im Sinne eines «(Self-)Empowerment» und einer «(Selbst-)Organisierung» stattfinden. Eine solche Bildungsarbeit stehe aber auch vor Dilemmata: So benötigt der «Streit gegen eine Stigmatisierung […] die Bestätigung, dass es eine abgrenzbare Gruppe gebe, die ‹anders› ist.» Bildungsarbeit müsse damit gleichzeitig den Inhalt «der soziale[n] Konstruiertheit von Identitäten» und «die Notwendigkeit einer strategischen Identitätspolitik» aufnehmen, um erfolgreich zu sein. Es ergibt sich auch die Schwierigkeit, dass emanzipatorische Bildungsarbeit als «geschützter Rahmen und Raum» konzipiert sein sollte, aber in einer «gesellschaftlichen Umwelt statt[findet], die keine Schutzräume vorsieht».

Neben der Printversion gibt es das gesamte Buch auch zum freien Download hier (PDF-Volltext, externer Link). Für diese Veröffentlichung gelten die Bedingungen einer Creative Commons License: Creative Commons Attribution-Non-Commercial-NoDerivs 3.0 Germany License. Nach dieser Lizenz dürft ihr / dürfen Sie die Texte für nichtkommerzielle Zwecke vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen unter der Bedingung, dass die Namen der Autor_innen und der Buchtitel inkl. Verlag genannt werden, der Inhalt nicht bearbeitet, abgewandelt oder in anderer Weise verändert wird und ihr/Sie ihn unter vollständigem Abdruck dieses Lizenzhinweises weitergebt/weitergeben. Alle anderen Nutzungsformen, die nicht durch diese Creative Commons Lizenz oder das Urheberrecht gestattet sind, bleiben vorbehalten.

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