Koray Yılmaz-Günay & Salih Alexander Wolter: Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte»

Zuletzt aktualisiert am 4. November 2016 (Nachtrag zur wissenschaftlichen Rezeption erweitert)

Ein Band, in dem «die Beschreibung gesellschaftlicher Verhältnisse stets um die Handlungsebene zur emanzipatorischen Entwicklung von Politik ergänzt» wird. Heinz-Jürgen Voß auf kritisch-lesen.de (externer Link)

«Bei der Auslagerung von Homophobie wie von Antisemitismus zu Menschen, die als migrantisch und/oder muslimisch identifiziert werden, spielen schwule Meinungsbildner seit den 1990er Jahren eine wichtige Rolle. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird nicht müde, auf die Gefahren des antimuslimischen Rassismus und auf gemeinsame Interessen hinzuweisen, wie etwa in den Debatten um das Kopftuch oder die Beschneidung von Jungen. Demgegenüber bedient sich die ‹Community› einer Rhetorik gemeinsamen Leids mit ‹den› Jüd_innen, um eine strukturell rassistische und antisemitische Dominanzgesellschaft in ihren Grundfesten zu bestätigen. Indem sich der deutsche Homonationalismus positiv auf das ‹geläuterte Deutschland› bezieht, bewirkt er – gewollt oder ungewollt – vor allem eine Deutschwaschung der schwulen Szenen.» Koray Yılmaz-Günay/Salih Alexander Wolter (Wer MACHT Demo_kratie?, S. 73)

Im Juni 2013 veröffentlichte die Edition Assemblage in Münster den Sammelband Wer MACHT Demo__kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen, hg. von Duygu Gürsel,  Zülfukar Çetin & Allmende e. V. (256 Seiten, broschiert,  16.80 €, ISBN 978-3-942885-34-8).  Er enthält Beiträge von Martina Benz, Houria Bouteldja, Zülfukar Çetin, Safter Çınar, Juan Pablo Díaz & Pablo Hermann & OKK (Organ Kritischer Kunst), Gaston Ebua, Urmila Goel, Ramon Grosfoguel, Duygu Gürsel, Cağrı Kahveci, Christiane Mende, Stephen Sulimma, Vassilis Tsianos, Ulu Turgay, Women in Exile sowie Koray Yılmaz-Günay & Salih Alexander Wolter.

Der Essay Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte» von Yılmaz-Günay/Wolter ist auch online zu lesen (PDF mit dem vollständigen Text). Eine gekürzte Fassung erschien vorab in ZAG Antirassistische Zeitschrift, Heft 63 (externer Link zum Beitrag). Am 17. August 2013 fand beim Berliner Festival gegen Rassismus ein gut besuchter Workshop zum Buch mit Herausgeber Zülfukar Çetin und den Autoren Safter Çınar, Turgay Ulu und Salih Alexander Wolter statt. Die erste Würdigung des Sammelbands, dem es in besonderer Weise gelingt,  «Aktivismus und theoretische Reflexion miteinander zu verbinden», gab es auf dem Mädchenblog (externer Link zur Rezension). Für kritisch-lesen.de besprach Heinz-Jürgen Voß das Buch und ging dabei ausführlich auf die Beiträge von Vassilis Tsianos und Yılmaz-Günay/Wolter ein, die jeweils die Beteiligung von weißen «Mittelschichts-Schwulen an rassistisch und klassistisch ausgrenzender Politik» analysieren (s. Link am Anfang dieses Artikels).

Nachtrag zur Rezeption von Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte»: Der Text wird u. a. in folgenden wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen zitiert: Zülfukar Çetin & Savaş Taş: Kontinuitäten einer Kooperation: Antimuslimischer Rassismus in Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Staat, in: Farid Hafez (Hg.): Jahrbuch für Islamophobieforschung 2014, Wien 2014: New Academic Press, S. 19-41; Heinz-Jürgen Voß: Homosexualität in den Naturwissenschaften, in: Florian Mildenberger u. a. (Hg.): Was ist Homosexualität? Forschungsgeschichte, gesellschaftliche Entwicklung und Perspektiven, Hamburg 2014: Männerschwarm Verlag, S. 345-373; Heinz-Jürgen Voß: Zwischen Wissenschaft und Bewegung. Hirschfeld zu geschlechtlichen Zwischenstufen – und das Abbrechen mit der Nazi-Zeit, in: Rüdiger Lautmann (Hg.): Capricen. Momente schwuler Geschichte, Hamburg 2014: Männerschwarm Verlag, S. 87-108; Friederike Schmidt & Anne-Christin Schondelmayer: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – (k)ein pädagogisches Thema?, in: dies. & Ute B. Schröder (Hg.): Selbstbestimmung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Lebenswirklichkeiten, Forschungsergebnisse und Bildungsbausteine, Wiesbaden 2015 (das Buch lag bereits im Herbst 2014 vor): Springer VS, S. 223-240); Zülfukar Çetin: Der Schwulenkiez. Homonationalismus und Dominanzgesellschaft, in: Iman Attia u. a. (Hg.): Dominanzkultur reloaded. Neue Texte zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und ihren Wechselwirkungen, Bielefeld 2015: Transcript Verlag, S. 35-46); Jin Haritaworn: Queer Lovers and Hateful Others: Regenerating Violent Times and Places, London 2015: Pluto Press (Vertrieb in den USA durch die University of Chicago Press); Zülfukar Çetin & Heinz-Jürgen Voß: Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität. Kritische Perspektiven, Gießen 2016: Psychosozial-Verlag.

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